Idenity Graphic
Vorwort
Leben und Werk
Werkverzeichnis
Die Familie
Quellen

Horst Heidermann

LEBEN UND WERK7

Unvollständig muss sie immer noch bleiben, die Biographie des in Muffendorf (seit 1914 Godesberg-Muffendorf) geborenen Malers. Es gibt außer seinen Bildern keine eigenen Zeugnisse, keine Korrespondenz, keine Aufzeichnungen, nichts. Sein Leben muss also nach wie vor aus seinen Werken und aus „Fremd“-Dokumenten rekonstruiert werden, aus Urkunden, Erinnerungen. Wichtige Vorarbeiten dazu leisteten Julius Söhn und auf der Grundlage des von ihm gesammelten Materials Walter Cohen und Walter Holzhausen.8 Bereits im Jahre 1914 hatte Söhn seinen ersten Brief „An das löbl. Standesamt Muffendorf b. Godesberg“ geschrieben und nach dem Geburtsdatum des „Peter Schwingen geboren wahrscheinlich in den Jahren 1815-1818“ geforscht.9

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Herkunft

Die bäuerliche Sippe der Schwingens lässt sich in Muffendorf seit dem 18. Jahrhundert nachweisen. Sicher ist sie wesentlich älter. Johannes Schwingen, der 1710-1722 als Pächter eines Hofes des Cassius-Stiftes, Bonn, erwähnt wird, ist der Ur-Urgroßvater des Künstlers. Seine Söhne, vor allem Heinrich der Urgroßvater, und Theodor (Dietrich) tauchen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts immer wieder in den Muffendorfer Kirchbüchern auf und sorgen in jeweils zwei Ehen für Nachwuchs. Theodor und sein Sohn Johannes bleiben Pächter des Cassius-Stiftes mindestens bis 1770, wahrscheinlich aber bis 1782 (üblicher Pachtvertrag über 12 Jahre).10
Mathias Schwingen, ein Urenkel des Johannes, erwirbt aus säkularisiertem Kirchengut allerdings nicht den Hof des Cassius-Stiftes, sondern über den bisherigen Pächter, seinen Schwiegervater Anton Kick, die Wattendorfer Mühle; wie es hieß mit dem Geld, das er als Soldat Napoleons verdient hatte. Auf der Mühle lebten seine Nachkommen bis 1900. 11 Über Johannes und seine Söhne sind mehr oder weniger alle Schwingens des 18., 19. und 20. Jahrhunderts miteinander verwandt – wenn oft auch kaum noch nachvollziehbar. Immer wieder haben einige, oft wenige Sprösslinge die in Muffendorf so gefürchteten Scharlach- und Diphterie-Epidemien überstanden. Maler sind allerdings vor 1813 nicht überliefert.

Das ändert sich mit Peter Schwingen. Die Eltern sind Peter Joseph Schwingen und seine Frau Caroline Franziska Antoinette Nicolai. Elternschaft und auch Geburtsjahr des Malers wurden lange falsch angegeben (1815 statt richtig 1813). So auch von Alfred Wiedemann in seiner Geschichte Bad Godesbergs. 12 Die Aufklärung erfolgte erst im Zusammenhang mit der Jahrhundertausstellung des Rheinlandes 1925, auf der neun Bilder Peter Schwingens ausgestellt wurden. Zunächst vermutete man, aufgrund eines Briefes des Muffendorfer Pfarrers Kastert an den Düsseldorfer Kunsthistoriker Dr. Walter Cohen, damals Leiter der Gemäldegalerie der Stadt Düsseldorf, dass Schwingen zwar 1813 geboren, aber erst 1815 getauft worden sei. Cohen ordnet auch dem Maler immer noch die falschen Eltern zu.13

Nun aber ging die Initiative auf Bürgermeister Zander in Godesberg über. Er hatte das Buch von Walter Cohen über „Hundert Jahre Rheinischer Malerei“ gelesen und beschlossen, sich dem Maler in seiner Heimatstadt zu widmen. So begann er, in Muffendorf zu forschen und bald stellte sich heraus, dass ältere Muffendorfer und entfernte Verwandte wohl Bescheid wussten. So wurde von dem Angestellten auf der Godesberger Post Josef Stings 14 und dem Weinhändler Heinrich Raaf sen.15 auf das richtige Elternpaar und damit natürlich auch auf das richtige Geburtsdatum hingewiesen. Das Godesberger Standesamt bestätigte ihre Aussagen. Die Geburtsurkunde der damals noch französischen Godesberger Verwaltung brachte Klarheit. Nach dieser Urkunde sind Peter Josef Schwingen und seine Frau Caroline die Eltern. Die Geburt war am 14. Oktober 1813.

Der Beruf des Vaters wird mit "Garde-champêtre", Feldhüter, angegeben; eine Art ländlicher Hilfspolizist. Jedenfalls schlecht bezahlt. Die Entlohnung musste von den Eigentümern der Felder als Zuschlag zur Grundsteuer aufgebracht werden.



Geburtsurkunde des Peter Schwingen, Standesamt Bad Godesberg

Sie betrug noch 1852 nur 30 Taler jährlich. Wenn der Feldhüter auch die Aufgaben des Nachwächters übernahm, konnte er weitere 30 Taler kassieren. Erst 1859 wurde das Gehalt des Feldhüters auf 60 Taler erhöht.16 Peter Joseph Schwingen war demobilisierter Soldat Napoleons. Schwingen war, mit Peter Rieck, auch als gerichtlich vereidigter Taxator für Grundstücke tätig, was etwa bei Erbteilungen, Verkäufen und Kreditaufnahmen eine große Bedeutung hatte. 17 Ortsvorsteher oder Mitglied des Gemeinderates war er allerdings, soweit wir feststellen konnten, nicht, obwohl das gelegentlich berichtet wird. Im Gemeinderat wirkte hingehen seit dessen Errichtung 1846 bis 1861 Johann Peter Schwingen, ein entfernter, wesentlich wohlhabenderer Verwandter.

Dank der Unterlagen der französischen Verwaltung können wir noch einiges mehr über die Eltern erfahren. Der Vater besaß ein eigenes Haus und etwas Land in Muffendorf. Er wohnte auf der heutigen Muffendorfer Hauptstraße in der Höhe des jetzigen Hauses Nr. 36 (damals Auf der Gassen 95) in einem Fachwerkhaus, das bereits 1759 in Ehmanns Flurkarte eingezeichnet ist18, allerdings um die Jahrhundertwende abbrannte und größtenteils durch einen Neubau ersetzt wurde.19 Schon 1925 hatte Käthe Stings geschrieben: „Die elterliche Wohnung befand sich auf der jetzigen Hauptstraße Nr. 36, und von dem alten Hause, das allerdings jetzt neu aufgebaut ist, bestehen noch einige Wände, welche jetzt noch mit verblassten Malereien seines ersten Könnens bedeckt sind.“ 20

Wie waren die Lebensverhältnisse der Familie, deren zweites Kind der Maler war? Das Grundstück ist klein, umfasst 224 qm. Unmittelbar angrenzend gehören zum Haus zwei Baumgärten (Bungerte) mit 356 und 68 qm. Der gesamte Grundbesitz des Peter Josef Schwingen betrug 11756 qm, etwas weniger als vier Morgen. Davon waren aber ca. zwei Morgen Buschland. Nur 4000 qm waren Ackerland und vom wertvollen Weinland waren nur 1339 qm vorhanden. Ob dieser kleine Grundbesitz und die Einkünfte als Feldhüter genug für den Unterhalt der Familie hergaben, wissen wir nicht. Vielleicht hatte man weiteres Land hinzugepachtet. Es ist aber jedenfalls nicht üppig zugegangen im Hause Schwingen. Wenn wir zum Vergleich einmal den Grundbesitz des bereits erwähnten Mathias Schwingen heranziehen, so besaß er, der ja im Hauptberuf zudem Müller war, zusammen rund neun Morgen Land, davon allein 6002 qm Weinberge.

In ländlichen Gesellschaften mit fränkischer Erbteilung, also Aufspaltung des Erbes, gibt es eigentlich nur ein probates Mittel, der immer weiteren Zersplitterung des Grundbesitzes entgegenzuwirken. Es ist die Praxis, immer wieder untereinander im Dorf zu heiraten und so die unheilvollen Wirkungen der Erbfolge wieder auszugleichen. Vater Schwingen konnte oder wollte anscheinend diesen Weg nicht gehen. Er war wohl für die Töchter wohlhabender Muffendorfer Bauern keine gute Partie. Er heiratet also 1810 eines Wirtes Töchterlein aus Godesberg: die schon erwähnte Caroline Nicolai. Frisches Blut kommt nach Muffendorf! Die junge Frau war bereits Witwe. Sie war in erster, nur siebenmonatiger Ehe mit dem Forstaufseher Anton Joseph Maria Wentzel, einem „Garde-forestier“, – quasi die Wald-Version des Feldhüters – verheiratet gewesen, der im Forsthaus Venne wohnte. Die Familie Nicolai stammte aus Eupen. Sie scheint sich gewisser Beziehungen in Godesberg erfreut zu haben. So war Trauzeuge bei der ersten Ehe der jungen Caroline jener Sebastian Blinzler, dem der letzte Kurfürst Max Franz vor dem Einzug der Franzosen 1794 die Gästehäuser Prinz von Coburg und Prinz von Oranien an der heutigen Kurfürstenallee mit Stallungen, Remisen, Gartenland usw. zur Bewirtschaftung schenkte.21 Daraus entstand das weit über Godesberg hinaus bekannte Hotel Blinzler. Die Verbindung zu Blinzler und damit zum kurfürstlichen Hof ist insofern interessant, als sie eine Pressemeldung von 1926 zu bestätigen scheint, wonach der Vater der Caroline, Lambert Nicolai, vor seine Betätigung als Wirt Diener beim Kurfürsten Max Franz gewesen sei.22 Die Großmutter Gertrud Nicolai geb. Hilgers, stammte aus Morenhoven. Sie lebte noch bis 1849 und wurde von Peter Schwingen in einem seiner schönsten Porträts gemalt (WVZ 64). Sie wurde auf dem Burgfriedhof in Godesberg begraben.23 Nach Raaf war auch Peter Schwingen bei der Beerdigung anwesend. Danach sei er nie wieder nach Muffendorf gekommen.24

Als der spätere Maler in Muffendorf das Licht der Welt erblickte, stand die so genannte „Völkerschlacht“ bei Leipzig kurz bevor. Am 31. März 1814 zogen die Verbündeten bereits in Paris ein. Es wird nicht lange gedauert haben, bis die Kunde davon nach Muffendorf durchdrang. Der Schlacht bei Waterloo folgte der Wiener Kongress und dieser schlug die Länder am Rhein Preußen zu, obwohl sich dieses lieber ganz Sachsen einverleibt hätte. Die Rheinländer liebten die meist protestantischen Preußen und ihre Ordnung und Disziplin nicht besonders. Vielerlei Spannungen zwischen den neuen Machthabern und den Menschen der Rheinprovinz waren die Folge. Auch Peter Schwingen sollte davon spüren.

Diese Spannungen wurden überlagert von einer anderen Entwicklung, die mit der Enttäuschung über das nicht eingelöste Verfassungs-Versprechen des preußischen Königs und mit der reaktionären Entwicklung in Deutschland zusammen hing und immer deutlicher die liberalen Forderungen artikulierte. Als Schwingen 1831 nach Düsseldorf kam, waren die ersten Anzeichen des „Vormärz“ erkennbar. 1837 sorgte die Amtsenthebung der „Göttinger Sieben“, der sieben Professoren der Universität, die gegen den Verfassungsbruch durch den König Ernst August von Hannover protestiert hatten, für ein weites Echo.

Auf der anderen Seite taten die neuen preußischen Herren einiges zur Integration der neuen Provinzen in das Königreich. In Bonn wurde die Universität gegründet. In Düsseldorf wurde die alte Großherzogliche Kunstakademie wieder belebt. Zunächst unter dem Rheinländer Peter Cornelius, dann unter dem „Ostländer“ Wilhelm Schadow gelangte sie bald zu Ruhm und Ansehen und viele Kunstjünger aus Deutschland und zunehmend auch aus dem Ausland strömten an die Kunstschule. Das notorische Notstandsgebiet der Eifel wurde durch Eisenbahnen erschlossen und vor allem durch die preußische Forstverwaltung kultiviert.

In der Bürgermeisterei Godesberg, zu der auch Muffendorf als selbständige Gemeinde gehörte, wurde der Maire aus der Franzosenzeit, Engelbert Kamp, durch Männer abgelöst, die den neuen Herren genehm waren. Nach kurzen Zwischenspielen wurde 1818 Wilhelm Hugo Franken aus Poppelsdorf Bürgermeister. Als seinen Gehilfen brachte er ebenfalls aus Poppelsdorf Hubert Mathonet mit, der dann auch 1841 sein Nachfolger werden sollte. Für das neue Amt hatte sich Franken als Freiwilliger der „Befreiungskriege“ qualifiziert. Er war Oberleutnant und Kompagnieführer der Rheinischen Landwehr gewesen und hatte das Eiserne Kreuz erhalten. Sein ältester, 1818 in Oberbachem geborener Sohn Paul wurde als Maler Paul von Franken bekannt und war später Trauzeuge bei der zweiten Ehe des Peter Schwingen in Düsseldorf.25

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Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie

Für den jungen Mann aus Muffendorf waren zunächst andere Dinge wichtiger als der Machtwechsel am Rhein und seine Folgen. Es ging um seinen zukünftigen persönlichen Lebensweg. Schwingen wollte der Kümmerexistenz des väterlichen Umfeldes entfliehen. Sein erkennbares malerisches Talent bot eine Möglichkeit. Der Schritt in die alte bergische Hauptstadt war ein Weg aus dörflicher Enge und Beschränktheit. Zum Wunsch nach mehr persönlicher Freiheit und mehr Wohlstand trat aber nicht nur bei Schwingen bald auch das Streben nach einer freieren gesellschaftlichen Entwicklung hinzu.

Besonderes, auch heimatgeschichtliches Interesse fand die Frage, wie wohl der Junge aus Muffendorf, Sohn eines armen Kleinbauern und Feldhüters, den Weg auf die Akademie nach Düsseldorf gefunden habe. Allerlei Legenden ranken sich um diesen ungewöhnlichen Aufstieg. Eine Prinzessin hatte offenbar die Hand im Spiel. Aber welche?

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Die falsche Prinzessin

Da schien es einen Hinweis zu geben: Im Jahre 1840 schuf der Düsseldorfer Kunstschüler Peter Schwingen, damals schon in der 1. Malklasse und Schüler Schadows, die Kopie eines Gemäldes seines Lehrers: die „Prinzessin Wilhelmine Luise von Preußen“. Diese war verheiratet mit Prinz Friedrich von Preußen (1797-1888), der als Kommandeur der 14. Preußischen Infanteriedivision nach Düsseldorf gekommen war und damit quasi die neue Hohenzollernsche Dynastie in der alten bergischen Hauptstadt vertrat. Diese Prinzessin stammte aus dem Hause Sachsen-Anhalt, war selbst künstlerisch interessiert und studierte auch an der Kunstakademie. So lag es nahe, sie als die Patronin des jungen Malers aus Muffendorf anzusehen; denn Wolfgang Hütt hatte aufgrund von damals in der DDR lagernden Akten berichtet, dass die „Prinzessin Wilhelmine von Preußen“ ihn zu einem Stipendium vorgeschlagen habe. Zwar ließ sich nicht aufklären, wieso die Prinzessin von dem Muffendorfer etwas hatte hören können, aber Lücken im Lebenslauf des Malers gab es gerade in der frühen Zeit ja reichlich.26

Inzwischen hat sich aufgrund einer Prüfung der von Hütt zitierten Quelle herausgestellt, dass diese Annahme auf einem Lesefehler von Hütt beruhte. Hütt hatte die Prinzessin „Wilhelm“, wie es im Originaldokument 27 eindeutig heißt, in eine Prinzessin „Wilhelmine“ verwandelt. Das sind aber nun aber zwei bemerkenswert verschiedene Personen. Während die Wilhelmine Luise aus Düsseldorf eine zwar liebenswürdige, aber sonst wenig hervortretende Persönlichkeit war, bedeutete „Prinzessin Wilhelm“ nicht mehr und nicht weniger als die Gemahlin des Prinzen Wilhelm (1797-1888), des späteren Königs von Preußen und deutschen Kaisers, die Kaiserin Augusta (1811-1890)!

Prinz Wilhelm war der zweite Sohn des Königs Friedrich III. Ab 1840 wurde er von seinem Bruder, dem König Friedrich Wilhelm IV., der keine Kinder hatte, offiziell als eventueller Nachfolger und „Prinz von Preußen“ nominiert. Seine Frau aus dem Hause Sachsen-Weimar hatte der Prinz von Preußen 1829 geheiratet, nachdem sich die von diesem angestrebte Liebesheirat mit einer nicht standesgemäßen Dame aus gleichwohl adeligem Hause, der Prinzessin Elisa Radziwill, aus dynastischen Gründen zerschlagen hatte. Seiner nunmehr Angetrauten hatte der Prinz geschrieben, sie wisse ja, dass er eine andere liebe, die er nicht heiraten könne, er werde ihr, der Prinzessin Augusta, aber immer mit Respekt begegnen. Daran hielt er sich in der immerhin fast sechzigjährigen Ehe. Augusta war die Enkelin des Großherzogs Carl August von Sachsen Weimar-Eisenach und dachte in den Leitlinien, die ihr die Erziehung in einem liberalen und weltoffenen Adelshause mitgegeben hatte. Die Förderung der Literatur und der bildenden Kunst betrieb sie mit Engagement und als Verpflichtung.

Als es infolge der französischen Julirevolution auch in Rhein-Preußen zu Unruhen kam (Eupen, Malmedy, Aachen, Köln, Elberfeld), sah man sich in Berlin zu besonderen Maßnahmen genötigt. Die Forderung zum Anschluss an Frankreich war hier und da wieder einmal aufgetaucht. Darauf reagierten die Preußen besonders allergisch. Zusätzliche Truppen wurden nach Köln und Aachen verlegt. Am 24. September 1830 wurde Prinz Wilhelm zum Generalgouverneur von Rheinland-Westfalen ernannt. Im Zuge der Vorbereitung auf die neue Aufgabe, machte er Reisen durch das Gebiet und besuchte am 9. September 1830 auch Bonn.28 Der Prinz sollte nicht nur Erkunden und schnelle Entscheidungen – falls sie notwendig wurden – erleichtern, vor allem sollte er Präsenz zeigen und durch positive Maßnahmen die Bevölkerung für Preußen mehr als bisher motivieren. Allerdings konnte er infolge einer Erkrankung seinen neuen Posten erst im Dezember 1830 antreten. Amtssitz des Generalgouverneurs war die Festung Köln.29

Ein Junge aus Muffendorf sollte davon profitieren: Ein weiterer, offizieller Besuch des Prinzen Wilhelm in Bonn, nunmehr als Gouverneur, schloss sich am 30. Mai 1831 an. Diesmal war auch die damals 19-jährige Prinzessin dabei.30 Wir erfahren das aus der letzten Strophe eines Huldigungsgedichtes, das beim „Festmahle“ für die hohen Herrschaften im Boeselager Hof vorgetragen wurde. Ein Ball, auf dem der Prinz und seine Frau bis Mitternacht blieben, beendete den Tag. Die hohen Herrschaften wohnten mit Gefolge im Hotel Stern. 31 Eine wichtige Rolle spielte neben dem Oberbürgermeister und dem Rektor der Universität bei den Vorbereitungen und auch beim Ablauf des Besuches Freiherr von Fürstenberg, war er doch als Reichsfreiherr der ranghöchste katholische Adelige in Bonn. Allerdings hatte er erst im Februar 1830 das später so genannte Fürstenberg’sche Palais, heute Hauptpost, von dem Chirurgen von Walther erworben. Aber: Welcher Fürstenberg war nun der Käufer? Vermutlich um 1820 hatte Friedrich Leopold Freiherr von Fürstenberg, wohnhaft zu Eggeringhausen im Sauerland, die Muffendorfer Kommende gekauft,32 Pächter blieb aber anscheinend zunächst der bisherige Eigentümer Gottfried Schmitz. Friedrich Leopold von Fürstenberg starb 1835 und vermachte die Muffendorfer Kommende seinem jüngsten Sohn Carl Joseph Freiherr von Fürstenberg, geboren am 26. April 1810, der am 11. Juli 1839 Maria Felicitas Reichsgräfin von Wolff-Metternich in Düsseldorf heiratete. Der Erwerber des Bonner Palais war ein Enkel von Friedrich Leopold, nämlich Franz Egon von Fürstenberg (17971859), der später den Grafentitel erlangte und sich nun Graf von Fürstenberg-Stammheim, nach seinem Wohnsitz in der Nähe Kölns, nannte. In den Bonner Unterlagen ist sein Schriftzug „FE RfrvFürstengberg“ entzifferbar. Franz Egon war der Sohn Theodors, einem der insgesamt fünf Söhne des Friedrich Leopold. Der spätere Besitzer der Kommende war also sein (dreizehn Jahre jüngerer) Onkel. Auch zum „Festmahle“ hatte sich „Fürstenberg“ angemeldet und vermutlich war er als Reichsfreiherr in unmittelbarer Nähe der hohen Herren placiert worden. Leider ist aber keine Sitzordnung überliefert und über die Tischgespräche wissen wir natürlich nichts.

Vermerkt sei aber, dass Franz Egon anscheinend ein kunstsinniger Mann war, der 1836 auch den Weinberg auf dem Apollinarisberg bei Remagen samt Kirche und Probstei von den Brüdern Boisserée kaufte und dort aus seinen privaten Mittel den Bau der (neuen) Apollinariskirche, deren Ausmalung und den Klosterbau daneben finanzierte.33 Die vom Dombaumeister Zwirner erbaute Kapelle wurde von Schülern Schadows ausgemalt und zählt heute noch zu den Schmuckstücken der Neugotik und der spätnazarenischen Malkunst.

Der Besuch des Prinzen und der Prinzessin in Bonn war im Mai 1831. Seit dem 13. Oktober 1831, einen Tag vor seinem 18. Geburtstag, wohnte der Junge aus Muffendorf in Düsseldorf.34 Was war inzwischen geschehen?

Die Urkunde vom 14. Dezember 1831 im Geheimen Staatsarchiv teilt folgendes mit: „Ihre königliche Hoheit die Frau Prinzessin Wilhelm von Preußen hatten persönlich dringend einen jungen Zeichner, Peter Schwingen aus Muffendorf, Regierungsbezirk Cöln, dem unterzeichneten Oberpräsidenten zur Aufnahme in die Kunstschule und, da er ganz vermögenslos, zur Unterstützung empfohlen.“ Der unterzeichnete Oberpräsident Philipp von Pestel war seit Juli 1831 im Amt, wodurch sich die Intervention der Prinzessin leicht auf die Zeit nach dem Besuch in Bonn eingrenzen lässt. Das Kuratorium der Kunstakademie ging der Sache sofort nach und stellte fest, dass Schwingen ein Anfänger sei, über dessen Talent erst etwas nach einem fachlichen Zeichenunterricht entschieden werden könne. Die Akademie stellte eine Freistelle in Aussicht, der Regierungspräsident in Köln wurde um Unterstützung gebeten. Dieser hatte aber kein Geld frei. So gewährte die Akademie, um dem jungen Mann zu helfen und dem Wunsche seiner hohen Gönnerin entsprechen zu können, aus eigenen Mitteln ein Stipendium von 50 Talern und zwar in zwei Raten. 25 Taler sollte er beim Eintritt in die Schule erhalten und die restlichen 25 dann, wenn er sich nach Ablauf eines halben Jahres durch ein Attest des Direktors über seinen Fleiß, seinen Beruf und sein Betragen vorteilhaft ausweisen könne. Diese ganze umständliche Darlegung in der Akte dient dem Direktorium der Akademie und dem Oberpräsidenten nur zur Klärung der Frage, wie denn nun im Haushalt der Akademie die im Grunde ohne Genehmigung ausgegebenen 50 Taler verbucht werden sollen. Unterschrieben haben der Oberpräsident von Pestel, der Vorsitzende des Kuratoriums der Akademie Georg Jacobi und der zuständige Regierungssekretär Dr. Fallenstein. In Berlin entscheidet das Ministerium der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten im Januar 1832, dass das Geld im Titel „Insgemein“ (heute etwa „Allgemeine Ausgaben“) für 1831 und 1832 verbucht werden könne, „macht aber dem Kuratorium zur Pflicht, die zweite Hälfte nur dann anzuweisen, wenn der Bericht der Akademie über die Anlagen, gute Fortschritte und das Betragen die Berechtigungswürdigkeit außer allen Zweifel stellt“. Nach offenbar erfolgreicher Zeichenausbildung in Düsseldorf ab Herbst 1831 wird Schwingen nach einem Jahr, im 3. Quartal 1832, in die Vorbereitungsklasse der Akademie aufgenommen und erhält glänzende Noten.

Zur Ergänzung dieses Ablaufes kann noch ein Brief des Muffendorfer Weinhändlers Heinrich Raaf an Bürgermeister Zander vom 9. Mai 1925 herangezogen werden. Zander hatte sich an Pfarrer Dr. Herkenne gewandt, um im Zuge der Vorbereitung des Heimatmuseums mehr über den Maler Peter Schwingen zu erfahren.35 Der Pfarrer hatte geantwortet, dass Raaf und Joseph Stings aus Muffendorf Material über Schwingen gesammelt hätten. Diese behaupteten, dass eine „geborene Nicolai“ die Mutter gewesen sei, was aber ja nicht stimmen könne. Nun, in weltlichen Dingen können auch Pfarrer irren. Zander wurde nun seinerseits aktiv und erhielt Antwort von Raaf und von Käthe Stings. Raaf wusste von einer Begegnung mit einem „Herrn“ zu berichten, der Schwingen beim Zeichnen beobachtet habe, als dieser etwa 16 Jahre alt in der Landwirtschaft seines Vaters arbeitend, im Felde gezeichnet habe. Dieser Herr habe dann für die weitere Ausbildung Schwingens gesorgt. Das wäre also im Jahre 1829 oder wahrscheinlicher im Jahre 1830 gewesen. Das Treffen habe am Meelweg stattgefunden.36 Hier wäre demnach das freilich etwas vage formulierte „missing link“.

Da die „Prinzessin Wilhelm“ bis 1831 nur einmal in Bonn gewesen ist, nämlich bei dem erwähnten „Antrittsbesuch“ des Prinzen, bleibt eigentlich nur die Schlussfolgerung, dass dieser Besuch von Fürstenberg genutzt wurde, den Namen Schwingen ins Gespräch zu bringen. Ob er selbst bei einem Besuch in Muffendorf oder über einen Verwandten von der Existenz dieses hoffnungsvollen Adepten der Mal- und Zeichenkunst erfahren hatte, wissen wir natürlich auch nicht.

Schwingen war also ein reiner Autodidakt, als er nach Düsseldorf kam. Die Muffendorfer Dorfschule, einklassig, der Lehrer war gleichzeitig Küster des Dorfes, hatte ihm wohl auch nicht viel vermitteln können. Das Schulhaus ist schon auf den erwähnten französischen Karten ausgewiesen. 1820 wurde ein zweites Schulhaus errichtet. In der alten Schule, heute Martinstr. 5, hatte es nur das Schlafzimmer des Lehrers und einen weiteren Raum für den Unterricht, gleichzeitig Wohnzimmer des Lehrers, gegeben. Der Schulbesuch war schlecht. Im Sommer kamen vielleicht 25 Prozent der Kinder zur Schule.37 Bisher sind von Schwingen keine Genrebilder aus der Schulmilieu aufgetaucht, etwa in der Art des Schulmeisters Jobs bei Johann Peter Hasenclever, mit dem Schwingen später in Düsseldorf befreundet war.

In Düsseldorf wurde Schwingen zunächst mit Vorschußlorbeeren bedacht. Als Teilnehmer der Vorbereitungsklasse wird er von Carl Ferdinand Sohn wie folgt beurteilt: Anlage: „Sehr gut“, Fleiß: „Vortrefflich“.38 Obwohl ihm zunächst aus Mangel an Mitteln im Jahre 1833 kein Stipendium bewilligt werden konnte, ergibt sich im Oktober noch eine Lösung. Er erhält 50 Taler, die unvorhergesehen frei geworden sind.39 Bereits im Studienjahr 1833/34 wechselt er in die II. Klasse der Maler (Lehrer: Ferdinand Theodor Hildebrandt). Anlage und Fleiß werden weiter mit „Sehr gut“ bewertet. Jetzt wird auch das Stipendium vermerkt. Bald aber trübt sich das Bild.

Im Studienjahr 1834/35 wird zwar wieder ein Stipendium angezeigt (nur 6 von 33 Schülern der zweiten Klasse erhalten ein solches), aber unter Fleiß steht „Schlecht“ und außerdem enthält die nach Berlin gesandte Liste den Vermerk: „Hat sich nach den Herbstferien (1834 HH.) ohne Entschuldigung 5 Wochen lang nicht eingefunden“. Stipendium ade! Die Akademieleitung schrieb am 24. Februar 1835 an das zuständige Ministerium nach Berlin: „Da er nach den Bemerkungen in der mittels besonderen Berichts eingereichten Schülerliste (Nr. 15 der Malervorbereitungsklasse) sich als unfleißig gezeigt hat, so wird ihm eine fernere Unterstützung nicht zu bewilligen sein“.40 Man muss der Akademie zugestehen, dass sie zwar Schwingens Fleiß mit „sehr schlecht“, aber gleichzeitig seine Anlage mit „sehr gut“ beurteilt.

Es blieb allerdings nicht bei diesen Konsequenzen. Neben dem Stipendium verlor Schwingen auch seinen Arbeitsplatz im Akademiegebäude. Dort waren die Raumverhältnisse äußerst beengt und die Akademie hatte deswegen schon 1832 die Neuaufnahmen begrenzt. Außer Schwingen war auch Caspar Scheuren zu spät zurückgekommen. Er verlor ebenfalls seinen Platz im Atelier des Akademiegebäudes an pünktlicher zurückkehrende Schüler. Sie kamen vor allem aus den östlichen Provinzen Preußens. Dieser Vorgang wurde Gegenstand einer ausgedehnten literarischen Fehde, als der bekannte Düsseldorfer Kunstfreund Anton Fahne ihn aufgriff und in einer Publikation als eines der vielen Beispiele für die Benachteiligung der Rheinländer gegenüber den „Ostländern“ hochstilisierte.41

Im Studienjahr 1835/36 ist die strenge Akademie gnädiger: Fleiß: „Geht an“, aber ein Stipendium gibt es nicht mehr. 1836 wird es dann wieder besser. Begabung: „Ausgezeichnet“, Fleiß: „Gut“, Betragen: „Gut“, Freischüler. Also wenigstens keine Schulgebühren. 1837 wird in der Rubrik Stipendium „arm“ vermerkt, was evtl. eine Freistelle nach Vorlage eines „Armutszeugnisses” bedeuten könnte.42 Danach gibt es in dieser Spalte keinerlei Eintragungen mehr, also weder Stipendium noch Freistelle. Schwingen scheint es finanziell jetzt besser zu gehen. Er verkauft seine Genrebilder und auch die ersten Porträts.

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Erste Erfolge und erste Heirat

Schwingen heiratete nach diesen ersten Erfolgen als Maler am 2. September 1837. Seine Frau Magdalene Philippine Schmitz war die Tochter eines Damenschneiders, der in seinem Haus in der Mühlenstraße auch Zimmer an die Eleven der nahe gelegenen Kunstakademie vermietete. Schwingen wohnte vermutlich dort zur Untermiete wie vor ihm (mit ihm?) auch Eduard Bendemann und Heinrich Mücke.43 Das junge Paar blieb nach der Heirat noch einige Jahre im Hause der Schwiegereltern. Aus der ersten Ehe gingen vier Kinder hervor. Als die erste Tochter Caroline Philippine – ihre bevorstehende Geburt war der unmittelbare Anlass der Heirat – früh verstarb, wurde sie im Familiengrab Schmitz beigesetzt. Das Grab auf dem Friedhof an der Clever Straße hatte einen Grabstein, was, wie auch der Hausbesitz, auf einen gewissen Wohlstand schließen lässt. Der Sohn Joseph Schmitz und die Töchter standen Schwingen für seine frühen Studien Modell (WVZ 5,6,7,52,53). Man könnte zu der Schlussfolgerung kommen, dass der Maler so seine Zimmermiete abarbeitete.

Die malerischen Erfolge setzen sich fort. Im Studienjahr 1840/41 wird Schwingen, 27 Jahre alt, in die I. Malklasse versetzt. Seine Anlage wird als „bedeutend“, Fleiß und Betragen werden als „ausgezeichnet“ benotet. Schadow selbst ist jetzt sein Lehrer. Das Porträt der Prinzessin Wilhelmine Luise von Preußen, als Kopie nach Schadow, entsteht (WVZ 54). Der junge Maler ist nun in der Spitzengruppe der Studenten, der ausübenden Eleven, freilich noch nicht in der Meisterklasse, in die nur bekannte Maler dann berufen wurden, wenn man sie an Düsseldorf und die Akademie auch nach Beendigung der Ausbildung noch binden wollte. Schon die von Schwingen gewählten Themen für seine Bilder hätten dies in jedem Falle verhindert. Sie waren sicher nicht im Sinne des Direktors. 1843/44 heißt es in den Akademieunterlagen: „malt jetzt ein Schützenfest mit Bauern“; 1843/44: „arbeitet des Erwerbs halber auswärts. Mehrere Genrebilder: Schießen um ein Schwein“ (WVZ 72, 73). So gerät denn auch die abschließende Beurteilung durch die Akademie etwas säuerlich (I. Klasse 1844/45): „Im 3. Quartal abgegangen. Seine Bilder haben etwas Kommunes, wozu die von ihm gewählten Gegenstände leicht hinreissen“.

Mit seinen dörflichen Genrebildern hatte Schwingen schon damals einen der Höhepunkte seiner künstlerischen Laufbahn erreicht. Die Akademieleitung konnte das wohl nicht erkennen. Über die Porträtmalerei von Schwingen war man sicher an der Spitze der Akademie ebenfalls informiert. Aber man betrachtete diese Brotkunst eher abfällig. Schadow erinnerte sich nur ungern an die Berliner Jahre mit der „Prinzessinnenmalerei“.




Familiengrab Schmitz auf dem Golzheimer Friedhof, heute nicht mehr vorhanden

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Künstlerleben in Düsseldorf

Allgemeiner Verein der Carnevalsfreunde

Schon bevor Schwingen nach Düsseldorf kam, war dort 1829 der Vorläuferverein des später größten Karnevalsvereins der Stadt gegründet worden.44 1840 wurde dann nach einigen Intermezzi ein neuer Verein gegründet, der sich nun „Allgemeiner Verein der Carnevalsfreunde“ nannte. Wir dürfen annehmen, dass der Maler aus dem heimischen Umfeld dem Karneval zugeneigt war und sicher bald mit anderen Freunden und sofern es seine Finanzen erlaubten, das Vereinslokal dieser Gesellschaft beim „langen Leim”, die Wirtschaft von A. H. Cürten in der Berger Straße, aufsuchte. Diese Karnevalsgesellschaft, obwohl allen politischen Richtungen offen, entwickelte sich bald zu einem Treffpunkt liberaler Düsseldorfer Bürger und Maler.

Wir finden unter ihren Mitgliedern neben dem konservativen Juristen, Historiker und Kunstmäzen Anton Fahne und dem Möbelfabrikanten Friedrich August von Stockum 45, den linksliberalen Advokat-Anwalt Hugo Wesendonck (1817-1900), später Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, 1850 in Abwesenheit in Düsseldorf zum Tode verurteilt 46, ferner den ebenfalls liberalen Advokat-Anwalt Anton Bloem (1814-1884), der in Düsseldorf in Kunst-, Literatur- und Politikkreisen bestens bekannt war 47 und von dem deutsch-amerikanischen Maler Emanuel Leutze porträtiert wurde. Hinzu kam der bekannte Armenarzt Dr. Franz Reinartz, Mitglied des Vorparlaments und Reformkonservativer.48 Seit 1846 gehörte auch Wolfgang Müller von Königwinter 49 dem Vorstand des Vereins an. Laurentz Cantador, ein angesehener Kaufmann in Düsseldorf, der spätere Kommandant der Düsseldorfer Bürgergarde, war ebenfalls Mitglied.

Von den Düsseldorfer Malern nennen wir nur Andreas Achenbach, Lorenz Clasen 50, Ernst Fröhlich, Johann Peter Hasenclever 51, Carl Wilhelm Hübner 52, Paul Kiederich, Wilhelm Kleinenbroich, Carl Hilgers 53, Georg Saal 54, Adolf Schrödter, J. B. Sonderland und Franz Wieschebrink. Aus Unterlagen im Nachlass von Anton Fahne wissen wir, dass auch Peter Schwingen dem Verein angehörte.55 So meldet er sich 1846 zur großen Maskenredoute am 19. Februar 1846 im Cürtenschen Saal an. An dieser Maskenredoute nahm auch Seine königliche Hoheit Prinz Friedrich von Preußen teil. Es war einfach der Ball in Düsseldorf.

1847 gehörte Schwingen einem Ausschuss des Vereins an, der den Karnevalsball dieses Jahres vorbereiten sollte. Andere Ausschussmitglieder waren Anton Fahne (Vorstandsmitglied), der Apotheker von Baerle 56, der Maler Ernst Fröhlich (Vorstandsmitglied), der Wirt Wilhelm Eissenbarth (Vorstandsmitglied), die Maler Johann Peter Hasenclever, Carl Hübner, G. Saal, Johann Baptist Sonderland und Franz Wieschebrink Schließlich gehörten auch Romuald Jacobi, Enkel des von Schwingen Porträtierten Friedrich Heinrich Jacobi, und der bereits genannte Hugo Wesendonck dazu.

Im Vormärz geriet diese Karnevalsgesellschaft immer wieder in Konflikt mit der Polizei. So wurde ihr am 1. Februar 1844 die Konzession entzogen, die jährlich neu beantragt werden musste. Ein von Wilhelm Kleinenbroich im Auftrage des Vereins gemaltes Bild wurde von der Polizei beschlagnahmt. 1848 wurde die Konzession wegen der 1847 ernannten „Ehrenmitglieder”, darunter viele liberale und kritische Geister, der Demokrat Karl d’Ester aus Köln und die französische Schriftstellerin George Sand, erst gar nicht erteilt. Schwingen dürfte im Kreis dieser Karnevalsgesellschaft die politische Orientierung gefunden haben, die in Herkunft und Aufstiegsstreben des armen Dorfjungen bereits angelegt war.

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Anti-Musik-Verein

Mit einigen Mitgliedern des Vereins und auch der späteren Künstlergruppierungen wie „Verein Düsseldorfer Künstler“ und „Künstler-Verein Malkasten“, war Schwingen noch besonders durch einen Stammtisch des „Anti-Musik-Vereins“ verbunden. Damit war m. E. schon in der Namensgebung deutlich, dass man die Philister und die Maler, die mit ihnen „gemeinsame Sache“ machten in diesem Kreis nicht zu sehen wünschte. Der „Allgemeine Musikverein“ war in Düsseldorf seit 1818 wichtiger Motor der Niederrheinischen Musikfeste. Das selbstbewusste Liebhaber-Ensemble meist gutbürgerlicher Musiker und Musikfreunde war seit der Zeit Friedrich August Burgmüllers und Felix Mendelssohn-Bartholdys wichtiger und ständiger Partner der städtischen Musikdirektoren und für viele Maler nicht nur ein Ort, um ihrer Musikliebe Ausdruck zu verleihen, sondern auch, um die Bekanntschaft wohlhabender Düsseldorfer Bürger oder ihrer Töchter zu machen, die als Käufer, Auftraggeber oder zukünftige Schwiegerväter und Ehefrauen in Frage kamen. Bekannte Maler gehörten dem Verwaltungsausschuss des Vereins an. 1847 wurde – nach Julius Rietz – Ferdinand Hiller städtischer Musikdirektor. Als Hiller nach Köln ging folgte dann 1850 bis 1854 Robert Schumann.

Anton Fahne gibt allerdings in seiner Darstellung des Carnevals eine andere Deutung des Namens.57 Er schreibt: „Keine Stadt der Welt hat, im Verhältnis, so viele heitere Gesellschaften als Düsseldorf.“... „Den Antimusikverein, deshalb so genannt, weil er keine herumziehende Bänkelsänger, Orgeldreher etc. duldet, und das Geld statt dessen für Arme verwendet. Zu diesem Ende läßt man an manchen Tagen eine geschlossene Büchse herumgehen, in welche jeder nach Belieben sein Scherflein hineinlegt. Die Gesellschaft kommt täglich abends von 8-10 in einem Locale bei einem Glase Bier zusammen. Komische Lieder werden gesungen, scherzhafte Fragen aufgeworfen und allerhand Exercicien ausgeführt, z. B. wird das ganze Exercicium eines Infanteristen durch geschicktes Behandeln der Bierglasdeckel täuschend nachgeahmt; man macht unter dem Titel: Beethoven’sche Symphonien, Musik, wobei allerhand Mundfertigkeiten, die über den Tisch schnarrenden Finger, der Ofenschirm und die Feuerzange sowie andere ähnliche Gegenstände die Instrumente bilden, mit denen man höchst spaßhafte und dabei Bewunderung erregende Sachen aufführt. Mitunter treten Unterhaltungen mit Marionetten ein, Verloosungen von allerhand scherzhaften Gegenständen, wobei die Loos-Einnahmen in die Armenkasse fließen.“ Da Fahne keine andere der Düsseldorfer Gesellschaften so ausführlich schildert, darf man annehmen, dass er zu den Mitgliedern gehörte. Ganz so ernst wurde aber die Enthaltung von jeglicher Musik wohl nicht genommen. Im Januar 1850 lud der Verein zu einem „Großen Kabliau-Essen mit Orchesterbegleitung“ ein.58

Dem Stammtisch mit offiziellem Sitz im „Geburtshaus“ Heines gehörte auch Johann Peter Hasenclever als wichtiges Mitglied an. So wird es denn auch kein Zufall gewesen sein, dass – wie Gottfried Keller berichtet – 1850 anlässlich eines Geburtstages von Hasenclever die fröhliche Festgesellschaft im Hause eines Musik- und Gesangsvereins die Zylinder der Mitglieder an der Garderobe zertrümmerte.59

Zur Geburt des zweiten Kindes von Hasenclever, des Sohnes Peter, schickten die Freunde 1847 aus der Wirtschaft von Daniel Penke 60 in der Bolker Straße 467 an diesen ein Dokument, in welchem der Sohn, das „Häselein“, zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde.61 Das Dokument ist mit Scherenschnitten von Wilhelm Müller geschmückt, die zeigen, wie die Hasenfamilie den Armen Geld gibt, damit sie Kohlen und Brot kaufen können. Johann Wilhelm Preyer und Frau Meinardus 62 als Paten



Ehrenurkunde des Anti-Musikvereins für den Sohn Johann Peter Hasenclevers, 1847

danken dem Pfarrer für seine Bemühungen um den Täufling.63 Die lustige Gesellschaft geht davon aus, dass man im Geburtshaus Heines tagt. Es war keineswegs üblich im Düsseldorf der Zeit, darauf besonderen Wert zu legen. Ganz traf diese Behauptung auch nicht zu. Zwar war das Haus Bolkerstraße 467 von 1809 bis 1820 das Wohnhaus der Familie Heine gewesen, geboren wurde der Dichter aber im Hause gegenüber, Bolkerstraße 602 (580), heute Nr. 53.64

Diese freundschaftlichen Verbindungen, über die wir natürlich auch zu wenig wissen, könnten als Schlüssel mancher Entwicklungen auch bei Schwingen dienen. Hasenclever ist wie dieser im „Allgemeinen Verein der Carnevalsfreunde“, wie dieser Gründungsmitglied des „Vereins Düsseldorfer Künstler“ und wird dort in den Vorstand gewählt, wie dieser Gründungsmitglied des Malkasten und dort wiederum im Vorstand. Zwischen Hasenclever und Friedrich Sigmund Lachenwitz, einem der Trauzeugen von Schwingen bei seiner zweiten Ehe, bestanden freundschaftliche Beziehungen. Lachenwitz Schwester Emilie wurde 1842, vermutlich anlässlich der Verlobung mit Johann Wilhelm Preyer, von Hasenclever porträtiert. Zwischen den Gebrüdern Preyer und Hasenclever bestand eine enge Freundschaft. 1846 entstand das Porträt Johann Wilhelm Preyer von Hasenclever (heute Nationalgalerie Berlin) und 1853 das Bildnis Sigmund Lachenwitz (heute Stadtmuseum Düsseldorf). Hasenclever und Lachenwitz gehörten 1850 zu den Initiatoren der Aufnahme von Ferdinand Freiligrath in den Malkasten.

Als erster hat die Urkunde der Maler Carl Wingender unterschrieben, der später zeitweise in Elberfeld ein gemeinsames Atelier mit Richard Seel hatte. Zu den Mitgliedern des Anti-Musik-Vereins gehörte auch Carl Hilgers, den Hasenclever etwa 1850 porträtierte.65 Weiter ist die Unterschrift von Franz Wieschebrink, ebenfalls im Karnevalsverein, zu erkennen, der sich um diese Zeit dem humoristischen Genre zugewandt hatte und auch zu den Mitarbeitern der Düsseldorfer Monathefte gehörte. Er war später ebenfalls Gründungsmitglied des Malkasten.66

Auch der Scherenschneider Wilhelm Müller ist dabei. Seiner Unterschrift hat er als Erkennungszeichen eine Schere hinzugefügt. Müller wurde vor allem bekannt als Autor des im September 1848 entstandenen Scherenschnitts „Die Toten an die Lebenden“ aus Anlass der Verhaftung Freiligraths, wegen eben dieses Gedichtes. Auch Hasenclever war bekanntlich Freiligrath eng verbunden. Freiligrath wurde vom Geschworenengericht freigesprochen.67

Aber nicht nur Künstler sind vertreten. Neben anderen hat der Kaufmann Moritz Geisenheimer unterschrieben, der am 10. Mai 1848 als Nachfolger des in die Frankfurter Nationalversammlung gewählten Hugo Wesendonck Vorsitzender des „Vereins für demokratische Monarchie“ wurde. Dieser Verein war damals die größte politische Vereinigung Düsseldorfs mit über 2000 Mitgliedern. Er trat für eine konstitutionelle Monarchie bei starker Beschränkung der Rechte des Monarchen ein.68 Der Wirt und Bierbrauer Lorenz Esser, einer der Mit-Unterschreiber, gehörte wie der „Rentner“ Andreas Biergans, ebenfalls diesem Verein an. Ab 1849 wird er Mitglied des Stadtrats. In den Mai-Wahlen des Jahres 1848 konnte der Verein 17 von 19 Düsseldorfer Wahlkreisen gewinnen. Aus seiner Mitgliedschaft wurden der Advokat-Anwalt Hugo Wesendonck nach Frankfurt in die deutsche, Advokat-Anwalt Anton Bloem und Notar Josef Euler in die preußische Nationalversammlung nach Berlin gesandt.

Auf der Urkunde finden wir auch die Unterschrift „Reinartz“. Der Düsseldorfer Arzt und Stadtverordnete Dr. Franz Reinartz gehörte, ebenfalls zum „Allgemeinen Verein der Carnevalsfreunde“, seit 1846 zum Vorstand.69 In Düsseldorf wurde er auch der „Größ-Doctor“ genannt, weil er so bekannt war, dass er auf der Straße fast ununterbrochen nach beiden Seiten grüßen musste. Reinartz versuchte im November 1848 Laurentz Cantador, den Kommandeur der Düsseldorfer Bürgerwehr, im Gefängnis zu besuchen. Es musste aber beim Abgeben einer Visitenkarte bleiben.70

Alles in Allem war es ein Stammtisch, der manche reformorientierte Geister vereinte und der über den Karnevalsverein, die „St. Sebastianus Schützenbruderschaft“ und den „Verein für demokratische Monarchie“ – mit zahlreichen Querverbindungen unter den Vereinen – dem Düsseldorfer Bürgertum durch ein dichtes Beziehungsnetz verbunden war. Die führenden Mitglieder dieser Vereine waren auch die Hauptleute und Zugführer bzw. deren Stellvertreter der Düsseldorfer Bürgergarde.

Die Aufnahmeurkunde für das „Häselein“ stammt aus dem Jahre 1847. Das Jahr 1847 war bekanntlich das Jahr besserer Ernten, sinkender Getreide- und Brotpreise und der sich deutlicher abzeichnenden revolutionären Entwicklung in Deutschland. Auch für die Düsseldorfer Künstler der demokratischen Tendenz schien eine gute Zukunft zu erwarten. Diese Hoffnung trog.

Die Deutsche Revolution war gescheitert, lange bevor die revolutionären und liberalen Akteure es begriffen hatten. Bereits im Juni 1848 war in Paris ein Arbeiteraufstand durch den General Cavaignac blutig niedergeschlagen worden. Am 2. November wurde die Revolution in Österreich gewaltsam unterdrückt. Der preußische König übertrug den Vorsitz im „Ministerium der rettenden Tat“ dem kommandierenden General, dem Grafen Brandenburg. Am 9. November vertagte der König die Verfassung gebende Versammlung und berief sie erst auf den 27. November 1848 nach Brandenburg wieder ein. General Wrangel besetzte Berlin und löste die Bürgerwehr auf.

In den rheinischen Städten wurden diese Aktionen als ein Staatsstreich von rechts empfunden. Als Reaktion darauf wollte Laurentz Cantador, der Kommandant der Düsseldorfer Bürgerwehr, auch er Mitglied im „Allgemeinen Verein der Carnevalsfreunde“, dem durch die preußische Nationalversammlung erfolgten Aufruf zur Steuerverweigerung Nachdruck verleihen und hatte die Wehr zu einer Parade antreten lassen. Außerdem versuchte er, den Versand von Steuergeldern nach Berlin zu verhindern. Das Militär griff ein. Laurentz Cantador, ein bekannter und angesehener Düsseldorfer Kaufmann, wurde verhaftet. Wir finden Schwingen als Unterzeichner einer Bittschrift vom 16. Dezember 1848, mit der um eine Beschleunigung der gerichtlichen Untersuchung des Falles gebeten wird. Auch Schwingens Bruder, der Stellmacher Franz Schwingen, der bis 1856 in Düsseldorf lebt, hat unterzeichnet. Weitere Maler, die in der Bürgerwehr leitende Funktionen übernommen hatten, sind vertreten, so E. Leutze und J. P. Hasenclever, der unmittelbar vor Schwingen unterschrieben hat.71

Der Trauzeuge bei der zweiten Ehe Schwingens, der Wirt (Caffetier) Max Ebertz, war ebenfalls stellvertretender Zugführer der Bürgergarde gewesen.72 Der Baumeister Deckers, den Schwingen porträtierte (WVZ 119), Hauptmann der 8. Compagnie.73 Insgesamt haben über 1500 Personen die Bittschrift unterzeichnet. Die Bürgerwehr hatte etwa 3500 Mitglieder. So ist anzunehmen, dass die Unterzeichner vorwiegend aus der Bürgerwehr kamen. Dieses Dokument könnte andeuten, dass auch Schwingen Mitglied der Bürgerwehr war. Erst am 18. März 1849 wurde Cantador aus der Haft entlassen.74

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Verein Düsseldorfer Künstler

Wie bereits erwähnt war Schwingen 1844 wie viele andere Maler aus dem Karnevalsverein einer der Gründer des „Vereins der Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe“, kurz „Verein Düsseldorfer Künstler“ oder „Künstlerunterstützungsverein“. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten auch F. S. Lachenwitz und Johann Wilhelm Preyer. Johann Peter Hasenclever wurde in den Vorstand gewählt. Die bis 1860 vorliegenden Jahresberichte des Vereins weisen Schwingen jeweils als Mitglied aus. Er beteiligt sich auch an den Aktivitäten des Vereins. 1844 stiftet er für eine Verlosung zugunsten der Unterstützungskasse das Bild „Lesender Alter“ (WVZ 29), 1847 ein „Dörfchen mit dem Schäfer am Heiligenhäuschen” (WVZ 82) und 1853 einen „Martinsabend“ (WVZ 19-24). Die Vereinsmitglieder übernahmen in den ersten Vereinsjahren die Bewachung der jährlichen Ausstellung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen. Das dafür gezahlte Entgelt von 200 Talern floss ebenfall in die Unterstützungskasse. Schwingen betätigte sich an diesen freiwilligen Bewachungsaufgaben 1847, 1852 (zweimal) und 1853 (dreimal), wie die Jahresberichte akribisch verzeichnen.75 Der Künstlerunterstützungsverein war nicht nur zum Zwecke der Unterstützung in Not geratener Künstler und später deren Witwen gegründet worden; er war vor allem eine Vereinigung, die den Versand von Kunstwerken an Ausstellungs-Orte außerhalb Düsseldorfs organisierte. Wenn wir Schwingen auf Ausstellungen außerhalb Düsseldorfs finden, so ist in der Regel eine Organisation durch den Künstlerunterstützungsverein anzunehmen. Auch bei der Permanenten Kunstausstellung im Elberfelder Casino ist davon auszugehen.

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Malkasten

Am 6. August 1848 wird dann der Malkasten gegründet. Da sind eigentlich alle dabei. Schwingen, Hasenclever, Preyer, Lachenwitz natürlich auch. Hasenclever vertritt die nichtakademischen Künstler im Vorstand. Bereits am 11. November 1849 verleiht der „Allgemeine Verein der Carnevalsfreunde“ dem Malkasten eine Ehrenurkunde. 1850, die Revolution ist endgültig gescheitert, stellen Hasenclever und seine Freunde den kühnen Antrag, Ferdinand Freiligrath und Anton Fahne als außerordentliche Mitglieder in den Malkasten aufzunehmen. Der Antrag kommt durch. Ein Sturm der Entrüstung bricht unter den konservativen Mitgliedern des Vereins aus. Dem Streit wird aufgrund des Rückzugs von Freiligrath die Spitze genommen. Fahne, zunächst Jurist in preußischen Diensten, trat als Mäzen der Düsseldorfer Künstler hervor und besaß eine bedeutende Kunstsammlung, die zunächst in seinem „Schloss” Roland, später auf der so genannten Fahnenburg untergebracht war. In seinem Haus versammelte sich regelmäßig ein Kreis von Künstlern und Literaten.76 Fahne blieb bis zu seinem Tode Mitglied des Künstlervereins.

Schadow trat im Verlaufe dieser Auseinandersetzung für kurze Zeit aus dem Malkasten aus. Schon im Juni 1850 wurde er aber zum Präsidenten des Frühlingsfestes erklärt und ist im November des gleichen Jahres im Mitgliederverzeichnis aufgeführt.77 Er wurde schließlich zu seinem Dienstjubiläum im November 1851 durch ein Künstleralbum der Malkastenmaler geehrt.

Der Muffendorfer Schwingen ist um die Jahrhundertmitte ein anerkannter und bekannter Maler. An die zwanzig Porträts hat er für Wuppertaler Fabrikanten gemalt. Seit 1837 weisen ihn die gedruckten Verzeichnisse des „Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen“ als regelmäßigen Teilnehmer an den Düsseldorfer Ausstellungen aus. 1857 – nach Unterbrechung 1853 und 54 (vermutlich wegen der Beteiligung an der Wuppertaler Ausstellung) – zeigt er, soweit heute feststellbar, letztmalig ein „Bildnis“. Jedenfalls ist er 1860 nicht mehr dabei. Allerdings sind die Kataloge nur unvollständig überliefert.78 Seit 1836 ist er wie andere Düsseldorfer regelmäßig auf den Akademieausstellungen in Berlin vertreten. Auch die Ausstellungen des „Kölnischen Kunstvereins“ werden seit 1839 ziemlich regelmäßig beschickt, meist im Anschluss an die Düsseldorfer Ausstellungen. Neben dem „Martinsabend“ werden zwei weitere – heute verschollene – Bilder als Grafiken verbreitet (WVZ 39,40). Ankäufe erfolgen u. a. durch den „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“ und den Prinzen Georg von Hessen. Seine Bilder sind auch in Leipzig, München, Lübeck, Hannover und Breslau zu sehen.79 In die Spitzengruppe freilich dringt Schwingen nicht vor. Keines seiner Bilder wird – wie die anderer Düsseldorfer, z. B. Johann Peter Hasenclever – von dem bekannten Sammler Konsul J. H. W. Wagener in Berlin aufgekauft. Der Berliner Hof ist zurückhaltend, was angesichts der Themen verständlich sein mag. In der Sammlung des Düsseldorfer Kunstfreundes Anton Fahne ist er ebenfalls nicht vertreten, obwohl Fahne ihn in seinem ersten Buch über die Düsseldorfer Malerschule erwähnt und mit ihm gemeinsam in einem Festausschuss der Karnevalsgesellschaft saß.

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Düsseldorfer Monathefte

In der Literatur wird immer wieder auf die grafischen Arbeiten Schwingens und seine Mitarbeit bei den „Düsseldorfer Monatheften“ hingewiesen. Bis jetzt allerdings lassen sich keine grafischen Arbeiten nachweisen. Die Düsseldorfer Monathefte führen seinen Namen seit ihrer Gründung 1847 bis zum Jahr 1854 unter den Mitarbeitern auf dem Titelblatt; eine signierte Arbeit Schwingens ist aber in allen Heften dieser Zeit nicht identifizierbar. Es gab aber eine Zusammenarbeit zwischen Schwingen und Johann Baptist Sonderland. Der von Sonderland ausgeführte Stich des Martinsabend trägt keine keine Signatur Schwingens. So könnte auch in den Monatsheften verfahren worden sein. Einzelne Blätter erinnern in Aufbau und Detail an seine Innnenraumporträts, so die Lithographie nach S. 336 „St! Still Kinder der Vater möchte gern Minister werden“.

Bis Mitte der 50er-Jahre ist Schwingen auch gesellschaftlich im Kreise der Düsseldorfer Künstler keineswegs isoliert oder in einer Aussenseiter-Position. So kann denn auch sein Name nur aus Reklamegründen auf dem Titelblatt der „Düsseldorfer Monathefte“ gestanden haben. Auch der von J. P. Hasenclever stand dort, obwohl er nur einmal mit einer Lithographie als Beiträger auftaucht. Lorenz Clasen, der Herausgeber der Monathefte, war – natürlich – Mitglied im Allgemeinen Verein der Carnevalsfreunde. Später wurde er auch noch stellvertretender Kommandant der Düsseldorfer Bürgerwehr.

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Dunklere Jahre

Ende der 50er Jahre scheint es aber einen Knick in der Lebenskurve Schwingens zu geben. Am 25. Januar 1848 stirbt seine erste Frau. Die Kinder sind 8, 6 und 3 Jahre alt. Man darf durchaus vermuten, dass der Tod der jungen Frau, sie ist 32 Jahre alt, mit einer unglücklich verlaufenen weiteren Schwangerschaft zusammen hing. So treffen persönliche und politische Krise in tragischer Verkettung zusammen. In der Familie muss es weiter gehen, Geld muss gerade jetzt verdient werden. Geht das über die Kräfte des ja ebenfalls noch jungen Witwers? Er ist 35 Jahre alt.

Zunächst heiratet Schwingen erneut am 21. November 1849, diesmal die Tochter eines „Staabsschmidts“ (in der Sterbeurkunde der Tochter allerdings als Ackerer bezeichnet) aus Iserlohn, die 11 Jahre jüngere Sophie Zecher.80 Der Vater der Braut war bereits 1839 verstorben. Die Mutter lebte in Grüne in Westfalen. Die junge Frau dürfte in Düsseldorf einer Arbeit als Dienstmädchen oder Ähnlichem nachgegangen sein. Man könnte auch vermuten, dass sie in einer Gaststätte als Serviererin arbeitete. Einer der Trauzeugen war der Caffetier Max Josef Ebertz. Nach dem Tode Schwingens heiratete die Witwe einen Gastwirt aus Mülheim/Ruhr. Jedenfalls blieb Schwingen im angestammten Milieu, schließlich war ja auch seine Mutter die Tochter eines Dieners und späteren Gastwirtes.

Auch aus der zweiten Ehe gehen ebenfalls vier Kinder hervor.81 Leider ist der nun folgende Lebensabschnitt noch schlechter dokumentiert als die vorangegangenen. Offizielle Akten stehen nicht mehr zur Verfügung. Die Berliner Ausstellungen verlieren nach dem Scheitern der Revolution und dem Beginn der Restauration an Bedeutung. Das Werkverzeichnis ist denn auch für die Zeit zwischen 1850 und 1863, dem Todesjahr, vermutlich besonders lückenhaft. Gerade in jüngster Zeit tauchen aber immer wieder Bilder auch aus diesen Jahren auf.

Bei beiden Trauungen Schwingens waren neben Verwandten und Bekannten auch Künstlerfreunde als Trauzeugen vertreten. Bei der ersten Trauung waren es junge Schüler der Akademie, die später nicht weiter in Erscheinung traten. Lediglich Samuel Rahm gewann in Krefeld einen gewissen Ruf als Porträtmaler.

Schwingen und S. Lachenwitz, Foto: W. Severin, Düsseldorf

Bei der zweiten Eheschließung finden wir als Zeugen den sieben Jahre jüngeren Sigmund Lachenwitz (1820-1868), der zwar als Künstler und Tiermaler nicht zur Prominenz in Düsseldorf zählte, aber ein damals erfolgreicher, viel gekaufter Künstler und ein Schwager des bekannten Stilllebenmaler Johann Wilhelm Preyer war. Die Familie Lachenwitz war nach dem Tod des Vaters 1840 von Köln wieder nach Düsseldorf gekommen. Die ältere Schwester Emilie wurde, wahrscheinlich anlässlich der Hochzeit 1842, von J. P. Hasenclever gemalt. Walter Cohen bezeichnete es, wohl etwas übertrieben, als „das Beste, das wir von Hasenclever kennen.“82 Lachenwitz selbst wurde später ebenfalls von Hasenclever porträtiert. Er war Gründungsmitglied des „Malkasten“ und unterstützte 1850 den von Hasenclever initiierten Antrag zur Aufnahme von Ferdinand Freiligrath in den Künstler-Verein. Die Mutter von Lachenwitz war eine „geborene Hackländer“ und so war der Maler auch mit dem damals bekannten Bestsellerautor Friedrich Wilhelm Hackländer verwandt. Der Schriftsteller war sein Vetter 2. Grades. Diese Verwandtschaft brachte dem Tiermaler einen großen Auftrag des württembergischen Königs, aber leider nicht die erhofft Berufung an die Stuttgarter Akademie ein.

Lachenwitz ist gemeinsam mit Schwingen auf dem einzigen überlieferten Foto des Künstlers zu sehen.83 Dieses Foto ist von W. Severin gemacht worden, der als erster in Düsseldorf auf dem Steinweg ein Fotoatelier eröffnete. Lachenwitz einziger Sohn Karl wurde nach einer Ausbildung als Xylograph und kurzem Zwischenspiel an der Akademie Fotograf.84 Damit ist die Frage von Walter Cohen, ob Schwingen wohl die Arbeiten der frühen Daguerrotypisten gekannt habe, positiv zu beantworten. Eine jüngere Schwester von Lachenwitz war mit dem Elberfelder Maler Richard Seel befreundet und erhielt von ihm Gesangsunterricht.85

Einen anderen Trauzeugen – Paul (von) Franken – mochte Schwingen aus seiner Jugend in Muffendorf kennen. Franken (1818-1884), in Oberbachem (heute Wachtberg-Oberbachem) geboren, war Sohn des Godesberger Bürgermeisters Wilhelm Hugo (von) Franken. Dieser hatte sich allerdings den Adelstitel (als Standesbeamter) selbst zugelegt. Er wurde ihm und der Familie später wieder abgesprochen. Dennoch signierte sein Sohn Paul Franken vielfach mit einer zumindest zweideutigen Unterschrift. Er war zur damaligen Zeit bereits ein viel gereister und international ausgebildeter Maler. 1841 und 1842 hatte er in Düsseldorf studiert, dann war er nach Dresden und Amsterdam gegangen. 1849 kam er mit seiner Verlobten, der baltischen Malerin Helene Köber wieder nach Düsseldorf. 1851 heirateten sie in Godesberg und reisten über Paris in die baltische Heimat von Frau Franken nach Mitau. Es folgte ein langer Aufenthalt im Kaukasus.86 Im Auftrage der russischen Regierung bereiste er die Kriegsschauplätze im Kaukasus und hielt die Landschaften und Menschen dokumentarisch fest. In Tiflis wurde die Tochter Helene geboren. Ihre Nachfahren leben noch heute in Georgien und besitzen zahlreiche Werke ihrer deutschen Vorfahren. Auch Franken war in seinen Düsseldorfer Jahren Mitglied des „Malkasten“. Beide, Lachenwitz und Franken, waren übrigens, im Gegensatz zu Schwingen, in der bedeutenden Sammlung des Düsseldorfer Kunstfreundes und Mäzens Anton Fahne auf der Fahnenburg vertreten. Wir wissen, dass sie auch nach der Hochzeit Schwingens weiter Kontakt miteinander hielten. Franken hat Lachenwitz sogar in einem „Freundschaftsbilde” gemalt. Ob auch Schwingen weiterhin die Beziehungen aufrecht erhielt, wissen wir – wieder einmal – nicht.

Auffällig ist, dass Schwingen – neben den Auftragsbildern – viele Angehörige seiner Familie gemalt hat, dass aber Bilder von Künstlerfreunden, damals ein typisches Düsseldorfer Produkt, nicht auftauchen. Ebenso wenig wurde Schwingen selbst von anderen Künstlern gemalt. In der „Ahnengalerie“ des Malkasten ist er nicht vertreten, was mit seiner späteren Streichung als Mitglied infolge fehlender Beitragszahlung zusammenhängen mag. Schwingen hatte wohl auch das Interesse an den inzwischen überwiegend gesellschaftlichen und auch kostspieligen Aktivitäten des Malkasten verloren, während er im Künstlerunterstützungsverein, der für die Organisation von Ausstellungen in Düsseldorf und auswärts wichtig war, regelmäßig mitarbeitete.

1850, 1851 und 1852 organisierte die im Malkasten vereinigte Künstlerschaft Frühlingsfeste auf der Fahnenburg, dem späteren Wohnsitz des Kunstmäzens A. Fahne am Grafenberg. Diese Künstlerfeste zeichneten sich nicht mehr durch die spontane Fröhlichkeit der jungen Künstler aus, sondern wurden immer mehr zu aufwendigen und prunkvollen Inszenierungen. Die Beteiligung an diesen Festen stellte auch eine ziemlich große finanzielle Belastung dar. So war vorwiegend das Establishment anzutreffen. 1850 war das Thema der „Kampf der guten Gesellen mit den Weinen“. 1851 ging es – man war eben sehr originell – um die „Befreiung der Prinzessin Waldmeister durch den Prinzen Rebensaft.” Am Fest des Jahres 1851 nahm Schwingen vermutlich mit seiner Frau teil. Jedenfalls meldet die Teilnehmerliste „2 Couverts bezahlt. Abzeichen erhalten”,87 Auch Lachenwitz ist dabei.88 Dass auch Wilhelm Busch an diesem Künstlerfest teilnahm, sei hier nur als Kuriosität erwähnt. Der Vetter von Lachenwitz, Friedrich Wilhelm Hackländer, damals ein viel gelesener Romanschriftsteller, stellte eines der Feste in das Zentrum seines „Künstlerromans”.89

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Elberfeld 1851-1854

1851 startete im Gartensaal des Casino in Elberfeld ein ungewöhnliches Unternehmen. Eine „Permanente Kunstausstellung für Elberfeld-Barmen“ wurde angekündigt. Vom Mai 1851 bis Mai 1854 wurden auf Kommissionsbasis Bilder ausgestellt, verkauft und verlost. Führende Unternehmer und Beamte aus den Wupperstädten hatten ein Organisations-Komitee gebildet. Im Hintergrund wirkte bis Mitte 1853 der Schriftsteller, Journalist und „wahre“ Sozialist Hermann Püttmann, der zahlreiche beachtliche Besprechungen der ausgestellten Bilder in der Elberfelder Zeitung von 1851 und 1852 publizierte. Fast alle bedeutenden Maler Düsseldorfs waren vertreten. Bis Mai 1852 waren etwa 1000 Bilder ausgestellt worden. Peter Schwingen war mit 13 Bildern vertreten, darunter „Die geizige Bauersfrau“ (WVZ 91), „Singendes Mädchen“ (WVZ 95), „St. Martinsabend“, „Kinder an der Pumpe spielend“ (WVZ 94), „Der als Krüppel heimkehrende Krieger“ (WVZ 92), „Das Kind die Taube fütternd“ (WVZ 96), „Der schlafende Knabe im Hundestall“ (2 mal) (WVZ 97 und 98) und „Der neue Wein“ (WVZ 93). Auch eine Fassung der „Pfändung“ (WVZ 75) wurde gezeigt, zwei Porträts von Wuppertaler Bürgern wurden vorgestellt. Leider sind sie nicht näher beschrieben.

In diesem Zusammenhang schrieb der „Tägliche Anzeiger für Berg und Mark“: „Auch der Düsseldorfer Maler Peter Schwingen zeigt uns in zwei Porträts (ebenfalls hiesige Persönlichkeiten darstellend) ein feines Gefühl für Individualisierung, nebenbei ist die milde, zarte Behandlung der Farben sehr anerkennenswert, so daß wir uns nicht erinnern, von dem bekannten Meister gelungenere Bildnisse gesehen zu haben“. 90

Schwingen zeigte also weiterhin Flagge an der Wupper. Das bemerkte auch Hermann Püttmann in der „Elberfelder Zeitung“ vom 11. Juni 1851. Er schrieb: „Von den übrigen Porträts der Ausstellung erfreuen uns die beiden Bildnisse von P. Schwingen durch solide Tüchtigkeit. Der Künstler, der hier durch seine Arbeiten in gutem Andenken steht, wird nicht verfehlen, in freundliche Erinnerung zu kommen“. 91 Auch sein Freund Sigmund Lachenwitz stellte in Elberfeld zahlreiche Werke aus.92 Aus Schwingens Freundeskreis war Johann Peter Hasenclever ebenfalls unter den Ausstellern stark vertreten. Seine „Pfarrersfamilie“ gehörte zu den verkauften Stücken.93 Auch Schwingens „Geizige Bauersfrau“ (WVZ 91) wurde verkauft.

1860 kommt es zu dem Versuch einer Wiederbelebung der Permanenten Kunstausstellung in Elberfeld auf privater Basis durch die Galeristen Pfeiffer & Meyers. Ein langes Leben war dem Experiment wohl nicht beschieden. Dort wurde im Januar 1861 von Peter Schwingen das Bild „Der Spazierritt“ (WVZ 129) ausgestellt, wobei die Galerie versichert, dass es sich bei Reiter und Pferd um echte Porträts handele. Das Bild sei nur für wenige Tage ausgestellt.94 Wir wissen nun nicht, ob Schwingen selbst hier ein spät gemaltes Werk zum Verkauf anbietet, oder ob ein stolzer Besitzer sein früher erworbenes Prachtstück einmal vorzeigen will. Jedenfalls ist das Bild unter den Werken Schwingens bisher nicht aufgetaucht.

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Krank- und vergessen?

Trotz der großen Produktion von Genrebildern Anfang der 50er-Jahre hat es wohl finanzielle Probleme gegeben. Seine Beiträge zur Malkasten hat der Maler 1854 und 1855 nicht mehr oder jedenfalls nicht rechtzeitig bezahlt.95 1858 wird er im gedruckten Mitgliederverzeichnis des Malkastens nicht mehr aufgeführt.96 Auch Lachenwitz fehlt dort, tritt aber später wieder ein. Es wird stiller um den Maler aus Muffendorf. Sein Landsmann Franken hat Düsseldorf bereits 1850 oder 1851 verlassen und kehrt erst 1861 dorthin zurück. 1853 stirbt Henry Ritter. Auch der befreundete Johann Peter Hasenclever stirbt im gleichen Jahr. 1854 wird Schwingen zum letzten Mal als Mitarbeiter auf dem Titelblatt der Monathefte genannt.

Seine malerischen Werke sind in dieser Zeit, wenn auch weniger vollständig überliefert als in den vorangegangenen Jahren, dennoch beachtlich. Der Trend, der sich in den „politischen“ Bildern in den Jahren vor und in der Revolution abgezeichnet hatte, war freilich in der Zeit der Reaktion nicht mehr durchzuhalten. Soweit die Maler dieser Richtung nicht auswanderten, wie zum Beispiel der Bonner (Poppelsdorfer) Maler Heinrich Vianden, oder, wenn man so will „rechtzeitig“, starben, waren sie gezwungen zu harmlosen Genrebildern und weiterhin zu Porträts ihre Zuflucht zu nehmen.

1850 malt Schwingen seine junge Frau (WVZ 89). Im Auftrage eines Düsseldorfer Weinhändlers entsteht das großformatige Gemälde „Die Weinlaube“ (WVZ 93). 1854 sind zwei Porträts und 1855 wiederum ein Porträt aus dem Wuppertal zu erwähnen (WVZ 103). Weitere Porträts aus den Jahren 1857 und 1859 sind neuerdings bekannt geworden. Schwingen wiederholt 1856 sein erfolgreiches Bild „Der Lotteriejude“ (WVZ 104) und 1862 in leichter Abwandlung die „Verperzeit am Sonntage“ von 1837 (WVZ 113). Mit den Bildern „Mädchen in Weiß“ (WVZ 108) und „Bildnis eines Knaben“ (WVZ 112) entstehen zwei Werke, die zwar im Aufbau konventionell, aber in der malerischen Gestaltung von höchster Qualität sind. Auch das in Schwelm überlieferte Porträt stammt aus diesen späten Jahren. Vermutlich 1863 malt Schwingen sein letztes, unvollendetes Bild, den „Trauernden Künstler“ (WVZ 114). Auch das Bild im Bild auf der Staffelei des Ateliers ist unvollendet.

1861 wohnt Schwingen mit seiner Familie noch in einem Efeu umrankten Häuschen in Bilk. Infolge seiner Erkrankung kann er aber nur noch sehr wenig malen. Eine billigere Wohnung muss gefunden werden. Am 6. Mai 1863 stirbt der Maler in Düsseldorf, Klosterstr. ohne Nr. Nachbarn machen den Tod aktenkundig. Im Düsseldorfer Bürgerbuch ist die Eintragung „Invalide“ vermerkt, d. h. wohl, dass er aus gesundheitlichen Gründen als zum Wehrdienst nicht tauglich angesehen wurde. An einer aufwändigen Todesanzeige (wenn auch mit falschem Todesdatum) im „Düsseldorfer Anzeiger“ ist zu erkennen, dass die Familie Schwingens nicht zu den Ärmsten der Stadt gehörte.97 Als Todesursache wird eine „Abnehmungskrankheit“ angegeben. Ein Nachruf ist u. W. in Düsseldorf oder Godesberg nicht veröffentlicht worden.

„Düsseldorfer Anzeiger“ vom 9.5.1863.

Seine Witwe wird vom Künstlerunterstützungsverein die üblichen 30 Taler für die Beerdigung erhalten haben. Sie zieht nach dem Tod des Ehemannes mit ihren Kindern nach Mülheim/Ruhr, wo sie ein zweites Mal, diesmal einen Gastwirt, heiratet, geschieden wird, und schließlich im Hause der jüngsten Tochter 1886 stirbt.

Auf der Jubiläumsausstellung des Malkastens 1898 ist Schwingen wieder mit einem Porträt vertreten (WVZ 119). Er war also nicht ganz vergessen. Soweit wir sehen, das erste Mal, dass eines seiner Bilder nach seinem Tode wieder ausgestellt wird. 98

Wir können heute nicht mehr genauer feststellen, wie die persönlichen Verhältnisse des Malers in den letzten Jahren seines Lebens gewesen sind. Generell war jedoch in Deutschland/Preußen der Stern der Düsseldorfer Malerschule so schnell gesunken, wie er kometenhaft aufgestiegen war. Erste Anzeichen hatte es schon in den vierziger Jahren gegeben. Joachim Großmann weist auf einige Ursachen hin. Da ist einmal die stark zunehmende Zahl der Künstler zu nennen, die der vorangegangenen Kunsteuphorie zu danken war. Ernteausfälle in den vierziger Jahren trieben die Preise in die Höhe und waren wohl auch mitverantwortlich für den Ausbruch der Revolution. Andere Autoren weisen auf die bedeutende Rolle der Kunstkritik hin, die zunächst himmelhoch jauchzete (mit kräftiger Hilfe der Akademie und des rührigen Schadow), dann aber ebenso schnell zu einem „Kreuzige! Kreuzige!“ bereit war.99 Das politische Gewicht verlagerte sich zudem mehr und mehr in die Hauptstädte Berlin und München.100 Schadow schrieb 1848: „Wie’s hier unter den Künstlern steht, ist nicht zu sagen! Selbst die Besseren haben nichts zu tun.“101

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Späte Wiederentdeckung

Wie viele andere blieb Schwingen auch nach seinem frühen Tode lange unbeachtet. Seine Genrebilder teilten die Verachtung dieser Sparte durch die offiziöse Kunstkritik. Nach der Revolution mochte sich wohl auch niemand mehr der eher politischen Gemälde erinnern.


Die Jahrhundertausstellung 1906

Für die Wiederentdeckung von Schwingen und die Neubewertung seiner Werke war von größter Bedeutung, dass eines seiner Bilder 1906 auf der Jahrhundertausstellung in Berlin gezeigt wurde. Dieses Bild galt lange als verschollen. Walter Cohen wies in seinem Vortrag 1932 in Godesberg darauf hin, dass alle Nachforschungen bis jetzt vergeblich gewesen seien. Nun, dieses wichtige Bild „Die Familie Keuchen-Werlé“ (WVZ 71) ist im Jahre 2000 wieder aufgetaucht und aus Godesberger Privatbesitz inzwischen in die Wuppertaler Sammlung Volmer gelangt! Worin liegt sein besonderer Stellenwert?

Um die Jahrhundertwende wurde der Ruf nach einer Revision des akademischen Kanon der Kunstwertung immer lauter. Immer noch galt offiziell die Historienmalerei als die bedeutendste Sparte der Malerei. An die Stelle einer am Inhalt der Werke orientierten Kunstkritik sollte nun ein Qualitätsbegriff etabliert werden, „der sich an einer rein malerisch verstandenen Kunstentwicklung orientierte, in deren Mittelpunkt die traditionell als weniger anspruchsvoll eingeschätzten Gattungen Bildnis-, Landschaftsund Genremalerei standen.“102 Führende Museumsleute wie Alfred Lichtwark in Hamburg, Woldemar von Seidlitz in Dresden, Kunstschriftsteller wie Julius Meier-Graefe in Paris und Berlin und schließlich auch der neue Direktor der Nationalgalerie in Berlin Hugo von Tschudi wurden die Initiatoren einer so genannten „Revisionsausstellung“, wie der Arbeitstitel deutlich lautete. Diese Ausstellung wurde als Jahrhundertausstellung, in Anlehnung an die „Centennale“ in Paris „zum Schlüsselereignis für die kunstgeschichtliche Rezeption der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts.“103

In Barmen gehörte der Kunsthistoriker Richart Reiche 104 zu denen, die sich energisch für die Ausstellung und ihre Ziele einsetzten. Obwohl noch nicht zum künstlerischen Leiter des „Barmer Kunstvereins“ berufen, veranstaltete er in Zusammenarbeit mit diesem 1906 eine Ausstellung in der Ruhmeshalle, auf der Bilder aus Privatbesitz gezeigt wurden, die für die Jahrhundertausstellung in Berlin bestimmt waren.105 Es war zwar nicht erstaunlich angesichts der Bedeutung der Werke von Peter Schwingen im Wuppertal (meist in Elberfeld), aber auch nicht selbstverständlich, dass zu diesen auch Peter Schwingens „Die Familie Keuchen-Werlé“ gehörte. Hugo von Tschudi, als Direktor der Nationalgalerie für Ausstellung und Katalog verantwortlich, widmet diesem Bild eine ganze Seite im Illustrationen-Band. So gingen die Anfänge der Wiederentdeckung Schwingens vom Wuppertal aus, wo er ja auch als Maler seine großen Erfolge errungen hatte.

„Die Familie Keuchen-Werlé“ gehörte dann auch zu den Werken Schwingens, die in den folgenden Jahren mehrfach abgebildet und in kunsthistorischen Darstellungen erwähnt wurden. 1909 wurde das Gemälde in einer Veröffentlichung von F. W. Bredt und R. Reiche wieder vorgestellt.106 Richard Hamann erwähnt es in seiner Überblicksdarstellung der deutschen Malerei wegen seines typischen Biedermeier-Interieurs.107 Sogar die „Berliner Illustrierte“ stellte es ihren Lesern vor. .

Reiche war freilich weniger an der Wiederentdeckung Düsseldorfer Genremaler als an der zeitgenössischen Malerei interessiert und baute in den folgenden Jahrzehnten die Sammlung des Barmer Kunstvereins zu einer bedeutenden Galerie der Moderne aus. So ging die Initiative der „Revision“ auf Friedrich Fries in Elberfeld sowie Bürgermeister Zander in Godesberg und Walter Cohen in Düsseldorf über.

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Elberfeld 1907 und 1922

1907 fand im Städtischen Museum in Elberfeld (heute Von der Heydt-Museum) eine Ausstellung statt, auf der auch fünf Porträts von Schwingen aus Elberfelder Privatbesitz gezeigt wurden. Friedrich Fries hatte diese Ausstellung organisiert.108

1922 folgte eine Ausstellung von Interieurbildern in Elberfeld, auf der Schwingen mit den Bildern Peter de Weerth (WVZ 42) und Gertrud de Weerth (WVZ 69) vertreten war. Der Rezensent E. Kgb. (Ernst Kuckelsberg)109 rühmte in der „Bergisch-Märkischen Zeitung“: „die Aufgabe ist mit höchstem Geschmack und einer bewundernswerten Meisterschaft des Handwerklichen gelöst.“ Er kritisierte allerdings die „spießerhafte, philiströse Auffassung“110 Ganz anders Walter Cohen. Er weist zunächst auf die „Reinigungsarbeit“ der Jahrhundertausstellung hin und betont, dass nach dieser Ausstellung die Geschichte der Malerei Düsseldorfs neu geschrieben werden müsse. Dabei verweist er besonders auf einen Künstler. „Den Namen des Künstlers, Peter Schwingen, setze ich mit dem Gefühl der Beschämung hin, dass diesem Manne von Mit- und Nachwelt in Düsseldorf schweres Unrecht widerfahren ist.“111 Anschließend bespricht er geradezu enthusiastisch die Bilder Peter und Gertrud de Weerth und stellt bedauernd fest, dass auf der Düsseldorfer Ausstellung von Bildnissen aus Privatbesitz nur ein kleines Brustbild eines Verwandten gezeigt werden konnte. Er schließt seinen Aufsatz in den Düsseldorfer Nachrichten wie folgt. „Ein Gruppenbild Schwingens von 1844 wurde für die Deutsche Jahrhundert-Ausstellung hervorgeholt und sehr beachtet. In dem zweibändigen Ausstellungswerk ist es abgebildet und zwar in dem ersten Bande, der von Hugo von Tschudi getroffenen ,Auswahl der hervorragendsten Bilder“. Wird es auch für Düsseldorf gelingen, die Erinnerung an diesen Verkannten und Vergessenen zu beleben und festzuhalten?“ 112

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Walter Cohen und die Ausstellung in Düsseldorf 1925

Bei der Ausstellung in Elberfeld war Walter Cohen zum ersten Mal auf Schwingen aufmerksam geworden. Er entwickelte sich in den folgenden zehn Jahren, unterstützt von Julius Söhn, zum eifrigen Propagandisten für seine Kunst, besonders seine Bildnisse.113 Cohen und Reiche waren gute Bekannte und hatten bei der Vorbereitung der Sonderbundausstellung eng zusammengearbeitet. Wie Reiche gehörte Cohen dem Vorstand des Sonderbundes an. In der Ausstellung „Düsseldorfer Bildnismalerei der Vergangenheit“ hatte Cohen nur das kleine Bildchen des Schneidermeisters Schmitz (WVZ 6) aus dem Privatbesitz von Julius Söhn zeigen können. Die Ausstellung „Die letzten hundert Jahre rheinischer Malerei“ im Kunstpalast in Düsseldorf 1925 präsentierte aufgrund der Bemühungen von Cohen schon neun Bilder Schwingens.114 Der mit Walter Cohen befreundete Godesberger Maler Toni Wolter besuchte auf seiner Reise nach Nordamerika die Ausstellung und widmete den Bildern des Landsmannes aus Muffendorf sein besonderes Interesse.115 Hatte die mit der Ausstellung von 1906 angestrebte Revision stattgefunden?

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Peter Schwingen und Godesberg

In seinem Buch „Hundert Jahre rheinischer Malerei“ hatte Cohen schon 1924 geschrieben: „Am Rhein sollte man endlich anfangen, diesem Vergessenen die Ehre zu erweisen, die ihm zukommt; denn Peter Schwingen ist in Wahrheit von allen rheinischen Bildnismalern der originellste und der begabteste.“116 1926 gab es in Bad Godesberg, wohl als Echo auf die Düsseldorfer Jahrhundertausstellung, eine kleine Ausstellung im Büro der „Deutschen Reichs-Zeitung“ mit acht Schwingen-Bildern aus Privatbesitz.117

Der Godesberger Bürgermeister Zander war ein aufmerksamer Leser der Veröffentlichung von Walter Cohen. Er begann nicht nur nach den Vorfahren des Malers und dem Verbleib von Bildern zu forschen, er regte gleichzeitig an, dass Cohen doch einen Vortrag in Godesberg über den Maler halten möge. Schließlich kam es zu der Idee, zunächst eine Ausstellung der Werke von Peter Schwingen zu veranstalten und diese dann mit einem Vortrag zu verbinden.118 Die Ausstellung kam aus den auch heute noch fast notorischen Gründen – hohe Versicherungskosten, Probleme mit den Leihgebern – nicht zustande. Aber Zander ließ nicht locker. Erst 1931 sollte sich ein Teilerfolg seiner Bemühungen zeigen.

Abschluss und Höhepunkt der Bemühungen des Godesberger Bürgermeisters und auch der „Schwingen-Wiedergeburt“ war der Lichtbildervortrag von Dr. Cohen 1931 in Bad Godesberg, der 1932 auch als Broschüre veröffentlicht wurde 119 Dieser Vortrag sollte einer der letzten des Kustos der Gemäldesammlungen der Stadt Düsseldorf sein. Als „Jude“ nach Hitlers Rassenvorstellungen wurde er zunehmend bedrängt, musste sein Amt aufgeben, kam ins Konzentrationslager Dachau, wo er 1942 starb.120 Als Kuriosum sei erwähnt, dass nach der Entlassung von Bürgermeister Zander NS-Staatskommissar Heinrich Alef die Broschüre Cohens am 31. März 1933 an die Schulabgänger der Gemeinde Friesdorf mit den Zeugnissen überreichen ließ. Widmung: „Den Schulkindern im Jahre der nationalen Erhebung zur Schulentlassung gewidmet von der Gemeinde Godesberg”.121

Das Godesberger Heimatmuseum, in dem Bürgermeister Zander einen Ehrenplatz für Schwingen vorgesehen hatte und für das mehrere Bilder des Malers, teils als Leihgaben, zur Verfügung gestellt worden waren, wurde 1945 ein Opfer der Nachkriegswirren. Die Exponate landeten auf einer Müllkippe. Dann verliert sich die Spur.

Schwingen wurde in der kunstgeschichtlichen Literatur der Nachkriegszeit zunächst nicht zur Kenntnis genommen, obwohl die lokale Presse immer wieder über ihn berichtete. 1960 wurden „Der Schmaus nach Gewinn des großen Loses” (WVZ 70) und 1962 das „Bildnis Frau Heseler” (WVZ 103) vom Städtischen Kunstmuseum Bonn aufgekauft. Erst als dann der „Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg” und Walter Holzhausen, der pensionierte Direktor des Städtischen Kunstmuseums Bonn, zusammen mit der Stadt Bad Godesberg durch Ausstellung und Veröffentlichung das Thema aufgriffen, wurde man auch überregional wieder auf den Maler aufmerksam. Anlass boten der 150. Geburtstag und der 100. Todestag von Schwingen 1963. Die Initiative ging vom damaligen Vorsitzenden des Godesberger Heimatvereins, Dr. Haentjes, aus. Am 29. Mai 1963 hielt Dr. Holzhausen einen Lichtbildervortrag über Schwingen auf der Mitgliederversammlung des „Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte“, die aus diesem Anlass in Gasthaus „Zur Post” in Muffendorf stattfand.122 Sogar der Malkasten erinnerte sich seines Gründungsmitglieds und lud Holzhausen zu einem Lichtbildervortrag ein (6. November 1963). Auch der „Bergische Geschichtsverein“ sprach eine Vortrags-Einladung aus und lies die Ausführungen Holthausens ganzseitig im „General-Anzeiger“ veröffentlichen. Die Ausstellung, die erste Einzelausstellung des Malers, konnte vom 1. bis 22. März 1964 in der Godesberger Stadthalle durchgeführt werden.123 Als man in Muffendorf „1100 Jahre Muffendorf“ feierte, wurde im Rahmen einer ortshistorischen Ausstellung auch des berühmtesten Muffendorfers gedacht.124 1993 wurde auf Initiative von Pia Heckes die „Peter-Schwingen-Gesellschaft“ gegründet, die schon 1994 im städtischen „Haus an der Redoute“ eine repräsentative Schwingen-Ausstellung ausrichten konnte und im Anschluss daran eine Monographie über den Maler veröffentlichte. Diese enthielt auch ein Verzeichnis der bis dahin bekannt gewordenen Werke Schwingens. Das neu erwachte Interesse an Schwingen führte auch dazu, dass Werke aus Privatbesitz auftauchten, die bislang entweder völlig unbekannt gewesen waren oder, wie das bekannte Bild „Die Familie Keuchen-Werlé“ seit langem als verschollen galten. Das Kunsthaus Paul Schweitzer, Bad Godesberg und die Galerien Georg Paffrath und Wilhelm Körs, Düsseldorf spielten dabei eine wichtige Rolle.

Indes, auch dann folgte kein Schwingen-Boom. Zu verstreut ist das Werk, zu gering sind die allgemeinen Informationen, als dass etwa ein junger Kunsthistoriker sich hier seine Sporen verdienen möchte oder gar ein Museum eine Retrospektive veranstaltet. Insgesamt sind heute 11 Werke in Museumsbesitz, nur wenige davon sind ausgestellt. Die Peter-Schwingen-Gesellschaft, Bad Godesberger Kunstverein, will dazu beitragen, dass der Maler – wenn auch spät – seiner Bedeutung entsprechend gewürdigt wird. In dem repräsentativen „Lexikon der Düsseldorfer Malerschule“ ist das geschehen. In der kunsthistorischen Fachliteratur der Nachkriegszeit ist die Neubewertung Schwingens und einer Reihe seiner Malerkollegen vor allem Wolfgang Hütt zu danken, dessen Dissertation 1956 in Halle geschrieben, inzwischen 1995 in 3. Auflage veröffentlicht, zum Standardwerk über die Düsseldorfer Malerschule geworden ist.

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Zum Werk

Porträts

Das erste Bild, das uns von Schwingen durch Fotos überliefert ist, frühere Bilder kennen wir nur aus Berichten, ist ein Selbstporträt, das lange in der Familie aufbewahrt wurde und stark beschädigt war (WVZ 3). Nach der Restauration durch Spinrath in Düsseldorf blickt uns ein aufgeweckter Junge aus dem Dorfe selbstbewusst an, so wie wir ihn auch heute noch auf den Dorfstraßen seiner Heimat antreffen können. Wahrscheinlich ist das Bild noch vor oder gleich zu Beginn des Akademiebesuches entstanden. Es ist mit anderem Inventar des Godesberger Heimatmuseums in den Wirren der Nachkriegszeit nach dem 2. Weltkrieg verschwunden.

Schwingen hat auch weitere Stationen seines Lebens in Selbstporträts festgehalten. Ein etwas später entstandenes Selbstbildnis zeigt Schwingen im Halbprofil und bereits mit dem Ansatz einer hohen Stirn (WVZ 17). Das Bild ist ebenfalls verschollen. Die Grundkonzeption finden wir in den 1837 entstandenen kleinen Porträts aus dem Kreis der Kinder des Peter de Weerth wieder. Eine andere Arbeit zeigt einen jungen Maler mit typisch beschatteter Augenpartie und breitem, weichem Künstlerhut (WVZ 25). Dann begegnet uns das Bild eines festlich gewandeten Herrn, der durch seine Busennadel auffällt (WVZ 76). Das Bild muss in den 40er Jahren entstanden sein, zeigt es doch den Maler noch im fast vollen Besitz seines Haarschmuckes. In der Familie Schwingen war frühe Glatzenbildung verbreitet. Auf einem Foto aus den frühen fünfziger Jahren ist das auch bei dem Maler klar zu erkennen. Alle diese Bilder sind ohne großen dekorativen Aufwand als Brustbilder konzipiert. Lediglich das letzte Bild dieser Serie, wohl um 1863 entstanden, erinnert an die berühmten Innenraumporträts aus dem Wuppertal (WVZ 114). Wir sehen den Künstler und seine Frau im Atelier. Im Hintergrund eine Staffelei mit einem angefangenen Bild, eine Gitarre, ein Globus, an der Wand ein Gewehr. Eine Bilanz enttäuschter Hoffnungen. Die malerische Kraft scheint erschöpft, Reisen konnte Schwingen nie machen, die Lieder sind verstummt. An die glanzvollen Tage als Schützenkönig oder Mitglied der Düsseldorfer Bürgerwehr erinnert nur noch das Gewehr.

Die Darstellung von Menschen in typischen Situationen zeichnet die Genremalerei aus. Schwingen hat dieses Prinzip auch auf einen Teil seiner Porträts übertragen. Ob es sich bei dem Bild „Frau am Fenster” (WVZ 38), entstanden etwa 1837, bereits um das fertige Porträt oder erst um die Vorstudie zu einem solchen handelt, ist nicht bekannt. Dabei ist das eher großbürgerliche Umfeld zu betonen, das weder in der persönlichen Erinnerung des Malers anzutreffen, noch im Atelier zu rekonstruieren war. Wir können also von einem Auftragsbild ausgehen. Martina Gödecke-Behnke hebt als Neuheiten in diesem Bilde, die Schwingens Eigenständigkeit im Düsseldorfer Umfeld verdeutlichen, hervor: 1. Die nicht naturalistische Farbgebung mit dem intensiven Wechselspiel von Licht und Schatten. 2. Die Aufhebung des Bühnenraums, die Art der Raumeinsicht und die nach hinten gerückte Bildaussage. 3. Die spezifische Sichtweise des Individuums.125

Für eine Vorstudie spricht die eher impressionistische Ausführung, die im Gegensatz zur Gewohnheit Schwingens steht, alle Einzelheiten präzise auszumalen. Das Bild fällt schließlich auf durch die souveräne Verachtung der Lokalfarben und einen durchweg dominierenden duftigen Blau-Ton, wie immer bei Schwingen akzentuiert durch kleine Rotpunkte. Heute zählen wir es zum Besten, was die Düsseldorfer Porträtkunst dieser Zeit hervorgebracht hat. Mit seinem Licht durchfluteten Fenster und seiner andeutenden Malweise entspricht es den höchsten Kriterien für die Biedermeiermalerei. In der Anlage ist die Nähe zu den Bildern aus Elberfeld und Barmen unverkennbar.

Ein bäuerliches Pendant zu diesem Werk ist „Die Strickerin“ betitelt (WVZ 41). Hier sind allerdings die Genreelemente auf das absolut notwendige reduziert. Eine kahle, schadhafte Wand, darin ein eiserner Haken, ein grober hölzerner Tisch. Die strickende junge Frau ist dagegen mit einer festlichen bestickten Bluse unter einer übergezogenen Jacke bekleidet. Als Kopfschmuck trägt sie eine Mütze, dazu einen wärmenden Schal. Das Bild ist nur in einer schwarzweißen Fotografie überliefert. Die Struktur der Darstellung lässt aber deutliche farbige Akzente vermuten. Wahrscheinlich handelt es sich auch hier um ein für uns leider anonymes Porträt.

Die Akademie-Stadt Düsseldorf war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alles andere als eine Weltstadt, geschweige denn „der Schreibtisch des Reviers“. Aber, und das war auch für die Entwicklung der Akademie wichtig, nicht weit entfernt lagen Zentren der wirtschaftlichen Entwicklung, darunter Aachen und die Doppelstädte Elberfeld und Barmen. Die Unternehmer des Wuppertals hatten schon früh ein starkes Interesse an Kunst und Kultur gezeigt und damit den allgemeinen Ruf der Gegend als eines „Muckertals“ Lügen gestraft. Als 1829 der „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“ gegründet wurde, war die Mitgliedschaft für die Barmer und Elberfelder Honoratioren eine Prestigefrage. 1836 war Heinrich Christoph Kolbe gestorben, der viele Fabrikanten und ihre Familien aus dem Wuppertal gemalt hatte. Schwingen übernahm seine Rolle. Einzelheiten sind wieder einmal unbekannt. Immerhin könnte die Mitgliedschaft fast aller der von Schwingen porträtierten Unternehmer im „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen” ein Hinweis sein. Auch C. F. Sohn, der über Beziehungen ins Tal verfügte, könnte mitgewirkt haben. In der Satzung der Kunstakademie war ausdrücklich vermerkt, dass der Lehrer in der ersten Klasse, also jetzt Schadow, den ausübenden Eleven auch Aufträge vermitteln solle, die an die Akademie herangetragen würden.126 Wahrscheinlich verließ Schwingen wegen dieser Aufträge im Wuppertal die Akademie und ging nach „auswärts“. Schließlich war er jetzt Familienvater und hatte Frau und Kind zu ernähren.

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Peter de Weerth und seine Familie

Die ersten Aufträge aus Elberfeld kamen von einem Manne, der in der Stadt eine prominente Stellung einnahm und außerdem, wie die meisten Kaufleute des Tals, Gründungsmitglied des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen gewesen war. Die Beteiligung der Elberfelder und Barmer Kaufleute war nach einer Schilderung von Johann Wilhelm Schirmer infolge einer speziellen Werbeaktion des Sekretärs des Düsseldorfer Regierungspräsidenten und ersten Sekretärs des Kunstvereins, Dr. Fallenstein, so reichlich ausgefallen.127 Der Rentner Peter de Weerth besaß nicht weniger als hundert Aktien und war damit an der Spitze der Engagements. Die anderen prominenten Elberfelder Kaufleute und Fabrikanten lagen, mit Ausnahme von Johann Friedrich Wülfing mit 75 Aktien, bei höchstens fünfzig Aktien.128 Peter de Weerth129 war schon damals der reichste Mann Elberfelds. Sein Vater war Werner de Weerth, seine Mutter, Charlotte von Carnap war bei Peters Geburt gestorben. Der Vater heiratete dann in zweiter Ehe Susanne Maria Siebel, die Peter eine liebevolle Stiefmutter gewesen sein soll. Peter de Weerth erhielt eine gediegene Ausbildung wie sie für die Söhne der führenden Elberfelder Familien üblich war. Auch Grundkenntnisse des Latein gehörten dazu. Wichtiger aber war die Praxis, die er in Frankfurt und dann im väterlichen Geschäft kennen lernte, das schon bald als „Werner de Weerth & Sohn“ firmierte. Aus der Familie seiner Mutter, den von Carnaps, kam Peter früh zu einem beachtlichen Vermögen und war schon mit 34 Jahren Millionär 1796 heiratete Peter de Weerth Gertrud Wülfing. Zunächst wohnten die De Weerths am Hofkamp bei dem Schwiegervater Johann Jakob Wülfing, später in ihrem eigenen großen Haus in der Schwanenstraße. Als der ebenfalls hoch begüterte Schwiegervater 1802 starb, gab Peter de Weerth die eigene Firma auf, um die Firma „Anton Wülfing sel. Erben“ weiterzuführen. Das Vermögen des Johann Jakob Wülfing, der in der ganzen Provinz allein 1 1/2 Million Taler als Darlehen vergeben hatte und einen ausgedehnten Grundbesitz – oft in den napoleonischen Säkularisationen erworben – sein eigen nannte, wurde von De Weerth gemeinsam mit seinem Schwager Johann Friedrich Wülfing verwaltet. Geschäftsbeziehungen und Familienbeziehungen fielen – wie oft im Wuppertal dieser Zeit – zusammen. Davon sollte dann auch der Maler Peter Schwingen profitieren.

Aus der Ehe mit Gertrud Wülfing gingen drei Söhne und zwei Töchter hervor. Gertrud starb schon 1829 im Alter von 55 Jahren. In den Jahren 1837 und 1838 entstanden das berühmte Bild des verwitweten Pater Familias und mehrere Bilder seiner Kinder und Schwiegerkinder.

Zunächst sind anscheinend die Bilder der Kinder und ihrer Ehepartner entstanden. Die Porträts von Friedrich August de Weerth (WVZ 30) und seiner Frau (WVZ 31) tragen auf der Rückseite die Bezeichnung „gemalt im Herbst 1837 von Peter Schwingen zu Düsseldorf“130. August de Weerth, geboren am 30. August 1804, war der älteste Sohn des „alten“ Peter und mit Eleonore Mathilde Fauth, geboren am 8. Juni 1809 in Bergisch-Gladbach, verheiratet. Sie waren also 33 bzw. 28 Jahre alt, als Schwingen sie malte. Die kleinen Bildchen im fast quadratischen Format von H 33 x B 32 cm erinnern an ähnlich kleinformatige Werke Schwingens aus dem Familienkreis (Bildnis des Schwagers Josef Schmitz (WVZ 6) und Bildnis der ersten Ehefrau Magdalene Philippine Schwingen geb. Schmitz (WVZ 7, 36, 37 usw.). Sie waren natürlich alles andere als repräsentativ und so wurde das Ehepaar später noch einmal im Stil von Carl Ferdinand Sohn und in einem für den Salon geeigneten Format porträtiert. August de Weerth war so reich, dass er als Beruf Rentner, d. h. normalerweise Verwalter seines eigenen Vermögens, angab. Er war 1851/52 Stadtverordneter in Elberfeld, Mitglied der ersten preußischen Kammer und Inhaber des Roten-Adler-Ordens 4. Klasse. August de Weerth starb am 30. April 1879 in Elberfeld. Seine Frau war bereits wesentlich früher, am 31. Mai 1864 verstorben. Dr. Wilhelm de Weerth, ein Enkel des Peter de Weerth, erinnerte sich, dass von den Kinder-Ehepaaren des Peter de Weerth je ein Brustbild gemalt worden sei, anscheinend alle von Peter Schwingen, da Wilhelm de Weerth dazu keine Bemerkungen macht.131 Dr. Artur Wichelhaus 132 besitze ein weiteres Bild. Wo die anderen stecken, sei ihm unbekannt.

Tatsächlich befinden sich zwei weitere Bilder dieses Typs noch heute im Privatbesitz der Familie Wichelhaus. Sie zeigen Benjamin Friedrich Wichelhaus (WVZ 32), den Schwiegersohn, mit Emilie Elisabeth de Weerth (WVZ 33), der 1810 geborenen Tochter von Peter de Weerth. Auch diese Bilder tragen den oben bereits genannten Vermerk, das Format ist identisch. In dem zweiten, anscheinend älteren Vermerk zum Bildnis der Emilie Elisabeth heißt es allerdings genauer, dass es im November 1837 gemalt worden sei, womit dann der vermutlich erste Elberfeld-Aufenthalt Schwingens auf die Zeit nach seiner Heirat zu datieren ist. Benjamin Friedrich Wichelhaus war Bankier in Elberfeld und Sohn des Gründers der Bank Johann Peter Wichelhaus. Sein Sohn Robert sen. (1836-1886) und sein Enkel Robert jun. (1863-1943) setzten die Banktradition fort, wobei allerdings 1931 die Aufgabe der Selbständigkeit der Bank und eine Verbindung mit der Deutschen Bank geboten erschien. Die Söhne Hans und Eginhard Wichelhaus starben durch die beiden Weltkriege, der jüngste Sohn Günther wurde Pfarrer und über ihn wurden die Bildnisse Schwingens überliefert.

Von den Geburtsjahren her gerechnet lag Ernst Eugen de Weerth (1807-1867) zwischen Friedrich August und Emilie Elisabeth. Er war in erster Ehe mit Marie Konstanze Peill (1810-1840) verheiratet. Von dieser früh verstorbenen ersten Frau des Ernst Eugen ist das Foto eines Gemäldes überliefert, das nach der Art der Darstellung von Peter Schwingen sein könnte (WVZ 132).133 Das Original war leider bisher nicht zu finden. Ebenso wenig das Pendant mit dem Porträt des Ernst Eugen. Aus dieser Familie hat sich allerdings ein anderes Schwingen-Bild erhalten, das die Kinder von Ernst Eugen de Weerth aus zweiter Ehe darstellt (WVZ 115).

Auch Werner de Weerth war ein Jahr vor seiner Schwester Emilie Elisabeth geboren worden. Er heiratete allerdings erst 1847 die wesentlich jüngere Anna Goldfuß (18261900) aus Bonn, Tochter eines Geologen der Universität. Beide wurden von Carl Rudolf Sohn, dem Sohn des Düsseldorfer Professors Carl Ferdinand Sohn, gemalt.

Bliebe schließlich das Ehepaar Bernhardine Juliane de Weerth (1813-1860) und Wilhelm von Eynern (1806-1880). Wilhelm von Eynern war der älteste der beiden Söhne von Johann Wilhelm von Eynern und seiner Frau Johanna Katharina Rittershaus, die von Schwingen in dem bekannten Gemälde „Die Familie von Eynern“ gemalt wurden. Gemälde des Ehepaares Bernhardine Juliane und Wilhelm von Eynern, gemalt von Schwingen, sind aber nicht überliefert. Dass Beziehungen auch zu dieser Barmer Familie bestanden, und vermutlich über die Verwandtschaftsbeziehungen zustande kamen, beweist das Familienbild. Die dort abgebildete Nanette von Eynern war die ältere Schwester des Wilhelm von Eynern, dem Schwiegersohn von Peter de Weerth.

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Des Geschäftsmannes Mußestunde

Mehr oder weniger gleichzeitig mit den Bildern der Kinder-Ehepaare entstand ein Gemälde, das im Gegensatz zu diesen vergessenen Kleinporträts in die Kunstgeschichte eingehen sollte: Das Gemälde „Des Geschäftsmannes Mußestunde“, ein Porträt des Familienpatrons Peter de Weerth (WVZ 42). Dieser Auftrag stellte eine besondere Herausforderung dar. Peter de Weerth war bereits in einem hervorragenden Bild von Heinrich Christoph Kolbe gemalt worden. Schwingen stand vor der Frage, dieses Bild zu kopieren oder eine völlig andere Lösung zu versuchen. Er wählte einen Mittelweg: Er verband Porträt und Genrebild, zwei Fachrichtungen der Malerei in denen er zuhause war. Peter de Weerth wurde in Anlehnung an Kolbe in seinem Stuhl sitzend in der persönlichen Umgebung seines Hauses in der Schwanenstraße dargestellt. Ein Fenster erlaubt den Durchblick auf ein anderes bergisches Haus mit Schiefer und grünen Schlagladen. Im Zimmer selbst zahlreiche Andeutungen. An der Wand ein Kalender mit dem Jahr 1838, eine Reitgerte, eine Karte von Spanien, auf dem Tisch die Elberfelder Zeitung und Korrespondenz, auf einem der Briefe ist die Anschrift „Peter de Weerth Elberfeld“ deutlich zu erkennen. Der „müßige“ Kaufmann hat die Bearbeitung der Post unterbrochen und zu einem Buch gegriffen, dessen Titel leider nicht zu entziffern ist; kein Geschäftsbuch jedenfalls. Die Füße des schon älteren Herrn sind gut gewärmt auf einem Teppich unter dem Tisch placiert, wo auch der Futternapf für den Hund zu finden ist, der sich am Studium der Literatur zu beteiligen scheint. Auf dem Tisch weiterhin Schreibutensilien, eine Kerze und zwei Folianten. Andere Bücher, wohl geschäftlicher Art, stehen auf der Erde, anscheinend an einen Schrank angelehnt. All das deutet an, dass auch der Geschäftsmann geistige Kost nicht verabscheute, dass aber die Sorge um die Geschäfte ihn nie verließ. Dass die Geschäfte des Peter de Weerth im Wesentlichen in der Verwaltung seines umfangreichen Grundbesitzes bestanden, änderte daran wohl nichts. Walter Holzhausen betonte 1964 in einem Vortrag vor dem Bergischen Geschichtsverein „Schwingens Blick, die Persönlichkeit in ihrem Bereich zu erfassen, die Einheit von Mensch und Raum als unauflösliche Lebenseinheit.“ 134

Walter Cohen schrieb schon 1932: „Was Peter Schwingen uns bietet, ist eine bewusst bürgerliche Interieurkunst, die wohl unbewusst, in ganz modernem Gewande auf die beste Überlieferung der holländischen Raumporträts des 17. Jahrhunderts zurückgeht. .... Für Düsseldorf bietet das Bild auch dadurch etwas ganz Neues, dass durch das halbverhängte Fenster ein Ausblick gegeben wird, der in wahrhaft kühner Freilichtmalerei die lebhaften Farben eines grauen bergischen Schieferhauses mit dem Grün der Fensterläden wiedergibt. Das eindringende Licht wird von der großen hellen Landkarte an der Wand reflektiert und erhellt den ausdrucksvollen markanten Kopf des alten Herrn im dunklen Tuchanzuge. Mit unendlicher Liebe, aber ohne jede Kläubelei ist alles Beiwerk gemalt.... Bildnis und Genrebild verfließen hier in eins, aber die Grenzen verwischen sich nicht; alles Anekdotische ist vermieden und die außerordentliche Frische und Feinheit des Malerischen heben dieses bedeutende Werk über alles hinaus, was damals in der Blütezeit einer schon recht verwässerten Romantik in Düsseldorf geschaffen wurde.“135

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Gertrud de Weerth (WVZ 69)

Die später (1843) von Schwingen porträtierte Frau von Peter de Weerth war Gertrud Wülfing, die Schwester von Johann Friedrich Wülfing, dessen Porträt an das von Peter de Weerth erinnert und dem Maler den zweiten Großauftrag aus dem Tal einbrachte. Auch bei Gertrud de Weerth hat Schwingen die Szene in die Wohnung des Ehepaares verlegt. Das Zimmer ist allerdings nicht das Arbeitszimmer wie bei Peter, sondern ein Wohnzimmer, in dem Gertrud mit einem Strickzeug an einem Ausziehtisch sitzt, beleuchtet aus dem Fenster rechts im Bild. Gertrud sieht nach links und, wenn man so will, ist das die Richtung, in der sie bei richtiger Placierung der Bilder ihren Mann erblicken kann und vice versa. So jedenfalls hingen später auch die Bilder im Hause der Marion von Stein geborene de Weerth in Köln. Im Hintergrund eine Schrank-Kommode, auf der eine Empire-Pendüle und eine Glocke zum Herbeirufen des Hauspersonals dezent den Wohlstand andeuten und zwei Kamelienstöcke für etwas Verzierung und das bei Schwingen obligatorische Rot sorgen. Auf dem Schrank auch ein Buch, dessen Inhalt aber verschwiegen wird. Der Rücken steht zur Wand. Das Zimmer ist mit einer Blumentapete, einer grünbraun gestrichenen Täfelung und einem glänzenden Fußboden ausgestattet, der ebenfalls grün gestrichen zu sein scheint. Auf dem Boden unter dem Tisch ein Fußbänkchen. Da Gertrud de Weerth zum Zeitpunkt des Entstehens des Bildes bereits lange verstorben war, griff Schwingen auch diesmal auf ein Gemälde Kolbes zurück, dem er die Gesichtszüge der Verstorbenen entnahm. Obwohl das Bild notwendiger Weise als „gestellt“ bezeichnet werden muss, ist doch anzunehmen, dass die Ausstattung des Zimmers – wie bei allen anderen Schwingen-Bildern dieser Art – der Originalmöblierung im Hause de Weerth entspricht. So stellen die Bilder auch wichtige Dokumente für die Wohnungen der führenden Kaufleute des Tals im 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts dar. Gediegen und durchaus anspruchsvoll, aber nicht zu aufwändig, so wird man sie charakterisieren können.

Walter Cohen schrieb: „ ... nichts in diesem kleinen Meisterwerk deutet darauf hin, dass es nicht nach dem Leben geschaffen sei. Das ist besonders der für Düsseldorf erstaunlich kühnen Behandlung des Lichts zu danken: alles ist wie von sonnigem Tageslicht durchtränkt.“136 Zitieren wir ebenfalls noch einmal Walter Holzhausen aus seinem Vortrag 1964: „Im Eingehen auf die Einzelheiten wird die künstlerische Weisheit des Malers vernehmbar. Porträt des Menschen, Porträt des Raumes, unlösbar ineinander verschmolzen, erwecken den Eindruck einer Atmosphäre gediegener Kultur und vermitteln ein neues Lebensgefühl: selbstsicheres Behagen.“ 137

Die Arbeiten Schwingens waren übrigens nicht die ersten Bilder, die an die Gemälde Kolbes anknüpften. Schon 1831 schuf Gustav Adolf Köttgen im Auftrage von Peter de Weerth Brustbilder von Peter de Weerth und seiner Frau Gertrud in Anlehnung an die Kolbe-Porträts. Der Vergleich dieser durchaus guten Porträts mit dem, was Peter Schwingen sieben Jahre später aus einem ähnlichen Auftrag machte, zeigt seine besondere Leistung.

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Acht mal das Bildnis Johann Friedrich Wülfing

Auch das etwa 1840 entstandene Bildnis des Johann Friedrich Wülfing (WVZ 56-63) ist ein Dokument. Johann Friedrich Wülfing (1780-1842) war mit Johanna Maria Christa Siebel (1786-1859), einer jüngeren Schwester des in Bad Godesberg begrabenen Dichters und Freimaurers Gerhard Siebel (1784-1831), verheiratet. Er war wie sein Schwager, der auch sein Vormund gewesen war, Millionär und Großgrundbesitzer, Garn- und Tuchhändler und hatte eine Türkischrot-Färberei. Wie sein Schwager war er mit seiner Frau bereits von Heinrich Christoph Kolbe gemalt worden. Schwingen wählt für sein Porträt das bewährte Verfahren. Wieder wird durch ein Fenster ein anderes bergisches Haus sichtbar. Natürlich sind die Einrichtung des Zimmers und die Utensilien dem Porträtierten angepasst. Sie waren identisch mit der Originalmöblierung in Hause Wülfing. So befinden sich z. B. die klassizistische Kommode rechts im Bild und die darauf stehende Pendüle noch heute im Familienbesitz. Auch Arbeitstisch und Brille haben sich erhalten. Im Übrigen ist die Einrichtung fast spartanisch. Auf und in einem Wandschränkchen allerlei Kleinfiguren (Bibelots), vielleicht einige aus Meissener Porzellan, und eine Cotta-Klassikerausgabe in Leder gebunden. Ein Hund nebst Hundefutter auch hier. An der Wand sorgt diesmal ein bestickter Glockenzug dafür, dass der reiche Mann nicht ohne Bedienstete bleiben muss. Ein Sofakissen mit Petit-Point-Stickerei und das rote Futter des aufgeschlagenen Hausmantels mit Samt- oder Pelzkragen liefern das rote Element. Das Fenster ist mit einem gepolsterten „Kältefeind“ ausgestattet, was ausweist, das auch damals die Fenster der Bergischen Häuser, da keine Doppelfenster, im Winter einfach nicht dicht zu kriegen waren. Der Vorhang mit einer Bordüre und auf beiden Seiten durch Messingschmucknägel gehalten, weist wieder auf Wohlstand. Oberhalb der Kommode ein Spiegel, der die gegenüberliegende Zimmerwand mit einem Türausschnitt erkennen lässt. Am Türbalken ist eine blaue Mütze aufgehängt, wie sie die Elberfelder Weber trugen. Gegen die Fußkälte soll diesmal keine Fußbank sondern ein grün-roter Teppich mit einem Weinrankenmuster helfen.

Nach dem Tode von Wülfing erhielt Schwingen den Auftrag, so viele Fassungen des Bildes eigenhändig zu wiederholen, dass jedes der lebenden acht Kinder der Familie eine erhalten konnte.138 Für den jungen und immer noch wenig bekannten Maler ein „dicker Fisch“.

Die Suche nach dem Verbleib der vielen Fassungen des Bildes wurde zu einer spannenden Aufgabe. Walter Cohen leitete sie ein, es folgten die Galerie Paffrath in Düsseldorf und Walter Holzhausen. Das größte Verdienst aber gebührt Gisela Schniewind, die, aufgrund ihrer genealogischen Forschungen dazu besonders qualifiziert, bei potenziellen Besitzern herumfragte und so 6 erhaltene Fassungen und ihre Wege durch die Familiengeschichte ermitteln konnte, eine Fassung verbrannte im 2. Weltkrieg in Köln, das Schicksal einer einzigen Fassung ließ sich nicht ergründen. Sie muss als verschollen gelten.

Hier kurz die Ergebnisse der Recherchen von Gisela Schniewind:

Nicht aufzuklären war das Schicksal des Exemplares, das sich über Bertha Rosalie Wülfing im Besitz der Familie Von der Heydt hätte befinden müssen (WVZ 61).

Eine sich heute in Düsseldorfer Privatbesitz befindende Fassung (WVZ 56) war das Bild, das Hulda Meckel geborene Wülfing geerbt hat. „Sie war das 7. Kind von Johann Friedrich Wülfing. Da ihre Tochter Johanna Maria de Weerth geb. Meckel (1842-1880) schon früh verstarb, vererbte sie es dem Sohn der Johanna Maria, ihrem Enkel Wilhelm de Weerth“.139 Dessen Tochter Marion von Stein übernahm das Bild wie auch die beiden Porträts de Weerth aus dem Besitz ihres Vaters. Heutiger Eigentümer dieser Bilder ist der Sohn von Marion von Stein aus erster Ehe.

Das Schicksal des Bildes, das die zweite Tochter Johann Friedrich Wülfings, Emma Schniewind erbte, ist etwas komplizierter (WVZ 57). Es ging zunächst an deren älteste Tochter Emma Weyermann und wurde von Nachfahren etwa 1960 an die Galerie Paffrath verkauft. Von dort erwarb es ein Nachfahre der Meckels, sodass es heute wieder in der weiteren Familie der ursprünglichen Besitzer ist.

Immer noch im Besitz der Familie Wülfing ist das Bild, das Friedrich Hermann Wülfing erbte, heute bei seinen Nachfahren in Berlin (WVZ 59).

Karoline Wülfing heiratete Julius Bemberg. Ihr Bild wurde an die Bembergs auf Flamersheim vererbt, wo es sich noch heute befindet (WVZ 58).

Das Exemplar von Robert Wülfing kam in den Besitz seines Nachkommen Günter von Frowein. Es befindet sich als Leihgabe in Köln. Zwischenzeitlich war es bei Elisabeth von Frowein in Bonn, was gelegentlich zu der Annahme führte, es handele sich um eine weitere Fassung. Das trifft aber nicht zu (WVZ 60).

Johanna Maria Wülfing heiratete Rudolf Egbert Steinkauler. Ihr Bild war noch im Jahre 1939 im Besitz von Nachkommen in Köln-Mühlheim. Wahrscheinlich ist es dort während des zweiten Weltkrieges verbrannt (WVZ 62).

Schließlich das Bild, welches Elisabeth Wülfing verheiratete Peill gehörte. Es war zuletzt im Besitz des Nachkommen Dr. Mallinkrodt in Köln. Vermutlich kam es danach in den Besitz der Familie von Stoesser und wurde schließlich von dieser durch Gerda von Wülfing erworben. Heute ist das Bild bei ihrer Familie in Hannover-Isernhagen (WVZ 63). 140

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Die Familie Keuchen-Werlé

1844 folgt ein Bildnis der Familie Keuchen-Werlé, d. h. die Großeltern Keuchen mit ihrem Enkel Werlé (WVZ 71). Im Katalog der Jahrhundertausstellung hieß es zu diesem Bild141 „Bildnisgruppe (die Köpfe sind von Sohn). [!]142 Die Fleischfarbe des Herrn braunrötlich, die der Dame rosagrau. Der Herr in hellblauen Hosen. Schwarzes Sofa, bräunlich-graue Wand.“ Richart Reiche selbst schreibt in seinem Aufsatz „Pflege der bildenden Kunst“, 1926: „Johann Peter Keuchen und Frau Sophie Karoline geb. Frowein mit ihrem Enkel Eduard Werlé in einem Eckzimmer des Keuchen-Werlé schen Hauses, Neuer Weg - Ecke Poststr. Barmen“. Johann Peter Keuchen aus Barmen (14. März 1776-20. Aug. 1858) war Inhaber der Firma Gebr. Keuchen am Neuen Weg. Keuchen stammte mütterlicherseits von den Bembergs aus Bonsfeld ab. Johannes Keuchen, sein Vater, war mit Johanna Helene Berg aus Solingen verheiratet. Die Marschallin von Frankreich, Louise Soult geb. Berg, war seine Tante. Er war 1808 Stadtdirektor, ab 3. November 1808 Maire von Barmen; verheiratet mit Sophie Karoline Frowein (12. Mai 1777 - 8. Nov. 1856). Sophia Karoline war die Tochter von Abraham Frowein und Dorothea Wortmann. Abraham war einer der zahlreichen Träger dieses Namens, jedenfalls nicht der Begründer der Elberfelder Firma. Er stammte zwar ebenfalls aus Elberfeld, war aber Inhaber des Unternehmens Frowein & Wortmann in Unterbarmen, Kaufmann und Garnhändler. Die Tochter der Keuchens Emilie Luise Mathilde war mit dem Kaufmann Wilhelm Werlé (1804-1880) verheiratet. Dieser war Beigeordneter und Gründer des Barmer Verschönerungsvereins. Er war katholischer Konfession und mit Johann Friedrich von Eynern eng befreundet. Beide arbeiteten im Barmer Stadtrat zusammen. Zeitweise hatte er wie Friedrich von Eynern jr. auch dem preußischen Abgeordnetenhaus angehört. Sein Sohn Eduard ist der auf dem Bild porträtierte Junge. Das Bild wurde vom Verlag Bruckmann, München auch als Einzelblatt (H 24 x B 18 cm) vertrieben. Der Preis pro Blatt „mit Kulisse“ betrug M 1.50.

Angela Lorenz vergleicht das Bild mit einer Fotografie des Elternpaares von Philipp Otto Runge: „Eine im biedermeierlichen Familienbild entwickelte klare Sachlichkeit, die Dinge und Personen gleichermaßen in entmythisierender, nicht transzendierender Absicht dargestellt sehen will, findet im neuen Medium (der Fotografie HH) gleichsam verschärfte Durchsetzungsmöglichkeiten.“ 143 Auf die Nähe Schwingen’scher Porträts zur Fotografie hatte bereits Cohen hingewiesen.

Lorenz charakterisiert im Übrigen das Bild wie folgt: „Im nahtlosen, dicht aneinander anschließenden Kreislauf der Generationen im Familienbild offenbart sich der bürgerliche Kosmos einer der Natur anvertrauten Abfolge des Lebens im Rahmen der selbst erstellten Dingwelt. Greis und Kind als die Pole der Personifikation von Vergangenheit und Zukunft gibt sinnfällig Peter Schwingen im Bild der Eheleute Keuchen-Werlé mit ihrem Enkel an. Im Winkel des Zimmers, in das die Welt in uns schon bekannter Weise durch die Fenster Zutritt hat, sitzt das alte Paar nebeneinander auf dem Sofa. Eingefangen ist das leicht Statische ihres jetzigen Lebens wie auch die Zusammengehörigkeit der beiden, die aufeinander bezogen sind wie die über ihnen an der Wand hängenden Pendants der beiden Landschaftsbilder. Ergänzt und zugleich aufgebrochen wird diese Situation durch den zwischen ihnen stehenden Enkel, der, vergnügt aus dem Bild herausschauend, den Hund mit einem Bissen neckt.“144 Das neben den Landschaften hängende kleine Porträt stellt wahrscheinlich Wilhelm Werlé dar. Jedenfalls ist die Ähnlichkeit mit seinem Sohn Eduard nicht zu übersehen. Cohen meinte 1932 das Bild sei unwiederbringlich verschollen.145 Es hat sich erfreulicher Weise kürzlich wiedergefunden und gehört nun zu der Wuppertaler Sammlung Volmer. Es ist damit nebenbei das einzige Bild Schwingens, das sich heute in dieser Stadt seiner großen Erfolge befindet.

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Die Familie von Eynern (WVZ 77)

Aus dem Kreis der Verwandten des Peter de Weerth und damit auch der Wülfings folgte 1846 nach Vollendung der Kopien des Wülfing-Bildes und des Familienbildes Keuchen-Werlé der nächste Auftrag:

„Dargestellt sind nach Cohen laut Familientradition Johann Wilhelm von Eynern (17731845), ... seine Frau Johanna Katharina, geborene Rittershaus (1779-1842) und ihre unverheiratete Tochter Nanette (1806-1875), in deren Auftrag, wie Cohen vermutet, das Bild entstand. An der Echtheit der Signatur „P. Schwingen 1843“ [?! muss heißen 1846] ist nicht zu zweifeln. Vermutlich griff Schwingen für die Darstellung des Ehepaares, das 1846 bereits verstorben war, wie bei seinem Bildnis der Gertrud de Weerth, 1843, auf ältere Bildnisse zurück und schuf nur das in Farbe und Auffassung ein wenig anders angelegte Porträt der Nanette nach dem Leben. Die Familie ist in ihrer häuslichen Umgebung, in einem Raum des von Johann Wilhelm von Eynern errichteten großen Hauses in Barmen gezeigt, Nanette mit einer in der Zeit beliebten Straminarbeit.“146

Schon der Vater des Wilhelm, Johann Peter von Eynern (1737-1809), hatte als jüngster von sieben Brüdern den Hof Eynern verlassen und war nach Wichlinghausen gezogen, wo er ein „Fabrikgeschäft“ betrieb und durch Heirat mit Maria Magdalena Egeldyk zu Wohlstand kam. Als Lutheraner setzte er zusammen mit anderen die Errichtung einer lutherischen Gemeinde „auf dem Wupperfelde“ durch.147

Sein Enkel Johann Wilhelm von Eynern, der älteste Sohn der Familie von Eynern/Rittershaus war bekanntlich mit Bernardine Juliane de Weerth verheiratet. Nanette von Eynern, die neue Auftraggeberin, war seine unverheiratete Schwester. Johann Wilhelm betrieb zusammen mit seinem jüngeren Bruder Johann Friedrich von Eynern sen. die Firma „J. P. von Eynern & Söhne“. Friedrich sen. war von 1825 bis 1837 als Handelsrichter in Elberfeld tätig und Mitglied der gemeinsamen Handelskammer von Elberfeld und Barmen. Er war im Verwaltungsrat der späteren Köln-Mindener Eisenbahn und hatte sich sehr für diese Verbindung des Wuppertals nach Osten eingesetzt. Wilhelm wirkte stets mehr in kirchlichen Ehrenämtern und überließ die kommerziellen Vertretungen seinem jüngeren Bruder Friedrich von Eynern sen.

Hildegard Westhoff-Krummacher fasst wie folgt zusammen: „Dem rheinischen Genremaler gelingt es nicht nur, mit unauffälligen Mitteln nuanciert die patriarchalische Struktur der Familie sichtbar zu machen, sondern auch die Besonderheit des pietistisch geprägten Wuppertaler Unternehmer-Milieus zu charakterisieren. Hier ist man in allem gediegen, aber im beginnenden Maschinenzeitalter werktäglich nüchtern, schmucklos und sparsam. Man gibt das Kapital nicht aus, sondern reinvestiert es. Man hält an alten Formen und Normen fest, wie der Hauptgegenstand der Einrichtung, der solide Tisch aus der guten alten Zeit des „Louis Seize“ dartut. Nur so, immer tätig, Seelenheil und das Geschäft im Blick, mit Gebetbuch, Zeitung und Gottes Hilfe kann man es zu etwas bringen.“148

Man könnte von Routine sprechen, wenn das Bild nicht so gut wäre. Natürlich ist da wieder das Licht durchflutete Fenster mit seitlich gerafften Vorhängen. Allerdings wird dessen Lichtwirkung geschickt durch einen grünen Paravent gesteuert, der Frau von Eynern im Licht vor Halbschatten deutlicher hervortreten lässt. Die Gesichter sind sorgfältig ausgemalt und kennzeichnen den strengen und erfolgreichen Vater (mit Brille!!), die etwas müde aber gütige Mutter und die eher vergrämte Tochter ungeschminkt. Vater liest die liberale „Barmer Zeitung“, Mutter hat gerade aufgehört zu stricken, die Tochter stickt – wie üblich – aber: vor ihr liegt das Bergische Gesangbuch, was ihren Charakter als mustergültige Protestantin unterstreichen mag. Allerdings sehen wir bei ihr nicht nur die das nötige Rot bringende Stickerei sondern auch den dem gleichen Zweck dienenden Korallenschmuck, typisch für spätere Porträts des Malers. Er lockert aber hier die Strenge des Bildes nicht auf. Spitzenkragen bei Tochter und Mutter werden bei der Mutter durch eine Spitzenhaube ergänzt. Mit gefalteten Händen blickt sie wie die beiden anderen Familienmitglieder den Bildbetrachter offen und klar an. Es gibt kaum eine treffendere Studie des frommen und selbstgerechten Barmer Kaufmannsmilieus als dieses Bildnis des Godesbergers.

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Weitere Porträts

Drei Innenraumporträts und zwei Familienbilder aus dem Wuppertal waren es – neben den Kleinporträts – , die Peter Schwingen heute einen guten Platz in der Geschichte der Düsseldorfer Malerschule sichern. Damit ist aber die Zahl der Aufträge aus dem Tal noch nicht abgeschlossen. Wiederum aus dem genannten Familienkreis kamen noch drei Porträtwünsche.

Die Porträts der Eheleute Julius Bemberg und seiner Frau Karoline Wülfing (WVZ 34 und 35) sind als Brustbilder und ohne jedes Beiwerk konzipiert und erinnern nicht nur an die Bilder der Kinder-Ehepaare von Peter de Weerth, sondern auch an frühe Bilder des Malers aus der Familie Schmitz. Sie sind vermutlich ebenfalls Ende der 30er Jahre entstanden.Der Auftrag könnte in den ersten Jahren nach der Heirat des Paares 1837 erfolgt sein. Beide Bilder sind noch heute in Familienbesitz. Julius Bemberg war der Sohn des berühmten J. P. Bemberg (1758-1838), der dem späteren Weltunternehmen seinen Namen gab. Johann Peter Bemberg starb 1838 und der Sohn übernahm das Geschäft, das zur anderen Hälfte Friedrich Platzhoff, dem Schwiegersohn von J. P. Bemberg, Ehemann der ältesten Tochter Therese Bemberg (1794-1858), gehörte. Julius Bemberg, geboren 1804, starb schon 1847. Seinen Anteil an der Firma erbte nach dem frühen Tod ihres Mannes Karoline Bemberg. Er wurde von ihrem Schwager verwaltet, der damit die Leitung des gesamten Unternehmens J. P. Bemberg übernahm. Karoline wohnte in einem großen Haus an der damals Vikarie genannten Straße an der Ecke zur heutigen Bembergstraße. Sie war eine energische und umtriebige Frau, die ihr Vermögen gut anlegte. So kaufte sie im Jahre 1861 die Güter Flamersheim und Ringsheim und baute das kleine Barockschlösschen in Flamersheim zu einer Art mittelalterlicher Burg um, auf der ihre Nachfahren noch heute leben. Diese wurden 1884 geadelt und erhielten den Namen „von Bemberg-Flamersheim“.149

Schließlich ist aus Unterbarmen noch der Auftrag eine Bildes aus dem Jahre 1855 bekannt, das Frau Heseler darstellt (WVZ 103), aus der Familie des Besitzers einer Türkisch-Rot-Färberei ebendort. Das Bild trägt die wesentlichen Merkmale der Schwingen-Porträts der „Spätzeit“ routinierte Malweise, eine sachlichen Darstellung ohne Beiwerk, bei den Damen fast immer Korallenschmuck als Halskette, Armband und/oder Ring. Spitzenbesatz am Kleid eher sparsam verteilt. Das Gesicht ohne Schmeichelei, wenn wohl auch nicht gerade Hässlichkeit hervorkehrend. Die Darstellung ist zwar repräsentativ aber keine Schaustellung wie bei manchen Bildnissen von Sohn. Ein Bild ohne besondere Inspiration, aber noch immer im oberen Qualitätsbereich der Düsseldorfer Porträtkunst. Dargestellt ist die Frau von Friedrich Wilhelm Heseler sen. Ihr Mann war Besitzer einer Türkisch-Rot-Färberei zunächst in Elberfeld an der Kluse, später in Barmen an der Haspeler Straße.150 Wenn hier auch wahrscheinlich keine Familienbeziehungen eine Rolle spielten, so ist doch festzuhalten, dass die Bembergs, die Wülfings und die Heselers aus der gleichen Branche kamen.

Zu den späteren Bildern gehört auch das im Schwelmer Museum Haus Martberg ausgestellte Bildnis des Schwelmer Kaufmanns und Schlossfabrikanten Johann Daniel Bever (1790-1860), das erst 1857 entstand (WVZ 107). Das Brustbild erinnert an Kolbe und demonstriert eine routinierte Malerei auf hohem Niveau. Die Firma war bereits 1809 in Elberfeld gegründet worden. 1820 nahm mit Daniel Bever als Teilhaber die Eisenhandlung Schaeffer & Bever in Schwelm ihre Tätigkeit auf, die sich 1843 mit der Elberfelder Gründung vereinigte und seitdem den Namen Bever & Klophaus trägt. Erst jetzt ging man von Handel zur eigenen Schlossfabrikation über. Bever war von 1836 bis 1860 auch Meister vom Stuhl der Schwelmer Freimaurer-Loge. Er war Mitglied des Frankfurter Vorparlaments (als Vertreter der Stadt Schwelm), das bereits in der Paulskirche tagte.

Neben den Innenraumporträts, die vor allem Schwingens Nachruhm begründeten, hat er nicht nur in dieser späten Zeit, sondern auch vorher bedeutende Bildnisse eher konventioneller Konzeption gemalt. Immer wieder ist der Familienkreis im Bilde festgehalten. Neben dem Vater (WVZ 26) die Großmutter (WVZ 64), die in kräftigen Pinselstrichen und durchaus moderner Auffassung an ähnliche Porträts Waldmüllers erinnert. Zu dieser Großmutter hatte der Maler bekanntlich ein sehr persönliches Verhältnis. Anlässlich ihrer Beerdigung 1849 war er zum letzten Mal in Godesberg.

Seine erste junge Frau (WVZ 7, 36 und 37) und deren Geschwister (WVZ 5, 6) sind ebenso vertreten, wie die zweite Frau Sophie Zecher (WVZ 89). Von den Kindern wurde der Sohn Philipp in einem kleinen Bildchen porträtiert (WVZ 85). Es ist anzunehmen, dass Schwingen auch bei den Kinderbildern und den Genrebildern immer wieder auf die Modelle seiner eigenen Familie zurückgegriffen hat. So bleiben grundsätzlich die Übergänge fließend. Das vermutlich 1852 entstandene Bild „Die Weinlaube” (WVZ 93) ist, ohne dass man eine Gewichtung des einen oder anderen Elementes eindeutig vornehmen könnte, Genrebild und Porträt des Düsseldorfer Hoteliers Stelzmann zugleich. Stelzmann und seine Frau sind auch als gute Brustbilder vertreten (WVZ 117, 118). Der Düsseldorfer Bankier Christian Gottfried Trinkaus wurde 1854 porträtiert (WVZ 99). Ein konventionelles Porträt, gekonnt gemalt und dadurch auffallend, dass der Abgebildete in der rechten Hand lässig eine Zigarre trägt. Ein Pendant zu diesem Bild stellt vermutlich Frau Trinkaus dar (WVZ 109).

Eine Legende rankt sich um die Bilder der Schwägerin von Peter Schwingen, Petronella Schmitz (WVZ 52 und 53). Diese gebar am 30. Oktober 1852 einen unehelichen Sohn Emil Hubertus Pius Schmitz, später Friseur in Düsseldorf. Das in der Familie verbreitete Gerücht verkündete eine Vaterschaft von Schwingens Freund Lachenwitz. Jedenfalls kannte dieser ebenso wie sein Freund Peter die junge Frau. Der Düsseldorfer Heimatforscher Dr. Schmitz-Porten, ein Enkel des Emil Schmitz,151 kommt allerdings zu der überraschenden These, auch Schwingen könne der Vater gewesen sein. Dafür sprechen die Porträts und dass ein Sohn Schwingens aus erster Ehe später als Trauzeuge bei der Heirat des Emil Schmitz aufgetreten ist. Allerdings war dieser ja auch als Vetter (und nicht nur als evtl. Halbbruder) ein geeigneter Kandidat für das Amt. Heute können wir dieses Geheimnis nicht mehr lüften. Der Bruder der Petronella wurde ebenfalls porträtiert (WVZ 6). Das Bild – heute im Kunstmuseum im Ehrenhof Düsseldorf – zeigt auch für diese frühe Zeit und in seiner fast naiven Auffassung die hohe Bildniskunst des jungen Malers. Sie wird durch die erst kürzlich wieder bekannt gewordenen kleinen Porträts aus dem Besitz der Familie Hieronymus Arbeiter eindrucksvoll bestätigt.

Hervorzuheben ist unter den konventionellen Bildnissen noch „Die Dame mit Spitzenhäubchen” (WVZ 116) als Werk in dem Schwingens Porträtkunst auch bei dieser weniger originellen Auffassung einen besonderen Höhepunkt erreicht. Ob es sich bei diesem Bild um ein Porträt der Mutter von Eduard Bendemann handelt, bleibt als Frage.

Ab Mitte der 50er Jahre überwiegen die Porträts im Schaffen des Malers. Sie sind in der Regel sorgfältig gemalt und entsprechen dem Standard der Düsseldorfer Schule. Genrebilder werden nur noch gelegentlich und oft als Kopien früher entstandener Werke geschaffen. Auch die späteren Kinderbilder des Malers – in der Regel Auftragsbilder – entsprechen dem, was die Eltern gern sehen wollten. Schön und lieblich anzusehen, oft prächtig gekleidet, ist den Kindern die fröhliche Naivität der frühen Arbeiten vergangen.

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Kinderbilder

Eines der ersten Bilder Schwingens hatte zum Thema „Jesus der Kinderfreund“ (WVZ 1). Es ist nicht überliefert und wahrscheinlich in der Zeit vor seiner Ausbildung in Düsseldorf entstanden. „Schwingen der Kinderfreund“ wird man später formulieren dürfen.

Die Kinderbilder Schwingens finden früh Beachtung. Die kleinformatigen Skizzen mit dem Motiv „Martinsabend“ (WVZ 19-24) stellen den ersten größeren malerischen Erfolg des jungen Malers dar. Im Jahr 1837 werden gleich vier Fassungen produziert. Auch in späteren Jahren wird das Motiv leicht abgewandelt immer wieder gemalt. Das Thema ist altem rheinischem Brauchtum entnommen und stellt die Laternenumzüge der Kinder am Martinstage verbunden mit einem Bettelsingen um Früchte und Süßigkeiten dar. Die Umzüge erinnern an den Frankenheiligen Martin von Tours und an seine Mildtätigkeit. Die alte Dorfkirche des Schwingen-Geburtsortes Muffendorf ist dem Heiligen Martin geweiht. Die Fassungen im museum kunst palast, Düsseldorf und im Stadtmuseum Düsseldorf verlegen denn auch das Martinssingen in ein dörfliches Umfeld (WVZ 19, 20). Der Blick auf das offene Schmiedefeuer im Hintergrund, ein Versatzstück, das später auch in dem Gemälde „Der Lotteriejude“ (WVZ 67) wiederkehrt, könnte die dem Geburtshaus von Schwingen gegenüber liegende Dorfschmiede andeuten. Andere Fassungen verlegen den Martinszug in die Düsseldorfer Altstadt mit Lambertuskirche oder Jan-Wellem-Denkmal (WVZ 21, 22). Das Thema Martinsabend wurde in Düsseldorf bereits 1834 von Adolf Schrödter, später auch von Geselschap, Knaus und Toussaint aufgegriffen und wird bis in die Gegenwart immer wieder abgewandelt und abgehandelt.

Die Lebendigkeit der Schwingen’schen Darstellung lässt im Gegensatz zu manchen Versuchen anderer Maler das eigene Erleben des Künstlers aus der Muffendorfer Jugendzeit deutlich nachklingen. Die überwiegend in gelb-braun-roten Tönen gehaltenen Bildchen beeindrucken nicht nur durch die Natürlichkeit und Ursprünglichkeit der Darstellung, sondern auch durch Farbgestaltung und Lichtführung. Die Laternen, teils ausgehöhlte Rüben und Kürbisse, leuchten mit den fröhlichen Kindergesichtern und dem der laut singenden Mutter um die Wette. Das Schmiedefeuer wird in anderen Versionen durch ein hell erleuchtetes Fenster oder durch von links einfallendes Mondlicht ersetzt. Die Werkserie stellt wichtige Beispiele für eine ganze Reihe von Kinderbildern des Peter Schwingen vor.

Diese Kinderbilder zeichnen sich – wie auch der Martinsabend – dadurch aus, dass der Eigenwert der Welt der Kinder deutlich wird. Sie wird mit den Augen der Kinder und nicht aus der Perspektive der Erwachsenen gesehen. Die Überlieferung, dass Schwingen seine Kinder in einem selbst gebastelten „Bollerwagen“ (Handwagen), gezogen von einem Ziegenbock, durch Düsseldorf gefahren habe, könnte zutreffen und belegen, dass Schwingen auch als Erwachsener die kindliche Freude und Naivität nicht verloren hatte. (Einen solchen Kinder-Handwagen finden wir auch in einer Karikatur von Henry Ritter in den Düsseldorfer Monatheften. Diesmal allerdings gezogen von einem preußischen Offizier !). Der Martinsabend von Schwingen wurde später auch als Radierung verbreitet (Sonderland, 1849).

Schwingen knüpft mit weiteren Kinderbildern an die erfolgreiche Serie an. Ebenfalls 1837 entsteht das Bild etwas größeren Formats „Stilles Gedenken oder Gebet zweier Kinder am Gedächtnistage ihres vom Blitz erschlagenen Vaters am Eichenstamme” (WVZ 43). In naiver Auffassung sind die Kindergestalten entwickelt. Die „Geschichte” ergibt sich allerdings nicht aus dem Bild, sondern vollständig nur aus dem erläuternden Titel.

1842 kommt mit „Die Kinder pflegen ihren kranken Hund” (WVZ 65) wieder ein Meisterwerk auf den Markt. Schwingen hat das Bild in zwei Formaten gefertigt, wohl eine Fassung für den Verkauf und eine für Ausstellungen. Auch in späteren Bildern hat der Maler Kinder in Verbindung mit Tieren abgebildet. Besonders gut ist ihm diese Kombination mit dem in einer Hundehütte schlafenden Jungen gelungen, der Hund im Vordergrund bewacht seinen Gast aufmerksam (WVZ 97, 98). 1853 zeigte Schwingen dieses Bild auf der Permanenten Kunstausstellung im Gartensaal des Elberfelder Casinos in zwei Fassungen152. Das 1848 entstandene Bild „Mädchen und Katze“ (WVZ 84) spielt ebenfalls in ländlicher Umgebung.

Von diesen bescheidenen kinderfreundlichen Darstellungen weicht ein Kinderbild für den Elberfelder Kaufmann Ernst Eugen de Weerth zwar ab (WVZ 115), weil der Maler nicht riskieren konnte, den Reichtum und die Besonderheit des Auftraggebers zu ignorieren, trotzdem bleibt es ein Schwingen-Kinderbild. Es entstand vermutlich Mitte bis Ende der 50er-Jahre. Ernst Eugen de Weerth (1807-1869), der als Rentner in Elberfeld lebte, wollte seine Kinder aus zweiter Ehe, Ernst Artur (1845-1875), Clara (1846-1931) und Artur Karl (1848-1906) abgebildet wissen. Schwingen zeigt sie mit ihrem Hunde spielend und greift damit ein beliebtes Thema seiner Genrebilder, Tier und Kind, im Kinderporträt auf. Ernst Eugen de Weerths erste Frau war Maria Konstanze Peill. In zweiter Ehe heiratete de Weerth Selma Wilhelmine Steinkauler. Die Familie Steinkauler stammte aus Hückeswagen. Sie hatte später im Bergischen Mülheim eine Seidenfabrik. Der Vater von Selma Wilhelmine heiratete dann in die Familie Zanders ein, die in Bergisch-Gladbach die Papierindustrie begründete.

Da das Bild nicht signiert ist, sollen hier Bildgeschichte und Familiengeschichte in ihrem Zusammenhang etwas ausführlicher dargelegt werden. Von den dargestellten Kindern heiratete Clara de Weerth den Baseler Johann Kaspar Hieronymus (Jerôme) Noetzlin, eigentlich Noetzli, der über den Anteil seiner Frau „Mitbesitzer“, nachdem er etwa 1880 den Anteil von Ernst Arthur de Weerth erworben hatte, geschäftsführender Gesellschafter der Firma „de Weerth & Co.“ in Elberfeld wurde. Ernst Arthur de Weerth zog sich aus der Firma zurück. Noetzli kam ebenfalls aus der Textilindustrie und hatte u. a. für französische Firmen gearbeitet. Er war 1905 Vorstandsmitglied des Elberfelder Museumsvereins. Das dritte der abgebildeten Kinder, Artur Karl, erwarb ein Rittergut in Bayern und damit 1891 den bayrischen Freiherrn Stand. Die Großmutter des heutigen Eigentümers, Margarete geb. Noetzlin, war ebenso wie Helene von Goetzen geb. Noetzlin, Ehefrau des Elberfelder Kaufmanns Hermann von Goetzen sen., eine Tochter von Clara und Jerôme Noetzlin. Das Bild wurde von Margarethe aus dem Nachlass von Inga von Arnim geb. Frowein, der geschiedenen Frau von Hermann von Goetzen jun., erworben.153 Aus dem Besitz des Familienzweiges von Bemberg derselben Eigentümerfamilie ist das Genrebild „Mädchen am Brunnen“ (WVZ 127) überliefert. Wir bleiben im Familienkreis.

Sehr ähnlich in Struktur und Malweise ist das repräsentative „Bildnis eines Knaben“ von 1862 (WVZ 112). Dieser trägt einen kleinen Degen an der Seite und die typischen roten Korallenknöpfe am Kragen. In Fotografierpose stützt er seine rechte Hand auf ein Tischchen. Dahinter ist eine Blattpflanze zu erkennen. Der konventionelle Aufbau wird durch die souveräne Malerei überspielt. Auch hier handelt sich vermutlich um ein spätes Auftragsbild aus dem Wuppertal.

Als Kinderbilder dieses Typs sind noch das „Mädchen mit Blumen“ (WVZ 126) und das „Mädchen in Weiß“ von 1858 (WVZ 108) zu nennen. Auch diese Bilder, wahrscheinlich Auftragswerke, können wir zu den späten Kinderbildern des Malers zählen. Das gilt ausweislich der Signatur auch für das „Mädchen in Weiß“. Hier sehen wir ein Mädchen im Alter von sechs bis acht Jahren. Die großen dunklen Augen des Mädchens blicken den Betrachter interessiert und freundlich an. Vom Stil und Eigenart der frühen Kinderbilder ist nicht mehr viel geblieben. Schwingen hat sich deutlich an die Salonmalerei der Zeit angepasst. Dennoch haben diese Werke den eigenartigen Charme der frühen Porträts nicht verloren.

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Genrebilder

Genrebilder im engeren Sinne bilden einen wesentlichen Teil des Schwingen’schen Oeuvre. Wir finden neben meist kleinformatigen eher romantischen und stillen Szenen wie „Frau mit ihren Kindern im Torbogen” (WVZ 45, 46), „Die Winzerin” (WVZ 48, 49) und „Versperzeit am Sonntage” (WVZ 29) oder konventionellen und typisch Düsseldorfer Themen wie „Die Leserin” (WVZ 12), „Der ertappte Liebesbrief” (WVZ 11) usw. prachtvolle Inszenierungen dörflichen Lebens.

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Dorfbilder

Die „Vesperzeit am Sonntage“ (WVZ 29) Schwingens entsteht schon 1837. In der „guten Stube“ sitzen zwei Alte in sonntagnachmittäglicher Ruhe. Der Bohnenkaffee, den es wahrscheinlich nur sonntags gab, wird vorbereitet. Eine Dröppelminna wird ihn aufnehmen. Der Alte liest in einem großen Buch. Es könnte eine Bibel sein, was der Feier des Tages entsprechen würde. Ein typisches Sujet der Düsseldorfer. 1851 hat der Godesberger Maler Paul von Franken, der um diese Zeit in Düsseldorf lebte und 1849 Trauzeuge bei der zweiten Heirat Schwingens gewesen war, eine Version des Bildes gesehen. Er versucht sich an dem gleichen Thema. Seine „Häusliche Szene“ ist jedoch eine Karikatur. Die sonntägliche Ruhe der Alten, eindeutig in Anlehnung an Schwingen dargestellt, zu denen sich eine jüngere Familie mit zwei Kindern gesellt hat, wird durch hereinstürmende Hunde gestört. Die Hunde gehören einem Jäger, der in der Haustür mit einem Mädchen schäkert und das angerichtete Unheil nicht zur Kenntnis nimmt. Die Hauskatze flüchtet fauchend auf die Schulter der Alten. Die Kaffeemühle fällt zu Boden. Die kostbaren Kaffeebohnen werden im Zimmer zerstreut. Ein grün glasierter tönerner Krug geht zu Bruch. Mit einem hölzernen Löffel versucht die Frau, sich eines Hundes zu erwehren. Der Alte bedeckt erschreckt seinen Folianten mit den Händen, um ihn zu schützen. Die Kinder blicken entsetzt auf das Geschehen. Mit dem Bild wollte sich Franken wohl auch von der Düsseldorfer Genremalerei verabschieden.154

1839 ist Schwingen mit einem Bildchen des ländlich-bäuerlichen Typs auf der ersten Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins vertreten. Ernst Weyden schreibt in der Kölnischen Zeitung „Ein gut durchgeführtes und vielen Fleiß verrathendes Bildchen ist die Spinnerin155 von Schwingen in Düsseldorf (WVZ 46), wie denn überhaupt was die Erfindung betrifft, die meisten deutschen Genrebilder an Gediegenheit des Gedankens vor vielen belgischen den Vorzug verdienen und wir ihnen unbedingt den Preis zuerkennen würden, wenn sie nur alle mit jener Meisterschaft und Frische gemalt wären, durch welche die flämische Schule vorzüglich fesselt.“156

1841 ist dann als erstes einer sozialkritischen Serie von Dorfbildern „ Die Weinprobe“ (WVZ 55) entstanden. Der Titel „Die Weinprobe”, legt eine fröhliche Männerrunde in der bekannten Art Hasenclevers nahe. Bei Schwingen ist das aber anders. Er stellt Verkaufsverhandlungen dar. Füssli beschrieb 1843 das Bild wie folgt: „Der Fuhrmann versucht das Getränk, man spricht über Qualität. Auf der Treppe des in malerischer Holzkonstruktion gebauten Hauses beobachten weibliche Hausgenossen und Kinder des Bauern, was unten vorgeht. Die Tochter mit dem Milchbecken an der Hand, eine graziöse Figur, die Kinder muntere Wesen. Im Ganzen viel Bewegung, nirgends Leerheit, nirgends Überladung, alle Teile mit Sorgfalt ausgeführt.“ Die Vermarktung war schon seit dem Anfang der 30er Jahre das Hauptproblem der kleineren und mittleren Winzer an Mosel, Ahr und Rhein. Der Zollverein Preußens mit Hessen und der Pfalz erleichterte die Konkurrenz der südwestdeutschen Weine. Die Not der Winzer war es denn auch, durch die Kinkel/Marx und andere erstmals näher mit den sozialen Problemen ihrer Zeit und ihrer Heimat konfrontiert wurden. 1843 schrieb Georg Weerth das Gedicht „Der Wein ist nicht geraten“. Das Thema blieb aktuell. Schon 1842 war die erste Fassung des Bildes verkauft worden. Schwingen hat dann wohl weitere Fassungen gemalt, jedenfalls wird eine Weinprobe 1847 bei Tonger in Köln ausgestellt (WVZ 80). 1854 beschreibt Wolfgang Müller von Königswinter in seiner Darstellung der Düsseldorfer Malerschule eine ähnliche Weinprobe Schwingens, wahrscheinlich die zweite Fassung.

Schwingen kannte diese Probleme aus der eigenen Familie und aus dem eigenen Dorf. Eine spätere weitere Wiederholung des Themas (Die Weinlaube) stellt 1852, nach dem Scheitern der Revolution, allerdings nicht mehr die Not der Winzerfamilie, sondern den Weingutbesitzer bei einer Weinprobe ins Zentrum. Es ist der Düsseldorfer Hotelier Stelzmann (WVZ 93).

1842 bis 1844 entstehen in dichter Folge, Schwingen ist noch Schüler der ersten Klasse der Akademie, „Der Lotteriejude” (WVZ 67), „Das große Los” (WVZ 68), „Der Schmaus nach Gewinn des großen Loses” (WVZ 70) und das „Preisschießen um ein fettes Schwein”(WVZ 72, 73). Das ganze ist eine figurenreiche Dorfgeschichte. Mit den Preußen kam auch die Preußische Klassenlotterie ins Rheinland. Der jüdische Viehhändler (in Muffendorf gab es mehrere) ist auch gleichzeitig Losverschleißer. Er überredet den Schmied und seine skeptische Frau, ein Los zu kaufen.157 Das Wunder geschieht, das Los gewinnt. Vor Überraschung hat der Schmied den Hammer auf die Erde fallen lassen. Der Losverkäufer erscheint persönlich, um den Gewinn zu überbringen: ein Junge trägt einen prall gefüllten Geldsack. Die Sache spricht sich herum, ein Fest ist fällig. Das halbe Dorf ist anwesend.158 Gottfried Kinkel, der den Muffendorfer Maler wahrscheinlich auch persönlich kannte, schrieb in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“: „Höchst lustig ist auch Schwingens (aus Godesberg) ,Schmaus nach dem Gewinn des großen Looses‘, gleichsam die Fortsetzung der beiden sehr artigen Lotteriebilder welche wir im vorigen Jahr in Köln sahen. Man sieht, die Leute waren arm, aus allen möglichen Formen von Gläsern trinken sie, wie sich alter Hausrath im Lauf der Jahre bei ihnen angesammelt, aber der glückliche Bauer hat sich einen braunen Frack mit langen Schößen eigens auf den Leib machen lassen, um die Honoratioren des Örtchens ehrbar zu Gast bitten zu können. Eben tritt sein Bruder im blauen Kittel mit seiner Familie ein, der das Glück noch nicht begreifen kann und weit durch den Schnee hergelaufen ist, um sich zu überzeugen. Der Reiche empfängt die armen Verwandten so herzlich – gewiss, er ist ein herzensguter Mann und wird's bleiben und sein Geld gut anwenden.”159 Das „Kunstblatt“ berichtete über die Münchner Ausstellung 1845: „Schwingen in Düsseldorf hat ein gelungenes heiteres Bild ,der Schmauss nach dem Gewinn des großen Loses‘ geliefert.“160

Wilhelm Füssli würdigt 1843 in seiner ausführlichen Darstellung der Kunst am Rhein auf zwei Seiten den jungen Maler. Er erwähnt die Bilder „Jude, der mit einem Weinbauern um ein Fass Wein schachert“, ferner „Das große Los“, „Die Kinder, die den kranken Hund pflegen“ und berücksichtigt auch, allerdings nur pauschal, die Porträts. Dazu heißt es; „individuelle Auffassung, natürliches Incarnat, frische Tinten, gute Modellierung“.161

Schon im darauf folgenden Jahr treffen wir einige der Dorfbewohner wieder beim Schützenfest, beim „Preisschießen um ein fettes Schwein”. Schwingen hat auch diese heitere Dorfszene gleich doppelt gemalt, eine größere Fassung für die Ausstellungen und eine kleine für den hoffentlich bald eintreffenden Käufer. Wieder sind Nachbarn und Freunde aufgeboten. Diesmal steht im Mittelpunkt in der schon bekannten Gewinnerpose der Schützenkönig, dem als Preis ein fettes Schwein winkt, das schon von einem Jungen herangeführt wird. Der Durchblick gibt eine rheinische Landschaft mit Kirche und Rhein als Hintergrund frei. Wir kennen sie aus anderen Bildern, z. B. der Frau mit ihren Kindern im Torbogen. Wolfgang Müller von Königswinter schrieb in der „Kölnischen Zeitung“ zu dem in Düsseldorf 1844 ausgestellten Bild „Preisschießen um ein fettes Schwein“: „Das Preisschießen um ein fettes Schwein entbehrt des Humors, welchen dieser Künstler gewöhnlich seinen Bildern zu geben weiß, aber es ist auch freier von der wenig edlen Auffassung der Gegenstände, welche ihnen in gleicher Weise eigen zu sein pflegt“.162 Wir erkennen deutlich den Unterschied in Ton und Urteil gegenüber Kinkel. Die mosernden Stellungnahmen Wolfgang Müllers haben dann lange Jahre das Urteil über Schwingens Werke geprägt.

Alle diese und andere Szenen, einige sind leider verschollen wie „Der Besuch des reichen Oheims” (WVZ 74) und „Die geizige Bauersfrau“ (WVZ 91), beruhen auf der genauen Beobachtung der dörflichen Welt, sie sind Berichterstattung, Realismus nicht als Stil sondern als Inhalt. Die Themen sind der Erfahrung des jugendlichen Künstlers im heimischen Muffendorf entnommen und gewinnen dadurch eine in der Genremalerei der Düsseldorfer Akademie seltene Authentizität.

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Vor der Revolution

Der Titel „Besuch des reichen Oheims“, wirft bereits ein Schlaglicht auf die sozialen Verhältnisse – wie ja auch „Die Weinprobe”, „Das große Los“, „Die geizige Bauersfrau“ und der „Schmaus nach Gewinn des großen Loses“ das Thema Arm und Reich ansprechen. Für Schwingen mussten die sozialen Themen nicht modern werden, es war seine Welt, die er malte. Freilich, mit dem Herannahen der Jahrhundertmitte werden die Darstellungen kritischer. „Die Pfändung“ (WVZ 75) und „Das nicht versteuerte Brot“ (WVZ 78) erregen Aufsehen. Für alle sozialkritischen Bilder unseres Malers gilt, dass sie eine kritische und politische Interpretation zulassen, aber nicht aufzwingen. Schwingen ist kein Tendenzmaler in dem Sinne, dass ohne die politische Aussage das Werk seinen Wert einbüßt. Im Vergleich mit dem Gesamtwerk ist die Zahl dieser Bilder gering. Sie haben aber zu Recht die Stellung des Malers in der Kunstgeschichte nachhaltig geprägt.

Mit der Pfändung gelang Schwingen ein Klassiker. Kinkel sah das Bild 1845 in der Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins und schrieb: „Nach der Seite des ideenvollen Genres sehen wir nun mehrere Bilder unserer Ausstellung auf einem neuen Wege, den im vorigen Jahre Karl Hübner mit seinen schlesischen Webern zuerst betrat. Diesmal gehören dahin desselben Malers Jagdrecht und Forstrecht und Schwingen’s Pfändung und in gewissem Maße auch Richter’s Flucht vor der Wassernot. Es ist in diesen Werken die Saite angeschlagen, die eben jetzt in allen Herzen bang oder fröhlich, aber immer laut wiedertönt; es ist die Not des Proletariats gegenüber der Härte der Besitzenden und des Gesetzes oder gegenüber den zwingenden Notwendigkeiten der Natur. Aus der milden Idylle springt somit das Genre in das lebhafteste geschichtliche Interesse um; ein Neues unserer Zeit entsprechendes ist hier gefunden, wie es früher nur entfernt von den Malern des niederländisch-spanischen und des dreißigjährigen Krieges in gräßlichen Plünderungs-Scenen versucht worden ist, und diese Neuheit hat denn auch jenen Bildern alsbald die heißeste Teilnahme zugewendet. Düsseldorf behauptet das Verdienst dieses großen Fundes, obwohl selbst Hübner anfänglich durch fremden Rath auf jenen schlesischen Stoff gestoßen worden ist; auch erinnere ich mich, schon 1837 im Museum in Lyon ein derartiges socialistisches Bild von einem jungen französischen Künstler gesehen zu haben, das der Schwingen’schen Pfändung im Stoffe nahe verwandt war. Mit Liebe und Bewußtsein scheinen jetzt nur Düsseldorfer diese Richtung zu pflegen, welche leicht eine große Zukunft gewinnen möchte. Auch in technischer Hinsicht, wie denn stets ein tüchtiger Gehalt zugleich Auffassung und Malweise hebt, zählen wir übrigens diese Stücke getrost zu den erfreulichsten der ganzen Ausstellung.“163

In der Einzelbesprechung der Bilder fährt Kinkel fort: „Die Pfändung von Peter Schwingen. Das derbe Talent des noch jungen Malers, der in rastloser Anstrengung und Aufopferung das Recht erkaufte, den Pflug mit dem Malstock zu vertauschen, tritt hier schon viel tüchtiger und geschlossener hervor als in seinen früheren lustigen Lottrieloosbildern. Schwingen stammt selbst aus dem Volke, das kommt ihm in seinem Fache zu Gut; er hat weniger Poesie als Hübner, aber an deren Stelle ein scharfes Auge für die barocke Prosa des Volksthums. Hier sehen wir einen feisten, und wie ein rheinischer Küfer sagen würde, weingrünen Herrn, der von einem gehorsamen Huissier bei einem armen Schuster das Pfändungsprotokoll anfertigen lässt. Der Ofen ist schon abgebrochen, das beste Hausgeräth in einem Korbe zusammengeschleppt. Der Mann gibt die Hoffnung auf, den Gläubiger zu rühren, der mit richtigem Griff nicht als ein leibhaftiger Satan, sondern als ein platter Bonvivant gefaßt ist. Aber die Frauen lassen noch nicht ab. Das jugendliche Weib des Gepfändeten liegt händeringend zu Füßen des Peinigers, die alte Mutter aber deutet noch viel wirksamer auf das kleinste Enkelkind, das sie im Arme hält. Alle diese Figuren sind saftig gemalt, lebhaft und mit scharfer Naturtreue gefaßt, dabei aber würdig und so edel, als das Volksstück eben gestattet; nur der große Junge vorn, mit dem schreiend weit geöffneten Maul, der mit sehr empfindlicher Derbheit den Kopf gegen die Brüste der Mutter quetscht, ist bäurisch und unter der Schönheitslinie; hinten links in der Werkstatt sieht man dann neben einem weinenden Mädchen den Gesellen wüthend die Ahle erheben; rechts aber erscheinen zwei Gestalten, über die Streit ist. Sind’s bloße Helfer beim Pfänden, warum flüstern sie dann? Gehören sie nicht vielmehr der Familie an und suchen nur den Ofen als das beste Mobiliarstück flink auf die Seite zu schaffen? Hier müßte der Maler deutlicher sein. Errathe ich seine Intention, so hat er das Letztere gewollt, und es ist dann in dieser Selbsthülfe der Armuth wider das Gesetz eine halbwegs versöhnende Episode einflochten. Auf keinen Fall möchte ich im Fell des feisten Herrn stecken – wenn ihm einmal diese Beiden da links und rechts zu Nacht begegnen, wird der Gesell sicher mit derselben Extase, wie jetzt den Pfriemen, seinen Prügel schwingen und der Bursch in der Militärhose ihm eben so kaltblütig secundieren, wie er jetzt den Ofen wegschleppt. Denn das ganze Bild hat sein Ende nicht in sich, es spinnt sich gewiß noch novellistisch weiter – und dies Novellistische hat seine Bedeutung auch noch für ganz andere Leute als diesen dicken Herrn.“164

So Kinkel vor mehr als 150 Jahren. Wir haben bisher nicht herausgefunden, an welche Pfändung aus Lyon Kinkel sich erinnerte. Dass Kinkel damals die „Pfändung“ besonders auffiel, hing auch damit zusammen, dass er an ihrem Beispiel seine theoretischen Vorstellungen von der Genremalerei sehr schön exemplifizieren konnte

Seine Auffassung war, dass die Genremalerei zwar Not, Jammer und Leid schildern müsse, andererseits dabei den Ausdruck des Hässlichen, der Zerrissenheit, d. h. des in Kinkels Sinne Unästhetischen, zu vermeiden habe.165 Die Darstellung des sozialen Elends sei so anzulegen, dass neben Trauer, Verbitterung und Verzweiflung die baldige Aussicht auf eine Umkehr deutlich erkennbar werde. Das Genrebild müsse insofern den Charakter einer reinen Momentaufnahme überwinden und den Betrachter zum Weiterspinnen der Geschichte ermuntern, dessen „novellistisches Interesse“ wecken. Genau dieses hat Kinkel in der Besprechung der Pfändung versucht.

Aus dem Bild heraus lässt sich aber kaum erkennen, dass der reiche Gläubiger und möglicherweise auch andere demnächst in dunkler Nacht die Prügel der Gesellen des Gepfändeten zu spüren haben werden. Man könnte diese „Novelle” als eine Aufforderung zur Revolution interpretieren.

Zu einer weiteren Besprechung von Kinkel in der „Kölnischen Zeitung“ kam es (vielleicht auch deshalb?) nicht. Die erste war wohl auch allzu lang geraten. Außerdem soll es mancherlei Beschwerden gegeben haben, von Künstlern, die sich abqualifiziert oder gar nicht behandelt fühlten. Kinkel führt diese Kritiken und die Kölner Intrige als Grund dafür an, dass er im folgenden Jahr nicht wieder beauftragt wurde, sondern „ein geborener Belgier“ den Auftrag erhielt.166 Entweder wusste Kinkel tatsächlich nicht, dass die nächstjährige Rezension der Kölner Ausstellung von seinem Quasi-Landsmann Wolfgang Müller von Königswinter geschrieben wurde, oder er wollte diesem wegen der gewählten Anonymität mit der Bezeichnung „geborener Belgier“ eins auswischen.

Schwingen packte mit der Pfändung ein europäisches Thema an. Der junge Maler stellte sich in eine Reihe bedeutender Darsteller des gleichen Sachverhalts. David Wilkie, wichtiger Anreger der deutschen Genremalerei, hatte den Stoff zuerst aufgegriffen. Seine Arbeit wurde 1828 durch einen Stich (von A. Raimbach) in Deutschland bekannt. Müller von Königswinter wies Hasenclever auf das Thema hin. Nicht dieser, wohl aber sein Freund Schwingen sprach darauf an. Carl Wilhelm Hübner griff es, nach Schwingens Erfolg, erst 1848 auf und gab ihm dann noch einen ziemlich versöhnlichen Akzent. Danhauser, Fendi und Waldmüller malten eine Pfändung.

Schwingen war sich offenbar des mit dem Thema erhobenen Anspruchs bewusst. Er wählte ein großes Format. Zuerst stellte er das Opus wie üblich in Düsseldorf aus. Dann ging es nach Köln und dort kam es zum Verkauf an Privat für 400 Taler. Das war zwar kein Spitzenpreis, aber immerhin weit über dem Durchschnitt der Düsseldorfer Genremaler. Sofort musste eine zweite Fassung gemalt werden (WVZ 79). Als Schwingen diese etwas kleinere Fassung im Sommer 1847 in Lübeck ausstellt, fordert er einen Preis von 90 Friedrich d` Or. Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen stellt 1845 die erste Fassung und 1848 die zweite Fassung in Düsseldorf aus.

Obwohl dieses Bild die typischen Merkmale Düsseldorfer Genrebilder aufweist: schmale Vorderbühne, expressive Gestik, theaterhafte Szenerie und Lichtführung der „lebenden Bilder“, ist das Opus ein Meisterwerk, das nicht nur im Werke Schwingens, sondern auch in der kritischen Genremalerei der Zeit eines Spitzenplatzes würdig ist. Das Pathos der Darstellung ist nicht aufgesetzt, sondern der Bedeutung des drohenden Existenzverlustes für drei Generationen der Handwerkerfamilie angemessen. Es mag Zufall sein, dass allein die Mutter und die Frau des Schusters durch Kniefall und inständiges Bitten das Unabänderliche abzuwenden suchen. Wir finden allerdings immer wieder auf den Genrebildern Schwingens die Mutter mit ihren Kindern in wichtiger oder dominierender Stellung (Martinsabend, Frau mit Kind im Torbogen, Der Lotteriejude, Das große Los), freilich nicht auf den Barrikaden wie beim zeitgenössischen Delacroix.

Die eindruckvolle Gesamtkomposition wird durch die liebevolle Ausstattung des Bildes mit den Details der dörflichen Wohnstube (einige kennen wir von anderen Bildern, auch von Henry Ritter, aus der ständigen Requisitenkammer der Düsseldorfer Ateliers) nicht erdrückt oder abgeschwächt. Das Bild zeichnet sich durch freudige Farbigkeit aus, die gerade weil sie im Gegensatz zum dargestellten Ereignis steht, Aufmerksamkeit erregt. Obwohl Schwingen auf das Werkstatt-Butzenscheibenfenster nicht verzichtet – wie beim Martinsabend als Durchblick links – kommt diesmal das Hauptlicht von vorn und erhellt scheinwerferartig die Szene, deren Dramatik damit steigernd. Wie Hasenclever gelingt Schwingen eine virtuose Darstellung der verschiedenen Seelenstimmungen der Beteiligten. Schwingen stellt sich mit diesem Bild eindrucksvoll in die Spitzengruppe der sozialkritischen Künstler der Düsseldorfer Schule.

Henry Ritter malt im gleichen Jahr (1845) ein Bild, das in vieler Hinsicht als eine Art Parodie der Pfändung Schwingens gesehen werden kann. Er knüpft gleichzeitig an die Atelierszene mehrerer Düsseldorfer Künstler (Hasenclever u. a. 1836) an. Der Hausherr erscheint im Atelier und fordert den Mietzins ein. Haltung und rote Wangen erinnern stark an den Gläubiger bei Schwingen. Freilich, bei den Künstlern ist nun rein gar nichts zu holen! Leere Weinflaschen zeugen vom Verbleib der Moneten. Jetzt trinkt man Kaffee, raucht und singt ein Lied zur Gitarre. Kostüme von Künstlerfesten liegen umher. Zwei Helfer – wie in Schwingens Bild – oder weitere Gläubiger sehen das Sinnlose des Thuns ein und wenden sich zum Gehen. Auf der Treppe eine Frau mit Häubchen, die wir aus der Atelierszene kennen. Auch manche Requisiten erinnern an Bilder Schwingens. Eine schlüssige Erklärung dafür gibt es nicht. Die drei Künstler sind blond und rothaarig, wie es scheint keine Porträts, wohl aber Karikaturen bekannter Maler. Da sie alle noch kostümiert von einem Umzug oder Kostümfest kommen, könnten sie auch Perücken tragen. Schwingens aktive Mitgliedschaft im „Allgemeinen Verein der Carnevalsfreunde“ und in der Karnevalsgesellschaft „Anti-Musik-Verein“ in Düsseldorf mag hier erwähnt werden. Auch Ritter arbeitete 1845 mit den Carnevalsfreunden zusammen und entwarf für sie ein Ehrendiplom unter dem Motto „Durch!“.167 Im Text hieß es: „Auch wir gehören zu den hoffenden und Vertrauenden; auch wir flüchten unter den Schutz der bunten Kappe; und bergen in der Narrheit die Hoffnung auf das Licht.“ Wir wissen aber letzten Endes nicht, welche Beziehungen es zwischen Schwingen und Ritter gab. Immerhin, das Bild zeigt, dass sie sehr wahrscheinlich bestanden haben.168

Ein weiteres sozialkritisches Bild aus dieser Zeit hat die Mahl- und Schlachtsteuer zum Gegenstand („Das nicht versteuerte Brot“ 1846, (WVZ 78)l. Es ist leider wie so manches andere aus dem Oeuvre Schwingens verschollen.

Müller von Königswinter hat das Bild auf der Kölner Ausstellung von 1846 gesehen. Er beschreibt es in seinem Buch wie folgt: „Seine letzten Bilder sind dagegen sozialer Natur. Hierher gehört zunächst das nicht verzollte Brod (!). Dasselbe ist eine derbe Satyre auf die Schlacht- und Mahlsteuer. Wir sehen nämlich in das Thor einer Stadt. Steueraufseher greifen mit brutalem Ausdrucke ein armes Bettelkind auf, das einen Laib Brot für die Familie vorbei trägt, während Jäger, die sich Rehe nachschleppen lassen und die überdies von Wild strotzenden Taschen umgehängt haben, unbefangen und ungehindert, sogar salutiert von den Dienern des Gesetzes vorbeiziehen. Ob sich dieser Gegenstand nicht besser für die Caricatur eignet, will ich nicht untersuchen.“169 Das Bild wird 1846 in Düsseldorf und in Köln auf den Ausstellungen der jeweiligen Kunstvereine gezeigt. In Köln hat es wahrscheinlich den Maler Wilhelm Kleinenbroich angeregt, sich an dem gleichen Thema zu versuchen.170 Auch bei ihm sehen wir die verfolgte Armut und die reiche Jagdgesellschaft.

In diesen Jahren arbeitet Schwingen anscheinend – allerdings im Einzelnen nicht nachweisbar – als Illustrator an den Düsseldorfer Monatheften mit. Hier finden wir die karikierende Wunschvorstellung der Künstler zu diesem Thema (von W. Camphausen) mit einem schlafenden Zöllner und dick bepackten Hausfrauen und Schmugglern, die die offene Schranke durchschreiten.

Kaum ein Thema interessierte die einfachen Menschen und den Mittelstand mehr als diese als ungerecht empfundene Steuer. An ihrem Aufkommen waren die Kommunen zu 40, später zu 50 % beteiligt, was ihre einfache Abschaffung besonders erschwerte. Schwingen kannte die negativen Folgen der Steuer aus der Sicht des Bauern, der seine Erzeugnisse in der Stadt verkaufen will. In Bonn z. B. wurde die Steuer am Koblenzer Tor erhoben.

Wilhelm Kleinenbroich hat, wie bereits erwähnt, das Bild Schwingens, das 1846 in Düsseldorf und Köln ausgestellt wurde, gekannt. Er greift das Thema auf. Sein „vieldiskutiertes Bild” wird ein großer publizistischer Erfolg. Wir kennen zwar die Reaktion auf die Arbeit Schwingens nicht, man kann aber unterstellen, dass auch er mit diesem Thema ebenso wie mit der Pfändung überregionales Aufsehen erregt hat. Das Bild wurde z. B. 1847 gleichzeitig mit der „Pfändung“ in Breslau gezeigt.171 Damaliger Eigentümer dieser Pfändung war der mit Ferdinand Lassalle seit der gemeinsamen Schulzeit befreundete Baron Hubert von Stücker.

Das folgende Jahr 1847 ist das Jahr besserer Ernten, sinkender Getreide- und Brotpreise und der sich deutlicher abzeichnenden revolutionären Entwicklung in Deutschland. Noch im April hatte allerdings auch der Gemeinderat in Muffendorf als eine Notstandsmaßnahme verbilligten Roggen von der Bezirksregierung übernommen, um ihn an die Bürger weiter zu verkaufen.172 Schon im Jahre 1841 hatte Hoffmann von Fallersleben in den „Unpolitischen Liedern“ geschrieben:

Verspottet nur den Vetter Michel!
Er pflügt und sät:
Einst sprießt die Saat, die keine Sichel
der löblichen Zensur ihm mäht.173

In einem im Vormärz (1847) entstandenen Bild scheint Schwingen das Ökonomische und das Politische dieser Verse miteinander verbunden zu haben. Das bisher unbekannte Bild tauchte Anfang 1997 in der Düsseldorfer Galerie Wilhelm Körs aus Privatbesitz auf. Sein Titel: „Die Heimkehr vom Felde” (WVZ 81) oder, wie es wahrscheinlich ursprünglich hieß, „Die Not ist vorüber“.

Beim Versuch einer Annäherung an das Werk ist man zunächst etwas befremdet, weiß aber nicht warum. Im Bild einige bekannte Figuren aus den früheren Arbeiten Schwingens, die Oma aus der „Pfändung“, die junge Frau mit zwei Kindern aus „Frau mit ihren Kindern im Torbogen“. Herein in die enge Stube aber tritt ein Unbekannter. Ein junger Gott, möchte man sagen. In pathetischer Geste hält er einige abgeschnittene Ähren hoch wie die Fackel einer Freiheitsstatue. In der linken Hand eine Sichel. Die anderen Personen himmeln ihn an. Nur das Baby schläft. So kommt man nicht vom Felde heim! Die bäuerliche Familie ist ja über den Stand der Feldfrucht normalerweise gut unterrichtet, zu triumphaler Gebärde also wenig Anlass. Das wusste auch der Muffendorfer. Im Herbst 1847 soll die Ernte auf den Feldern allerdings auch dort besser als vorher ausgefallen sein. Falsches, typisches Pathos der Düsseldorfer Malerschule? Ähnliche Posen kennen wir aus Schwingens Bildern „Schmaus nach Gewinn des großen Loses“ und „Preisschießen um ein fettes Schwein“, aus Hasenclevers „Arbeiter vor dem Stadtrat“, aus Hübners „Die schlesischen Weber“. Hat der Maler hier einfach einen beliebten Stereotyp in eine nicht adäquate Situation übertragen? Auf den bisher bekannten Bildern Schwingens ist das Pathos nicht aufgesetzt, passt ins Bild. Hier auch? Ja dann, wenn man sich zu einer extensiveren Interpretation entschließt. Sie beruht u. a. auf der Annahme, dass Schwingen ein guter Maler war, der ein falsches Pathos im Bild nicht zugelassen hätte. Im Vormärz gehört er zudem zu den führenden Mitgliedern des „Allgemeinen Vereins der Carnevalsfreunde“, der Vereinigung der liberalen und revolutionären Elite der bergischen Hauptstadt. Was also könnte das Bild sagen wollen?

Der bis dato in Schwingens Bildern unbekannte Jüngling trägt die Zipfelmütze der Bauern und die Kniebundhose des Deutschen Michel. Eine typische Bekleidung der Muffendorfer, zumal wenn sie vom Felde kommen, ist das nicht. Nun, der junge Bauer kommt zwar vom Felde, aber Schwingen könnte eher das politische Feld als den heimischen Acker gemeint haben. Haben der Maler und seine Freunde Texte von Hoffmann von Fallersleben gesungen? Hoffmann gehörte mit zu den Autoren des Liederbuches des Allgemeinen Vereins „Schellenklänge”. Es gab noch viele andere Lieder ähnlicher Tendenz, in denen der beliebte Reim Michel/Sichel dominierte. Schon 1844 hatte die preußische Polizei ein Bild von Wilhelm Kleinenbroich beschlagnahmt, in dem dieser eine Befreiung der an eine Druckerpresse gefesselten närrischen Dichtkunst durch den Helden Karneval darstellte und auch einen „befreiten“ Deutschen Michel zeigte. Auftraggeber war der Allgemeine Verein, dem auch Kleinenbroich angehörte. Ein politisches, wenn auch verschlüsseltes Bild also auch bei Schwingen? Dann wäre es ein gelungenes und nicht ein etwas verunglücktes Genre. Eine verbindliche Interpretation des Bildes gibt es natürlich nicht. Aber in der Möglichkeit auch einer wohl damals noch leichter als heute erkennbaren politischen Deutung lag gerade 1847 der Reiz. Von Schwingen gibt es keine Memoiren oder Briefe. Sein Medium sind die Bilder. 1847 erntet er, so scheint es. Er ist auf der Höhe seines Schaffens und auch finanziell wahrscheinlich nicht schlecht gestellt. Er selbst ist ein Bauernsohn, der mit und durch die Kunst den sozialen Aufstieg, die Freiheit, und sei es nur die des Künstlers, erstrebt. Schwingen könnte sich selbst als den erwachten deutschen Michel gesehen haben. An Selbstbewusstsein mangelte es ihm bekanntlich nicht. Selten klingen in der „Michel“-Literatur und Karikatur damals schon soziale Töne an. Der Maler lässt zumindest diesen Aspekt mit aufleuchten. Für ihn ist der deutsche Michel auch der Bauer, dem es besser geht.

Natürlich kann man das auch alles anders sehen. Schwingen hat beispielsweise auch hier auf die schmutzigen Schuhe des Dörflers nicht verzichtet. Ein bäuerliches Genrebild also doch? Wir wissen, dass der Muffendorfer dazu neigt, seinen Bildern eine „Bedeutung“ über das bloß genrehafte hinaus zu verleihen. Das Genre wird zwar allegorisch überhöht, bleibt aber gleichzeitig Genremalerei, die auch unpolitisch gesehen werden kann. Darin liegt ja nicht zuletzt der Unterschied zwischen etwa Schwingen und der eindeutigen Tendenzmalerei z. B. Carl Hübners oder des Kölners Wilhelm Kleinenbroich.174

So dürfte denn auch Müllers kritische Stellungnahme zur „Tendenzmalerei“ Schwingen am allerwenigsten treffen. Müller schreibt: „Über den Werth und Unwerth der socialen Richtung in der bildenden Kunst sind in der neueren Zeit verschiedene Urtheile laut geworden. Ich kann mich durchaus nicht mit denen einverstanden erklären, welche dieselbe in Bausch und Bogen verurteilen. Auch die alten Niederländer und die Spanier haben ähnliche Stoffe behandelt. Noch mehr ist dies bei dem genialen Engländer Wilkie der Fall. Wohl aber ist es rathsam, möglichst vorsichtig in der Wahl der Gegenstände zu sein, zumal da wir unter den obigen Bildern Stoffe antreffen, welche sich Dank der fortschreitenden Humanität schon heute überlebt habe. Scenen, wie das Jagdrecht von Hübner, werden wohl nicht mehr in dieser eclatanten Schreckhaftigkeit vorkommen, und es wird hoffentlich nicht lange mehr dauern, daß die Schlacht- und Mahlsteuer besteht. Alsdann wird ein Bild wie das von Schwingen durchaus unverständlich sein. Die Gegensätze von Reichthum und Armuth hingegen werden so leicht nicht verschwinden und es lassen sich an dieses Thema ohne Zweifel noch sehr erfolgreiche Variationen knüpfen. Nur handelt es sich darum, die Aestethik nicht außer Acht zu setzen, denn Maaß und Schönheit sind die ersten Bedingungen für den Werth von Kunstwerken. Auch möchte den betreffenden Künstlern zu rathen sein, daß sie zugleich andere dramatische Conflicte behandeln, denn in der Kunst ist das Suchen nach Tendenz gefährlich: Man merkt die Absicht und man ist verstimmt.“175

Wolfgang Hütts These, Schwingen sei „Sozialist“ gewesen, hat, wenn man das Wort mit aller Vorsicht verwendet, manches für sich, lässt sich freilich nicht belegen.176 Er ist Mitglied im „Allgemeinen Verein der Carnevalsfreunde“, hat dort möglicherweise wie manche andere Düsseldorfer Maler seine politische Grundüberzeugung gewonnen. Er gehört zu den Gründern des „Vereins Düsseldorfer Künstler“, in dem wir die meisten Maler aus der Karnevalsgesellschaft wieder finden und der wichtige soziale und wirtschaftliche Aufgaben im Interesse der nichtakademischen Maler wahrnimmt. 1848 begegnet uns Schwingen als aktives Gründungsmitglied des Malkastens, wiederum zusammen mit seinen Freunden und Bekannten aus früherer Zeit. Über seine weitere Tätigkeit dort lässt sich freilich wenig ausmachen. Unter den genannten Vereinigungen ist der Malkasten auch der unpolitischste Verein und seine Gründung markiert eher das Ende denn den Beginn des revolutionären Aufschwungs. Schwingens Rolle in den revolutionären Ereignissen selbst ist unklar. War er – wie viele seiner Malerkollegen – Mitglied der Düsseldorfer Bürgerwehr oder gar Barrikadenkämpfer?177

Wir wollen der Versuchung widerstehen, den Maler vorschnell einer der damaligen oder gar heutigen politischen Richtungen zuzuordnen, und so „den sozialistischen Realismus vorzudatieren” (G. Grass). Jedenfalls hatte Schwingen in diesen stürmischen Monaten zunächst einmal den Tod seiner Frau durchzustehen und sich um seine Kinder zu kümmern.

1849 versucht der Maler noch einmal, an die Erfolge der Muffendorfer Bauernszenen anzuknüpfen. Das Bild „Der Zahnarzt” (WVZ 87), zunächst in Düsseldorf ausgestellt, findet in der Kritik allerdings eine zwiespältiger Aufnahme. Der Rezensent der „Kölnischen Zeitung“ schreibt: „Die Scene spielt in einer Schmiede. Der Unglückliche, welcher operiert wird, hängt mit einem Faden, welcher um den Zahn gewickelt ist, an einer Kette, die wiederum am Amboß ihre Befestigung findet. Ein Knecht zieht die Bälge, und der Schmied holt ein glühendes Eisen aus der Esse, und fährt damit nach dem Munde des Patienten, welcher dann wohl so kräftig zurückzieht, dass der Zahn weichen muss. Eine seltsame Art der Operation, welche in den Handbüchern nicht vorkommt und auf den Universitäten nicht gelehrt wird! Aesthetisch ist die Darstellung gerade nicht, aber man muss doch dabei lachen, und es gibt eine Art von Kunstfreunden, die diesen Genuß suchen.“178 Anschließend ist das Bild wie viele andere nach Köln gewandert. Der dortige Rezensent spricht, ebenfalls in der „Kölnischen Zeitung“, von einer „platten Humoreske“.179 Allerlei verwegene Praktiken des Zahnziehens waren in den rheinischen Dörfern bis ins 20. Jahrhundert hinein geläufig. So wird Schwingen auch diese Szene nicht frei erfunden, sondern aus der Erfahrung in der Muffendorfer Schmiede geholt haben. Leider ist das Werk verschollen, so dass wir uns ein eigenes Urteil nicht bilden können.

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Bedeutung des Werkes

Schwingen hat in seinem knapp fünfzigjährigen Leben zahlreiche Werke geschaffen. Davon lassen sich heute mehr oder weniger eindeutig 130 Bilder nachweisen, wenn auch viele nur noch aus der Literatur bekannt sind. Oft hat Schwingen seine Werke nicht signiert. Immer wieder tauchen unbekannte Bilder des Malers auf.

Lob oder Kritik haben fast immer nur den einen oder den anderen Teil des Werkes betroffen. Genre- und Porträtmalerei standen zu Schwingens Lebenszeiten bei den Akademien und Kunstkritikern nicht in besonders gutem Rufe. Religion, Geschichte oder Literatur – daher mussten die Themen kommen. Damit konnte Schwingen aber nicht dienen. Einzelne Versuche in diese Richtung gerieten denn auch daneben. So heißt es bei Wolfgang Müller von Königswinter: „Von untergeordneter Begabung ist Peter Schwingen“;180 und Rudolf Wiegmann fährt in der gleichen Tonlage fort: „Er ist ein recht fleißiger Künstler, der sich indes nur auf mittlerem Niveau hält.“181 Er bezieht sich dabei ausdrücklich auf die Genrebilder des bäuerlichen und sozialkritischen Typs.

Auch Cohen schließt sich in Bezug auf diese im Grunde dem kritischen Urteil der Vorgänger an. Nur der „Martinsabend“ findet Zustimmung. Seine Neubewertung der Arbeiten Schwingens bezieht sich auf die Innenraum-Bildnisse. Holzhausen hatte als erster einen ziemlich umfassenden Überblick über das Gesamtwerk, das er dann auch gleichwertig positiv beurteilte.

Ergänzend sollen noch zwei neue Stellungnahmen kurz referiert werden. In seiner Dissertation und späteren Buchveröffentlichung hat Wolfgang Hütt (Halle), wie bereits erwähnt, sich gründlich mit Schwingen und einigen seiner Malerfreunde auseinandergesetzt. Er betont besonders die realistischen und sozialkritischen Aspekte des Werkes und will in einigen Düsseldorfern (Schwingen, Hübner, Hasenclever, Kleinenbroich, Köttgen) Vorläufer des kritischen Realismus erkennen. Er hebt hervor: „Schwingens Bildnisse haben durchaus nicht den repräsentativen Charakter wie die Hildebrandts und Sohns. Diesen gegenüber, die im Aufbau noch auf das Barockporträt zurückgehen, bewahrt die Kunst Schwingens eine Leichtigkeit und Freiheit, die in der Düsseldorfer Porträtmalerei etwas wesentlich Neues ist und sie bereichert hat. In einem modernen Gewande setzt er die guten Traditionen des in der holländischen Kunst des 17. Jahrhunderts üblichen Porträts in Innenräumen fort.“182 „Schwingen beherrschte eine ausgezeichnete Maltechnik. Seine Bilder wirken noch heute frisch, ihre Farbenpracht ist ungebrochen lebendig und vermittelt einen imponierenden Eindruck davon, wie er in fast allen seinen Werken den Problemen des Lichts auf der Spur war.“183

Besondere Beachtung finden immer noch die Kinderbilder. Helmut Börsch-Supan schreibt in seiner umfassenden Darstellung der deutschen Malerei von 1760-1879: Die Welt der Kinder..„mit ihren Augen zu sehen, versuchte kaum ein Maler. Besser als Ludwig Richter gelang das in den dreißiger Jahren in vereinzelten Bildern Peter Schwingen und J. P. Hasenclever.“184

Die Stärke Schwingens liegt in Genre wie Porträt im Realismus. Er malte, was er sah, was er kannte, was er gesehen hatte und woran er sich zumindest in dem ersten Jahrzehnten seines Schaffens noch erinnerte. Dass dabei auch soziale Not und Anklage ins Bild gerieten, war nicht überwiegend oder gar ausschließlich Ergebnis ideologischen Nachdenkens, sondern der eigenen Herkunft und des täglichen Erlebens als „armer Maler“. Detailgetreu malt er Umfeld und Umwelt, liebevoll die Menschen, die ihm nahe stehen, Kinder, Familie. In den Auftragsbildern kommen diese Fähigkeiten teils mehr, teils weniger deutlich zum Ausdruck. Auch in ihnen freilich zeigt sich in jedem Falle ein bedeutendes Talent aus dem Volke, dem manches an literarischer und formaler Bildung abgehen mochte, das aber gerade deshalb den Versuchungen des bloß Gedachten, des Konstruierten, des Süßen und überzogen Kritischen nicht erlag – wahrscheinlich, weil er diese Versuchungen gar nicht kannte. „Schwingen ist Wegbereiter eines neuen, sachlichen Realismus, wie es die Frühmeister der Fotografie waren. Von hier aus betrachtet gewinnt sein Gesamtwerk ein ganz neues und neuartiges Interesse. Es ist kein ,großes Reich‘ das Schwingen bestellt hat, aber er gehört zu jenen gar nicht so häufigen Künstlern, die „im kleinsten Punkt die höchste Kraft sammeln“, schrieb Walter Cohen.185

Natürlich ist Schwingen nicht frei von den Eigenarten der Genremalerei des 19. Jahrhunderts. Ute Ricke-Immel schreibt zu Recht im Katalog „Angesichts des Alltäglichen”: „Das Genre gibt kein Abbild der Wirklichkeit, sondern einen Datailrealismus, dessen stückweise Naturaufnahme durch ,poetisches‘ Verschönern des Gewohnten und Alltäglichen überhöht und idealisiert wird”.186

Marina Sitt fährt fort: „Auch Peter Schwingen schilderte Milieus, stets aber liebevoll und neutralisiert..... Nicht die Unabwendbarkeit des Armeleute-Schicksals Mitte des 19. Jahrhunderts ist sein vorrangiges Thema, sondern das spektakuläre, ja bühnenreife Ereignis.”187 Das ist richtig und falsch zugleich. Es verdeckt die Sonderstellung des Muffendorfer Bauernjungen, der in einigen Bildern aus den 40er Jahren – trotz des Vokabulars seiner Schule – eine in der übrigen Düsseldorfer Genremalerei unbekannte Authentizität erreicht. Seine strenge und penible, wenig elegante Malweise unterstreicht das. Schließlich: Im Vormärz glaubte man nicht an die „Unabwendbarkeit des Armeleute-Schicksals“.

Der Muffendorfer gehört aus heutiger Sicht zu den herausragenden Düsseldorfer Malern des 19. Jahrhunderts. In seinem Fach, dem Genre, können nur wenige Maler sein Niveau für sich in Anspruch nehmen: Henry Ritter, J. P. Hasenclever in ihren besten Werken, wer noch?

Die Kunst im Hinblick auf die Bedingungen ihres Entstehens betrachten, so schreibt Helmut Börsch-Supan188, führe zum umfassenden Verstehen. Das gilt ganz besonders für Schwingen, dessen geringe soziale Herkunft auch im 19. Jahrhundert für Künstler durchaus ungewöhnlich war. Zwar galt die künstlerische Betätigung in dieser Zeit als ein Mittel der Befreiung, eine Möglichkeit, aus der durch Stand und Vermögen vorgeschriebenen Ordnung auszubrechen. Peter Schwingen ist diesen Weg gegangen. Seine in der Schwingen-Legende hauptsächlich von Julius Söhn und wahrscheinlich wahrheitsgemäß übermittelten Eskapaden und Extravaganzen können als Versuch gedeutet werden, subjektiv diese Freiheit des Künstlers zu beweisen. Die Grenzen werden am Beispiel Schwingen ebenso klar. Er wurde kein „Malerfürst“, sondern blieb, dem Kleine-Leute-Milieu verhaftet, ein „armer Maler“, der dann wohl auch – wenn man so will als Konsequenz des Scheiterns seiner Aspirationen – dem Rotwein zu stark zugesprochen haben mag. In der sich um die Jahrhundertwende anbahnenden Neubewertung der Düsseldorfer Malerschule konnte Schwingen nur gewinnen. Anständig und ordentlich malen, das konnte er in Düsseldorf erwiesener Maßen lernen, alles andere kam aus der Persönlichkeit des Muffendorfer Bauernjungen.


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7 Stark erweiterte und bearbeitete Zusammenfassung meiner Veröffentlichungen über Peter Schwingen und seine Malerfreunde in den „Godesberger Heimatblättern“ 1994, 1996, 1997 und 2001, in Pia Heckes, Horst Heidermann, Peter Schwingen (1813-1863) – Leben und Werk, Bonn-Bad Godesberg 1995, im Kat. Düsseldorf 1996 und im Lexikon der Düsseldorfer Malerschule. Hingewiesen sei auch auf meine Aufsätze in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins „Romerike Berge“ von 2001 und 2002.
8 Der erste, der sich systematisch mit Leben und Werk Peter Schwingens befasste, war Julius Söhn, Hoffotograf in Düsseldorf und mit einer Enkelin des Malers verheiratet. Söhn legte ein Archiv über Peter Schwingen an. Heute noch die wichtigste Quelle. Weitere wichtige Veröffentlichungen sind: Cohen 1922; Cohen 1924; Cohen 1931; Cohen 1932 I; Cohen 1932 II. Ab 1925 griff Bürgermeister Zander die Anregungen in den Veröffentlichungen Cohens auf und trug wesentlich zur Klärung der Familienbeziehungen Peter Schwingens in Muffendorf bei. Vom Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte, Bad Godesberg und dessen damaligem Vorsitzenden Dr. Haentjes ging nach dem 2. Weltkriege die Initiative zur Wiederbelebung der Erinnerung an den Maler aus. Er gewann Dr. Walter Holzhausen für diese Aufgabe. Holzhausen 1964; Holzhausen 1964 II; Holzhausen 1965.
9 Brief vom 23.1.1914 im Archiv Söhn.
10 Nach Müller-Hengstenberg 1988 werden in einer Description des Capitelshofs von 1597 folgende Ländereien, Weingärten , etc. genannt: „Ahm Ellesdorfer Wegs“, „Auf dem Güg“, „Auf der Höke“ (Weingärten), „An der Lörreswiesen“ (Weingärten), „Langs dem Mittelpad“, „An der Waasemsgasse“, „Auf dem Elsteraug“, „Under dem Fuderbach“, „Am Closterbergh“, „Am Steinweg“, „Am großen Verwachs“, „An der Weßerhöll“. Siehe auch Wiedemann 1930, S.103 und 104. Der so genannte Kapitelshof wird wie viele andere Kirchengüter in Muffendorf am 8.1.1804 (für 5125 frs an P. J. Impekoven) verkauft. Er umfasste damals 1,22 ha Weingärten, 3,9 ha Feld und 10 a Wiese. Ob die Schwingens weiter Pächter blieben, lässt sich nicht feststellen. S. auch Kliesing 1932. Die Jahrespacht betrug nun 210 frs. Maaßen 1899. Der Standort des Hofgebäudes konnte nicht festgestellt werden.
11 Berchen/Velten 1988, S. 131; Jülich 1994.
12 Wiedemann 1930, S. 104 (Anmerkung). Die Heiratsurkunde von Peter Joseph Schwingen und Caroline Nicolai vom 13.11.1810 befindet sich im Archiv Söhn. Bürgermeister Zander hatte sie am 18.1.1932 an Julius Söhn gesandt. Dort auch Sterbeurkunde von Peter Joseph Schwingen vom 29.7.1856 und Sterbeurkunde von Caroline Nicolai vom 17.7.1865.
13 Cohen 1931 (Handschriftliches Manuskript Dr. Walter Cohen für eine Veröffentlichung in den „Düsseldorfer Nachrichten“ vom 18.12.1931. Nachlass Cohen, Stiftung museum kunst palast, Düsseldorf).
14 Die jüngste Schwester von Peter Schwingen, Catharina, war mit dem Schuster Johannes Stings aus Muffendorf verheiratet. Josef Stings ist vermutlich deren Enkel.
15 StA Bonn, Go 317, Schreiben von Heinrich Raaf sen. an Bürgermeister Zander vom 9.5.1925.
16 StA Bonn, Go 10098, Protokolle des Gemeinderates Muffendorf von 1846-1891, Sitzungen vom 15.5.1852 und vom 19.12.1859.
17 Pfarrarchiv Villip, Nr. 248/1831 mit Originalgutachten der Taxatoren Schwingen und Rieck. StA Bonn, Go 317, Käthe Stings schreibt, Vater Schwingen sei Ortsvorsteher gewesen.
18 Strack 1988.
19 Diese Lokalisierung des Geburtshauses ist möglich aufgrund der Sterbeurkunde Nr. 209 1814 der Großmutter Schwingens Anna Maria Völsgen im Bad Godesberger Standesamt und der Karten, die die französische Verwaltung zur Erhebung der Grundsteuer 1811 mit großer Präzision angefertigt hatte. Diese Karten wurden von Herbert Strack weitgehend aufbereitet und geben dem, der sie sorgfältig analysiert, manche Auskunft. 1811 gab es in Muffendorf nur einen Peter Joseph Schwingen, den Vater des Malers, und dieser wohnte Auf der Gassen 95, Katasternummer 912. Strack 1987.
20 StA Bonn, Go 317, Bericht „Peter Schwingen“ von Käthe Stings, Muffendorf, etwa 1925.
21 Kleinpass 1964. Hans Kleinpass danke ich für zahlreiche Hinweise zu Schwingen und zur Schwingen-Rezeption in Bonn und Bad Godesberg.
22 Deutsche Reichs-Zeitung, Bad Godesberg, 21.5.1926.
23 Das Grab ist heute nicht mehr auffindbar.
24 StA Bonn, Go 317, Schreiben von Heinrich Raaf sen. an Bürgermeister Zander vom 9.5.1925.
25 Kleinpass 1996; Heidermann 1997 I; Heidermann 2005.
26 Hütt 1956/95, S. 102.
27 GStA PK, Rep. 76 Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal Angelegenheiten, Ve Sect. 18, Abt. V, Bl. 163-165.
28 Dazu StA Bonn, Pr. 1390. Für zahlreiche Hinweise zum Thema Prinz Wilhelm und Bonn danke ich Dieter Körschner vom Stadtarchiv Bonn.
29 Hansen 1919, S. 3 König Friedrich Wilhelm III. an den Oberpräsidenten v. Ingersleben in Koblenz. Anzeige von der Ernennung des Prinzen Wilhelm zum Generalgouverneur der Provinzen Niederrhein und Westfalen. Berlin 1830 September 24.
30 StA Bonn Pr. 1391.
31 Zum Ablauf des Besuches auch „Zwei Bonner Chroniken (Fortsetzung)“ in: Bonner Archiv. Monatsschrift für die Geschichte der Stadt Bonn hg. von Dr. Felix Hauptmann, 5. Jg., Nr. 2, S. 30/31.
32 Schloss Eggeringhausen, eine Wasserschlossanlage aus dem 17.-19 Jahrhundert, liegt in Anröchte-Mellrich im Sauerland. Freundlicher Hinweis von Herbert Strack. Kleinpass 1994, S. 114.
33 Erzbischof Rainald von Dassel hatte nach der Unterwerfung der Mailänder 1162 durch Friedrich Barbarossa nicht nur die Gebeine der Heiligen Drei Könige, sondern auch die des Bischofs Apollinaris von Ravenna mitgebracht. Die Legende berichtet, dass das Schiff des Erzbischofs bei Remagen nicht weiter fuhr bis schließlich Rainald von Dassel die Reliquie des Heiligen Apollinarius in die damals schon bestehende Martinskapelle auf dem heutigen Apollinarisberg übertragen ließ; nach Dieter Graf, Die Düsseldorfer Spätnazarener in Remagen und Stolzenfels, in: Kat. Düsseldorf 1979, S. 129. Zu den verschiedenen Legenden um den Apollinaris-Berg kritisch Paßmann 1988, S. 20.
34 StA Düsseldorf, Bürgerbuch S. 228.
35 StA Bonn, Go 317. Prof. Dr. Heinrich Herkenne (1871-1948) war von 1920 bis 1927 Pfarrer in Muffendorf. GoHbl. 33/1995, S. 129-131. Dort auch Abbildung eines Porträts des Pfarrers von dem Muffendorfer Maler Peter Themann, heute im Besitz des „Heimatvereins“.
36 Der Mehlweg war die Verbindungsstraße von Muffendorf in Richtung Plittersdorf, heute Theodor-Heuss-Straße. Freundlicher Hinweis von Herbert Strack. Käthe Stings weiß noch zu berichten, dass Schwingen die Bilder „Jesus der Kinderfreund“ und „St. Martinus“ gemalt habe. Sie seien aber ebenso wie ein Selbstbildnis des etwa zwanzigjährigen Schwingen von der Familie vernichtet worden. Dieses erste Selbstbildnis ist später in einem stark beschädigten Zustand von einem Herrn Stings aus Lüftelberg für das Heimatmuseum gestiftet worden. Der Bericht der Käthe Stings aus Muffendorf entsprach demnach weitgehend den Tatsachen.
37 Zur Schulsituation in Muffendorf Küpper 1963, S. 43-47. Dort auch Einzelheiten über die sehr spärliche Ausstattung, die geringe Vorbildung der Lehrer und ihre entsprechende Besoldung. Zu Hasenclevers Schulbildern Soiné 1985.
38 HStA Düsseldorf, Regierungspräsidium Düsseldorf, Präsidialkanzlei, Bd. 1558-1559 (Microfiche) Schülerlisten der Kunstakademie Düsseldorf.
39 GStA PK, Rep. 76 Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, Ve Sect. 18 Abt. V, Vol. III, Bl. 33.
40 GStA PK, Rep. 76 Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, Ve Sect, 18 Abt. V, Vol. III, Bl. 33.
41 Fahne 1837 I. Darauf erwidert Johann Joseph Scotti polemisch. Scotti 1837. Dann wieder Replik von Fahne 1837 II. Schließlich Scotti 1838. Anton Fahne wird übrigens 1850 zusammen mit Ferdinand Freiligrath als Ehrenmitglied in den Malkasten aufgenommen und bleibt es – im Gegensatz zu Freiligrath, der freiwillig zurücktritt – bis zu seinem Tode. Schwingen hat Fahne später auch persönlich kennen gelernt. Beide waren aktive Mitglieder des „Allgemeinen Vereins der Carnevalsfreunde“ und wahrscheinlich auch des „Anti-Musik-Vereins“.
42 Die Studiengebühr betrug in der zweiten Klasse einen Taler im Quartal.
43 Kat. Düsseldorf 1980 I, S. 55, Nr. 241. Felix Mendelssohn-Bartholdy hatte beide „beim Schneidermeister Schmitz“ besucht.
44 Zu Einzelheiten Frohn 2000.
45 1848 stellvertretender Zugführer der Bürgerwehr.
46 Hugo Wesendonck war Sohn eines Kaufmanns aus Elberfeld. Von 1842-1849 Advokat-Anwalt in Düsseldorf. Vorsitzender des „Vereins für demokratische Monarchie“. Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Hauptmann der Düsseldorfer Bürgerwehr. Im Dezember 1849 Emigration in die USA. Dort erfolgreiche geschäftliche Tätigkeit. Best/Weege 1996, S. 356. Ferner einführend Albrecht 1967.
47 Vorstandsmitglied des „Vereins für demokratische Monarchie“. 1848 Zugführer der Düsseldorfer Bürgerwehr. In die preußische Nationalversammlung gewählt. Langjähriger Verteidiger Lassalles und der Gräfin Hatzfeldt. Die Schwester Bloems Käthe heiratete später Heinrich Koester, der mit Ferdinand Freiligrath, Hoffmann von Fallersleben und Hermann Püttmann eng befreundet war. Koester, ursprünglich in Barmen tätig, hatte schon dort dem Kreis um Freiligrath angehört und war an der Barmer Stadtschule auch Lehrer von Friedrich Engels gewesen.
48 Die Reformkonservativen traten für eine konstitutionelle Monarchie ein, Stadtverordneter, 1848 Vorstandsmitglied der „St. Sebastianus Schützenbruderschaft“.
49 1848 Hauptmann der 2. Compagnie der Bürgerwehr.
50 1848 Stellvertretender Chef der Düsseldorfer Bürgerwehr, Hauptmann der 7. Compagnie. Vorstandsmitglied der „St. Sebastianus Schützenbruderschaft“.
51 1848 stellvertretender Zugführer der Bürgerwehr.
52 1848 stellvertretender Zugführer der Bürgerwehr.
53 1848 stellvertretender Hauptmann der Bürgerwehr.
54 1848 stellvertretender Zugführer der Bürgerwehr.
55 HAStK, Nachlass Anton Fahne, Nr. 225.
56 Mitglied des Stadtrates.
57 Fahne 1854, S. 269/70.
58 „Düsseldorfer Zeitung“ vom 18.1.1850.
59 Soiné 1990, S. 125.
60 In der Unterschriftenliste zwecks Beschleunigung der gerichtlichen Untersuchung des Falles Cantador vom 16.12.1848 finden wir in unmittelbarer Nähe der Unterschriften von Hasenclever und Schwingen auch D. Penke. Es dürfte sich um den Wirt handeln, der wahrscheinlich dem „Verein für demokratische Monarchie“ nahe stand oder angehörte. Kat. Düsseldorf 1998, S. 347.
61 Bestvater-Hasenclever 1979, Abbildung 16.
62 Wahrscheinlich die Frau des Bildhauers Dietrich Meinardus (1804-1891). D. Meinardus war Gründungsmitglied des „Künstler-Vereins Malkasten“.
63 Bestvater-Hasenclever 1979, S. 18.
64 Söhn 1966; Kruse 1998, S. 193; Heidermann 2002 Heine.
65 In Düsseldorf gab es einen weiteren Carl Hilgers, den Möbelfabrikanten, der viele Jahre dem Düsseldorfer Stadtrat angehörte. Aufgrund der freundschaftlichen Verbindung zu Hasenclever kann man aber m. E. von der Unterschrift des Malers ausgehen.
66 Lexikon 1998 III, S. 418.
67 Kortländer 1998, S. 47 und S. 55, dort Abbildung des Scherenschnitts von Wilhelm Müller. Das Original befindet sich in der Lippischen Landesbibliothek in Detmold.
68 Der Gewürzhändler Moritz Geisenheimer war Vorstandsmitglied des ersten Düsseldorfer Turnvereins, ebenfalls 1848 gegründet.
69 Reinartz nahm an den Abgeordnetenfesten 1843 und 1845 in Düsseldorf teil und gehörte 1848 dem Vorparlament an. Neben Lorenz Clasen einer der führenden Reformkonservativen. Frohn 2000, S. 283, Anm. 465. 70 Kat .Köln 1998, S. 347.
71 Katalog Köln 1998, S. 347.
72 Herchenbach 1882, S. 47. Max Ebertz war der Inhaber des Gasthauses „Prinz von Oranien“ am Burgplatz 12. Ebertz war Mitglied des „Vereins für demokratische Monarchie“ und kandidierte für diesen in den Maiwahlen 1848 als Wahlmann. Niemann 1993, S. 101.
73 Herchenbach 1882, S. 47 und 48.
74 Reinicke 1998, S. 129-131.
75 Jahresberichte des „Vereins der Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe“ über Lage und Wirksamkeit des Vereins ab 1844 unvollständig im Nachlass des Malers und langjährigen Vorsitzenden des Vereins Hermann Becker (bis 1860), Stadtarchiv Düsseldorf.
76 Dazu Fahne 1853. Der Nachlass Fahnes befindet sich im HAStK.
77 Freundliche Mitteilung von Frau Sabine Schroyen, M A. Vergleiche auch Schroyen 1992, S. 14 (Anm.).
78 Verzeichnis der Kunstwerke in den Ausstellungen des „Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen“. Düsseldorf 1837 ff. Unvollständig vorhanden in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
79 Kat. Berlin 1786-1850/1971. Für die anderen Ausstellungen im wesentlichen Boetticher 1891/1901.
80 Heiratsurkunde im Archiv Söhn. Die Braut war in Menden, Regierungsbezirk Arnsberg am 19.1.1824 geboren.
81 Siehe Anhang.
82 Cohen 1925, S. 12.
83 Kopie von Julius Söhn nach einer Daguerrotypie. Archiv Söhn.
84 Zur Fotografie in Düsseldorf Schülke 1994 mit Beiträgen über F. S. Lachenwitz und Julius Söhn. Zu F. S. Lachenwitz und Karl Lachenwitz Heidermann 1997 IV und Heidermann 1998 I.
85 NL Adolf Schults im Historischen Zentrum Wuppertal „Briefe an Johann Richard Seel“.
86 Zu Franken u. a. Wolf 1995, Heidermann 1997 I, Heidermann 1997 II und Heidermann 2004.
87 Teilnehmerliste im Archiv des Malkastens. S. Nr. 195 von Schroyen 1992, S. 145. Den „Kampf der guten Gesellen mit den Weinen“ hat Otto Knille in einem Gemälde festgehalten, das heute nur noch durch eine Fotografie überliefert ist. Es wurde wohl in der Nachkriegszeit im Malkasten gestohlen. Vergl. auch Schreiben Frau Sabine Schroyen vom 3.9.1997, in dem sie mitteilt, dass sie aufgrund der Teilnahme von Busch die korrekte Datierung der im Archiv des Malkasten vorhandenen Teilnehmerliste vornehmen konnte.
88 Fahne 1873.
89 Zu Hackländer u. a. Martini 1966.
90 „Täglicher Anzeiger für Berg und Mark“, Elberfeld vom 21.3.1852. Heidermann 2001.
91 „Elberfelder Zeitung“ vom 11.6.1851 (Kunstausstellung III von P.)
92 „Täglicher Anzeiger für Berg und Mark“ vom 30. Mai 1851 und vom 16. Nov. 1851.
93 „Täglicher Anzeiger für Berg und Mark“ vom 13. Juli 1851. Elberfelder Zeitung vom 21.12.51. Das verkaufte Bild von Schwingen wird als „Die furchtsamen Kinder“ bezeichnet. Wahrscheinlich ist die „Geizige Bauersfrau“ gemeint.
94 „Elberfelder Zeitung“ vom 21.1.1861.
95 Mitgliederlisten im Malkastenarchiv, Düsseldorf.
96 Künstlerverein Malkasten 1858.
97 „Düsseldorfer Anzeiger“ vom 9.5.1863.
98 Kat. Düsseldorf 1898.
99 Großmann 1994, ferner Radziewski 1983.
100 Hütt 1956, S.11/12.
101 Brief an Julius Hübner zitiert nach Tucholski 1984, S. 281.
102 Beneke 1999, S. 7.
103 Beneke 1999, S. 7.
104 Richart Reiche wurde am 2.12.1876 in Barmen geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte und promovierte 1903 bei Dehio in Straßburg. Anschließend war er als Assistent von Paul Clemen in Bonn tätig. 1907 wurde er zum künstlerischen Leiter des Barmer Kunstvereins berufen. An den Ausstellungen des Sonderbundes in Düsseldorf wirkte er als Vorstandsmitglied des „Sonderbundes westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“ mit. Nachdem in Elberfeld 1929 als Nachfolger von Friedrich Fries nicht Reiche, sondern Victor Dirksen gewählt worden war, legte Reiche im Januar 1932 sein Amt nieder. Reiche zog nach Düsseldorf-Oberkassel, arbeitete aber noch weiterhin nebenamtlich mit der Städtischen Galerie in Bochum zusammen. Reiche kam am 11.7.1943 bei einem Luftangriff auf Düsseldorf ums Leben.
105 Becks-Malorny 1992, S. 261.
106 Bredt/Reiche 1909.
107 Hamann 1913 und 1925.
108 Frau J. A. Bemberg, J. A. Bemberg, Peter de Werth, Gertrud de Werth, J. F. Wülfung.
109 Ich danke Dr. Uwe Eckardt, Leiter des Stadtarchivs Wuppertal, für die Entschlüsselung des Kürzels.
110 „Bergisch-Märkische Zeitung“ vom 1.2.1922.
111 „Düsseldorfer Nachrichten“ vom 2.2.1922
112 „Düsseldorfer Nachrichten“ vom 2.2.1922.
113 Zu Cohen siehe besonders Sitt 1994.
114 Kat. Düsseldorf 1925. Darunter Friedrich August de Weerth, Eleonore Mathilde de Weerth geb. Fauth, Josef Schmitz, Peter de Weerth, Johann Friedrich Wülfing, Gertrud de Weerth, Der Martinsabend.
115 Heidermann 1998 II.
116 Cohen 1924.
117 „Deutsche Reichs-Zeitung“, darunter die Bildnisse Jugendliches Selbstbildnis (F), Peter Josef Schwingen, Gertrud Nicolai geb. Hilgers.
118 StA Bonn, Go 317 Gründung eines Heimatmuseums, Korrespondenz Zander/Cohen.
119 Dazu „General-Anzeiger für Bonn und Umgebung“ vom 3.12.1931; „Godesberger Volkszeitung“ vom 3.12.1931 und „Godesberger Tageszeitung“, 3. Jg., 1931, Nr. 163.
120 Zur Familiengeschichte Cohen Fremerey-Dohna 1985.
121 Diesen Hinweis verdanke ich Hans Kleinpass. S. auch „Godesberger Heimatblätter“ 1984, S. 116.
122 Dazu zahlreiche Zeitungsartikel u. a. „General-Anzeiger“ v. 19.3.1962, 25.9.1962, 9.5.1963, 31.5.1963; „Bonner Rundschau“ v. 1.6.1963.
123 „Godesberger Wochenblatt“ v. 16.-24.2.1964, S. 15.
124 „Godesberger Heimatblätter“, Heft 26, 1988, S. 46.
125 Göedecke-Behnke 1983, S. 232.
126 Wiegmann, S. 41.
127 Kauhausen 1956, S. 69.
128 Verzeichnis der Mitglieder des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, welche für die Jahre 1829 und 1830 gezeichnet haben:
Barmen (Die Zahlen bezeichnen die gezahlten Reichstaler)
Asbeck, Peter, Kaufmann: 5; Beckmann, Fr. , Kaufmann: 5; Bredt, J. Peter, Kaufmann: 20; Bredt, K., Ludw., Kaufmann: 5; Bredt, Frau Wwe Ludw.: 5; Bredt-Rübel, Kaufmann: 5; Brüninghausen, L. W., Bürgermeister: 5; Burchard, F., Salzfaktor: 5; Campermann u. Wemhöner, Kaufleute: 5; Dietze, Wilh., Buchhändler: 10; Eller, Wilh., Kaufmann: 5; Engels, Casp., Söhne, Kaufleute: 15; Enneper, F. W., Kaufmann: 5; von Eynern, Fr., Kaufmann: 5; Fischer, J. W., Kaufmann: 5; Heilenbeck, Fr., Kaufmann: 5; Jung, J. Ch., Kaufmann: 5; Orth & Heyne, Kaufleute: 5; Osterroth, W., Kaufmann: 15; Rittershaus, Fr., Kaufmann: 5; Rübel, Frau Wwe.: 5; Schuchard, J., Kaufmann: 5; Siebel, Abr., Kaufmann: 5; Siebel, Wilh., Kaufmann: 5; Snethlage, evang. Pfarrer: 5; Süß, kath Pfarrer: 5: Wittenstein, Wilh., Kaufmann: 5; Wülfing, C., Steuer-Einnehmer: 5
Elberfeld
Achenbach-Simons, G., Kaufm.: 5; Aders, Ewald, Kaufmann: 10; Barthels, Ph., desgl.: 5; Becher, C. C., Subdir. der rheinisch-westindischen Compagnie: 5; Blank, J. W., Blank, C. , Kaufleute: 25; Blank-Hauptmann, J. W., Kaufm.: 5; Bockmühl, Gebr., Schlieper & Hecker, Fabrikanten: 50; Böddinghaus, Fabrikant: 50; Bibliothek der Börsenhalle: 20; Brüning, Oberbürgermeister: 5; Büschler, H., Buchhändler: 5; von Carnap, Abr. Pet., von Carnap Joh. Ad., Kaufleute: 50; von Carnap, H. W., Kaufmann: 5; von Carnap, J. B., desgl.: 5; von Carnap, C. Friedr., desgl.: 5; Dunklenberg, J. C., desgl.: 5; Eller, E., Kaufmann: 15; Feldhoff, C., desgl.: 15; Feldmann-Simons, Fabrikant: 10; Frowein, Abr., Frowein, Gebr., Fabrikanten: 50; Gebhardt, F. J., Kaufmann: 5; Haarhaus, J. C. Söhne, Fabrikanten: 5; Hauptmann, J. W .J., Kaufmann: 10; von der Heydt, Kersten & Söhne, Banquiers: 50; Helligrath, H., Polizei-Commisssar: 5; Horstmann, H., Fabrikant: 5; Hücking, Frau Helene, Rentnerin: 50; Hülsmann, A., evang. Prediger: 10; Jung, F .A., Kaufmann: 50; Kamp, H., desgl.: 15; Kirchner, Ch., desgl.: 5; Köhler-Bockmühl, Kaufmann: 10; Kohl, P. jun., desgl.: 5; Leeser, Frau Wwe.: 5; Lieth, Lehrer: 5; Lucas, Sam., Kaufmann: 5; Lüttringhausen, Gebr., Kaufleute: 5; Mandt, P., für die Gesellschaft für Kunst und Gewerbe: 5; Oberhe, Fr., kath. Pfarrer: 5; Pagenstecher, Alex., Dr., Arzt: 5; Peill, P. C., Kaufmann: 5; Peltzer, Herm. u. Sohn, Kaufl.: 10; Platzhoff, Jakob, Stadtrath: 10; Platzhoff, F. M., Kaufmann: 10; vom Rath, J. P., desgl.: 25; Reinholt, P. , Kaufmann: 5; Rurmann & Meckel, Fabrikanten: 10; Schniewind, Gebr., Kaufleute: 5; Schönian, F. K., Buchhändler: 5; Schuchard, Frl. Wilhelmine, Lehrerin: 5; von Seyssel d`Aix, Graf, Landrath: 5; Siebel, Gerh., Rentner: 50; Simons, Winand, Fabrikant, Simons, Johanna, Frl.: 25; Steinweg, G., Kaufmann: 5; Troost, W. sen., Kaufmann: 5; de Weerth, Peter, Rentner: 100; Wever, Alb. , Kaufmann: 10; Wichelhaus, P. J. , Sohn , Banquier: 25; Wichelhaus, F., desgl.: 10; Wilberg, J. F., Dr., Schulpfleger: 5; Willemsen, J. P., General-Agent: 5; Wolf, J. F., Kaufmann: 10; Wolff, C.D., desgl.: 5; Wülfing, J. F. Jakob Sohn, Rentner: 75.
Die Zahl der Mitglieder des Kunstvereins ging allerdings in den folgenden Jahren ständig zurück. 1845 waren es in Elberfeld noch 86, in Barmen 42; 1862 in Elberfeld 42 und in Barmen 35.
129 Zu seinem Leben die informative Skizze von Marie-Luise Baum 1961.
130 Holzhausen 1965, S. 45/46.
131 Schreiben von Ernst-Günther Frowein an Julius Söhn vom 14. Oktober 1941; Archiv Söhn.
132 Gemeint ist wahrscheinlich Dr. Robert Wichelhaus jun. Einen Artur Wichelhaus gab es in Elberfeld-Barmen nicht. Freundlicher Hinweis von Manfred Wichelhaus. S. auch Schniewind 1997, S. 150.
133 Abbildung in De Weerth 1915, nach S. 238.
134 Holzhausen 1964 II.
135 Cohen 1932 II, S. 8.
136 Cohen 1932, S. 8.
137 Holzhausen 1964 II.
138 De Weerth 1935, S. 76.
139 De Weerth/Schniewind 1972, S. 294, zu den Familienbeziehungen Meckel, De Weerth, Hurter und Wichelhaus s. auch De Weerth/Schniewind 1966.
140 Verkürzte Wiedergabe der Aufsätze von Gisela Schniewind 1972, von Ergänzungen 1997 und aus Briefwechsel des Verfassers mit Frau Schniewind 2001.
141 Kat. Berlin 1906, Bd. II, Nr. 1629.
142 Dieser Hinweis bedeutet wohl nicht, dass es sich hier um eine Gemeinschaftsarbeit Sohn-Schwingen handelt. Wahrscheinlich hatte Schwingen auch hier auf ältere Porträts, diesmal von Sohn, zurückgegriffen.
143 Lorenz 1985, S. 250.
144 Lorenz 1985, S. 166/167.
145 Cohen 1932, S. 9.
146 Kat. Düsseldorf 1969, S. 327. Das Haus lag in der Berliner Straße Nr. 20. Sein Bruder Friedrich wohnte Berliner Straße 47.
147 Eynern 1901, S. 1.
148 Kat. Münster 1995, S. 264.
149 Dazu De Weerth/Schniewind 1972, S. 2-22, Abbildungen der Porträts vor S. 1.
150 In einer von Hermann Herberts veröffentlichten Spendenliste aus dem Jahre 1848 ist für Elberfeld von einer Firma Wülfing & Heseler die Rede, die 150 Taler für die Durchführung von Notstandsarbeiten stiftete. Außerdem hatte sich die Firma schon im Januar 1847 zur Spende von 10 Talern monatlich für den städtischen Unterstützungverein verpflichtet. In den 1850er Jahren wurde der Betrieb nach Unterbarmen Haspeler Straße 43 verlegt. 1875 erscheint Wwe. Heseler als alleinige Inhaberin des Unternehmens, 1879 ist der Sohn Friedrich jun. (Fritz) als Teilhaber hinzugetreten. Besitzerin des Bildes war die 1848 geborene, mit Friedrich Heseler jun. verheiratete Schwiegertochter Marie Arnberg. 1887 zeichnet neben Fritz noch Ernst Heseler als Inhaber der Firma.
151 Ich danke Frau Schmitz-Porten für die Erlaubnis, die Aufzeichnungen ihres verstorbenen Mannes über Lachenwitz und Schwingen einsehen zu können.
152 „Täglicher Anzeiger für Berg und Mark“ vom 9.1.1853 und vom 6.3.1853.
153 Durch die Überlieferung aus diesen Familien ergibt sich die Bestimmung der Abgebildeten und des Malers. Auch mit den Bembergs sind die jetzigen Eigentümer verwandt. Anna Charlotte von Bemberg-Flamersheim (1864-1932), eine Enkelin des bereits mehrfach erwähnten Julius August Bemberg, heiratete den Großvater der Eigentümerin Guido de Weerth-Vettelhoven, Sohn von Werner de Weerth und Anna Goldfuß.
154 Das Bild befindet sich in Godesberger Privatbesitz. Es wurde 1925 auf der Jubiläumsausstellung in Düsseldorf erworben. Zu Franken s. Heidermann 1997 I.
155 Gemeint ist das 1838 entstandene Bild „Die Spinnerin mit ihren Kindern vor des Hauses Tür“. Ein ähnliches Bild befand sich im Besitz der Nachkommen Frankens in Tiflis, vermutlich gemalt von Franken.
156 „Kölnische Zeitung“ vom 3.7.1839.
157 In die Fußstapfen Schwingens trat später Philip Schmitz (1822-1887) mit seinem Bild „Besuch eines Losverkäufers“. Während die Szene in eine bürgerliche Stube verlegt worden ist, lässt der Losverkäufer das Vorbild Schwingen deutlich erkennen. Das Bild erreicht jedoch nicht die gestalterische und malerische Qualität Schwingens. Er hat als Zeitgenosse Schwingens und Gründungsmitglied des Malkasten Schwingens Bilder mit Sicherheit gekannt.
158 In den Schülerlisten der Akademie heißt es für das Sommersemester 1843: „Hat ein Gastmal mit Kleinstädtern und malt jetzt ein Schützenfest mit Bauern“.
159 Kinkel 1843.
160 Kunstblatt, 26. Jg., 1845, Nr. 88, S. 367.
161 Füssli 1843, S.633 und 634.
162 „Kölnische Zeitung“ vom 22.8.1844.
163 Kinkel 1845.
164 Kinkel 1845. Auch das „Bonner Wochenblatt“ berichtete am 18.8.1845 unter Nennung des Namens Schwingen kurz über die Ausstellung.
165 Rösch-Sondermann 1982, S. 162.
166 Kinkel 1931, S. 171.
167 Frohn 1999, S. 290.
168 Das Bild war in der Galerie Paffrath in Düsseldorf ausgestellt und ist im Kunstkalender der Galerie 1995 für den Monat Februar abgebildet. Neuerdings auch in Lexikon 1998, S. 149.
169 Müller, W. 1854, S. 301.
170 Die Erhebung der Schlacht- und Mahlsteuer an einem Kölner Stadttor. Zu Kleinenbroich Heidermann 1999.
171 Tittel 1998, S. 43, S. 46. Die Ausstellung gehörte zu dem Ausstellungs-Zyklus der Kunstvereine „östlich der Elbe“. Zu diesem Ausstellungs-Zyklus hatten sich die Kunstvereine in Königsberg, Stettin, Breslau, Posen und Danzig zusammengeschlossen.
172 StA Bonn, Go 10098, Sitzung vom 21.4.1847.
173 Hoffmann von Fallersleben 1841, S. 9.
174 Dazu auch Heidermann 1997 III, ferner Heidermann 1999 I.
175 Müller, W. 1854, S. 302.
176 Hütt 1964.
177 Dies behauptet Gödecke-Behnke 1983 – allerdings ohne nähere Quellenangaben.
178 „Kölnische Zeitung“ vom 23.8.1849.
179 „Kölnische Zeitung“ vom 23.9.1849.
180 Müller, W. 1854, S. 301.
181 Wiegmann 1856, S. 332.
182 Hütt 1964, S. 68.
183 Hütt 1995, S. 103.
184 Börsch-Supan 1988, S. 302.
185 Cohen 1932 II, S. 11.
186 Kat. Düsseldorf 1996, S. 10.
187 Kat. Düsseldorf 1996, S. 19.
188 Börsch-Supan 1988, S. 14.



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